Bundesligavorschau Bayernjäger in Lauerstellung


Nach dem Patzer der Bayern in Bielefeld ist die Meisterschaft wieder völlig offen. Kurios: Ausnahmsweise dürfte Schalke bei einem Sieg von Erzrivale Dortmund an diesem Spieltag laut mitjubeln.
<em>Von Kai Behrmann</em>

Erst der Schiedsrichter-Skandal und jetzt die Offenbarung über das wahre Ausmaß der finanziellen Misere bei Borussia Dortmund: In der letzten Zeit rückte die sportliche Seite der Fußball-Bundesliga in den Hintergrund. Am Wochenende soll jetzt aber - wenigstens vorübergehend - der Fokus wieder auf dem grünen Rasen liegen. Bei den Partien des 22. Spieltages könnten dabei bereits wichtige Weichen in Richtung Meisterschaft, Europa-Cup-Plätze und Abstieg gestellt werden.

Im Münchner Olympiastadion kommt es zum Duell der ehemaligen Erzrivalen Bayern München und Borussia Dortmund. Standen sich die beiden Vereine in den 1990er Jahren noch auf Augenhöhe im Kampf um die Meisterschaft und Champions-League gegenüber, so liegen mittlerweile Welten zwischen dem Rekordmeister aus München und den Rekordschuldenmachern aus dem Ruhrpott. Die interessanteste Frage lautet, wie die BVB-Spieler auf die drohende Insolvenz ihres Arbeitsgebers reagieren. Wird es Koller, Metzelder und Kollegen gelingen, sich auf das Sportliche zu konzentrieren oder verfällt der Verein kollektiv in einen lähmenden Schockzustand?

BVB-Trainer Bert van Marwijk appellierte an seine Spieler, "nur an das Sportliche zu denken". Diese reagierten größtenteils sprachlos auf die Hiobsbotschaft über die existenzbedrohende Finanzsituation des Ex-Meisters. "Ich möchte mich dazu nicht äußern", sagte Dortmunds Torhüter Roman Weidenfeller und sprach damit aus, was die meisten seiner Kollegen auch denken. Trotz der prekären wirtschaftlichen Situation sieht Weidenfäller der Partie gegen die Bayern optimistisch entgegen. "Wir haben genug Selbstvertrauen, dass wir uns nur auf die Bayern konzentrieren", so Weidenfeller zuversichtlich.

Der tschechische Spielmacher Tomas Rosicky wird den Schwarz-Gelben definitiv nicht dabei helfen können, wenigstens sportlich wieder für Furore zu sorgen und die zuletzt gestartete Mini-Serie von zehn Punkten aus vier Spielen auszubauen. Er fällt weiterhin verletzungsbedingt aus. Aber auch bei Bayern droht mit Kapitän Michael Ballack ein Schlüsselspieler nicht auflaufen zu können. Der Nationalspieler konnte wegen Muskelproblemen diese Woche nicht trainieren. Ein weiterer Ausrutscher der Magath-Elf, wie am vergangenen Wochenende die 1:3-Niederlage in Bielefeld, und der FC Schalke 04 könnte am Sonntag mit einem Sieg bei Borussia Mönchengladbach die Tabellenführung übernehmen.

Allerdings treffen die Schalker in Mönchengladbach auf eine Mannschaft die - nicht zuletzt aufgrund der sieben Neuverpflichtungen während der Winterpause - in den vergangenen Partien einen deutlichen Aufwärtstrend hat erkennen lassen. Besonders zu Hause im neuen Borussia-Park haben sich die Fohlen wieder zu einer echten Heimmacht entwickelt. Zudem haben die Königsblauen seit sechs Jahren nicht mehr alle Punkte aus Gladbach entführen können. Während Schalke-Coach Ralf Rangnick um den Einsatz von Stürmer Ebbe Sand (Grippe) und Spielmacher Lincoln bangen muss, stehen die Nationalspieler Gerald Asamoah und Christian Pander vor einer Rückkehr in die Startformation. Für die Mannschaft des niederländischen Trainers Dick Advocaat könnte der dritte Heimsieg in Folge den endgültigen Abschied aus der Abstiegszone bedeuten.

Aufholjagd oder Absturz

Um nichts anderes als den Klassenerhalt geht es in den Begegnungen VfL Bochum gegen den SC Freiburg, FSV Mainz 05 gegen Arminia Bielefeld und VfL Wolfsburg gegen Hansa Rostock. Besonders für Rostock ist das Spiel bei den Wölfen vermutlich die letzte Chance auf den Verbleib in der ersten Fußball-Bundesliga. Nur ein Sieg könnte den Kontakt zu den Nichtabstiegsrängen wieder herstellen. Momentan beträgt der Abstand bereits neun Punkte. Aber auch für die Mannschaft von Erik Gerets steht viel auf dem Spiel. So steil wie es in der Hinrunde in der Tabelle nach oben ging, so steil ist jetzt der Absturz in die andere Richtung. In der Rückrunde setzte es für den VfL Wolfsburg vier Niederlage in Serie.

Im Ruhrstadion stehen sich mit Bochum und Freiburg zwei direkte und zugleich punktgleiche Abstiegskandidaten gegenüber. Obwohl die Bochumer nunmehr seit sechs Spielen sieglos sind, ist Trainer Peter Neururer nach wie vor optimistisch, dass seine Mannschaft sich in den verbleibenden 13 Partien dieser Saison noch retten wird.

Im vergangenen Herbst war auch der Hamburger SV noch ein ganz heißer Kandidat auf einen Abstieg in die Zweite Bundesliga. Als HSV-Trainer Klaus Toppmöller nach acht Spieltagen seinen Platz für Thomas Doll räumen musste, standen die Hanseaten mit sechs Punkten auf dem letzten Tabellenplatz. Seitdem ging es unter Doll jedoch steil bergauf mit dem Dino der Liga: 28 Punkte aus 13 Spielen bedeuten momentan Platz sieben für den HSV. Und damit soll der Sturm in die obere Tabellenhälfte noch längst nicht beendet sein. Nach dem 2:1-Sieg gegen Meisterschaftsanwärter Stuttgart soll jetzt im zweiten Heimspiel binnen einer Woche gegen den 1. FC Kaiserslautern ein weiterer Dreier nachgelegt werden.

Trotz der beeindruckenden Bilanz der letzten Wochen dürfte die Partie gegen die Pfälzer allerdings kein Spaziergang werden. Denn deren Weg gleicht fast dem des HSV. In der Rückrunde sind die Roten Teufel noch ungeschlagen und haben mit zehn Punkten aus vier Spielen die beste Bilanz aller 18 Bundesligisten. Außerdem verspricht die Rückkehr von Ex-HSV-Trainer Kurt Jara zusätzliche Brisanz.

In der Spitzenpartie zwischen dem fünftplatzierten VfB Stuttgart und dem viertplatzierten Hertha BSC Berlin geht es für den Sieger darum, vielleicht noch einmal mit in den Meisterschaftskampf einzugreifen. Die Aussichten für die Stuttgarter sind jedoch alles andere als günstig. Die Schwaben treffen mit den Berlinern auf die auswärtsstärkste Mannschaft dieser Saison. Und die letzte Niederlage der Götz-Truppe liegt auch schon elf Spiele zurück. Außerdem ist der VfB alles andere als gut in die Rückrunde gestartet. Besonders zu Hause im Daimler-Stadion hat der VfB zuletzt große Probleme gehabt. Gegen Nürnberg und Kaiserslautern stand am Ende nur ein Punkt auf dem Konto.

Stürmisches Nordderby

Ebenfalls nach ganz nach oben schielen der Meister aus Bremen und Bayer 04 Leverkusen. Bremen muss im Nordderby bei Hannover 96 antreten, die Werkself reist nach Nürnberg. Die Fans in Hannover hoffen auf ein ähnlich spektakuläres Spiel, wie bei den letzten zwei Aufeinandertreffen der beiden Teams in der niedersächsischen Landeshauptstadt. Einmal hieß es dabei 4:4 und das andere Mal 5:1 für die Gäste von der Weser. Beide Trainer können allerdings nicht ihre Wunschelf ins Rennen schicken. Werder-Coach muss auf Stürmer Ivan Klasnic verzichten, zudem ist der Einsatz der drei Nationalspieler Miroslav Klose, Fabian Ernst und Frank Fahrenhorst fraglich. Seinem hannoveraner Kollegen Ewald Lienen wird Verteidiger Per Mertesacker fehlen.

Von Verletzungssorgen kann Nürnbergs Trainer Wolfgang Wolf ebenfalls ein Lied singen. Beim 800. Spiel des Clubs in der Bundesliga fallen insgesamt sieben Spieler seiner Mannschaft aus. Am schwersten dürfte dabei der Verlust von Torjäger Markus Schroth aufgrund eines Muskelfaserrisses wiegen. Klaus Augenthaler muss bei der Rückkehr an seine alte Wirkungsstätte Verteidiger Juan ersetzen. Das Nürnberger Frankenstadion weckt bei den Leverkusenern sowohl gute als auch schlechte Erinnerungen. In der Saison 2001/2002 verspielte Bayer mit einer 0:1-Niederlage am letzten Spieltag die Deutsche Meisterschaft und ein Jahr später sicherte ein 1:0-Erfolg in letzter Sekunde den Klassenerhalt.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker