HOME

Stern Logo Bundesliga

Bundesliga-Teamcheck: TSG Hoffenheim: Auf neuen alten Wegen

In letzter Minute ist die TSG zuletzt dem Abstiegstod von der Schippe gesprungen. Ein Unfall, aus dem der Verein überraschende Lehren gezogen hat.

Von Volker Königkrämer

Ohne Plan und ohne Herz schien Hoffenheim in der vergangenen Saison dem Abstieg entgegenzutaumeln. Dann kamen Markus Gisdol - und ein Auswärtssieg beim BVB - und plötzlich nahm die Mannschaft ihr Herz in beide Hände und rettete die Klasse. An diesen Spirit will die TSG anknüpfen.

Was ist neu?

Die Bescheidenheit. Wie es aussieht, haben die Millionarios aus dem Kraichgau ihre Lektion gelernt. "Hoffenheim hat seine Identität verloren", rechnete Trainer Markus Gisdol nach der verkorksten Saison ab. Dietmar Hopp, milliardenschwerer Vereinsgönner, gesteht: "Wir haben Fehler gemacht und ziehen unsere Lehren daraus."

So hat sich der Verein künftig eine neue Außendarstellung verordnet. Man wolle mutig und agressiv spielen, dabei im Auftreten freundlich und familiär daherkommen, heißt es. Zur Bescheidenheit passt ebenfalls, dass die TSG mit einem geringeren Etat als in der Vorsaison in die neue Spielzeit geht.

Auch bei den Neuverpflichtungen hielt man sich zurück. Einzig Anthony Modeste (von der SG Bastia) und Tarik Elyounoussi (Rosenborg Trondheim) genießen einen gewissen Bekanntheitsgrad. Ansonsten baut Trainer Markus Gisdol auf jene Jungspunde, die dem Team bereits in der Endphase der letzten Saison gut getan haben: etwa den hoch veranlagten Niklas Süle (17), Patrick Schorr (18) und Kevin Akpoguma (18).

Was ist gut?

Aus Hoffenheimer Sicht: der 18. Mai 2013. Denn mit dem Auswärtssieg beim BVB sicherte sich die TSG nicht nur auf den letzten Drücker den Sprung in die Relegation und letztlich auch den Klassenerhalt. Nein, dieser Samstag im Mai wird demnächst vielleicht als wahrer Geburtstag in die Annalen des Vereins eingehen. Dank der Initialzündung , so scheint es, ist aus einem Gebilde ohne Seele beinahe so etwas wie eine Fußballmannschaft geworden.

Klug moderiert Trainer Markus Gisdol den Übergang mit beinahe schon demütigen Statements zu den Saisonzielen: "Wir wollen Fußball entwickeln und eine Mannschaft werden." Dass es dem Verein ernst damit ist, zeigt sich auch im Umgang mit dem schwer verunglückten Boris Vukcevic, dem ein Platz im Kader freigehalten wird.

Gisdol setzt auf einen laufintensiven Überfall-Fußball. Dafür braucht er junge, schnelle und lernbereite Profis. Dass die Mannschaft ihrem Trainer dabei folgt, ließ sich schon in der Endphase der vergangenen Saison beobachten. Gut auch, dass sich die Hoffenheimer die Dienste von Kevin Volland langfristig sichern konnten. Gemeinsam mit Jannik Vestergaard und Roberto Firminho führt er die Fraktion der jungen Wilden an, die von Routiniers wie Sejad Salihovic und Andreas Beck im Zaum gehalten werden sollen.

Was ist schlecht?

Der Kader ist aufgebläht und enthält nach wie vor teure Altlastgen wie Tim Wiese, Matthieu Delpierre, Eren Derdiyok. Hier muss der neue Leiter Profifußball, Alexander Rosen bis zum Ende der Transferperiode noch nachjustieren. Auch die Außendarstellung muss besser werden - siehe den unwürdigen Umgang mit dem aussortierten Torhüter Tim Wiese.

Die Mannschaft ist im Schnitt nur 22 Jahre alt. Doch der Grad zwischen Jugendstil und Naivität ist schmal. Gerade bei Rückschlägen muss sich zeigen, wie weit es im Kraichgau her ist mit dem neuen Teamspirit.

Entscheidend für eine erfolgreiche Saison ist, ob Gisdol seine Abwehr dicht bekommt. Zuletzt kassierten die Hoffenheimer 67 Gegentore - viel zu viel für einen Verein, der ins Bundesliga-Mittelfeld will.

Was ist möglich?

Bei keinem anderen Team fällt eine seriöse Bewertung so schwer wie bei der TSG. Die Mannschaft hat ganz sicher das Zeug, mit ihrem Tempofußball zum dark horse der neuen Saison zu werden. Andererseits kann es genauso gut sein, dass das fragile Gebilde beim ersten Rückschlag in sich zusammenfällt, das Team verkrampft und sich doch wieder im Abstiegskampf wiederfindet

Da wir uns ja hier festlegen wollen, sagen wir: Alles auf blau, Hoffenheim hat mit den Niederungen der Tabelle nichts zu tun.

Wissenscommunity