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BVB gewinnt 2:1 gegen Arsenal Frotzeleien mit Jürgen Klopp


Für Jürgen Klopp war der Champions-League-Sieg gegen Arsenal nicht nur ein Vergnügen - er war erneut auf die Tribüne verbannt. Die Spieler störte das wenig – der BVB ist wieder gut im Geschäft.
Von Tim Schulze

Für einen Trainer wie Jürgen Klopp fiel der Jubel über den Siegtreffer von Robert Lewandowski gegen Arsenal London relativ moderat aus. Der Coach erhob sich von seinem Sitz auf der Tribüne des Emirates-Stadion und ballte kurz die Faust. Klopp-Light sozusagen. Die Rolle des wilden Jublers übernahm diesmal BVB-Boss Hans-Joachim Watzke, der Klopp heftig umarmte. Danach herzte der Trainer auch Präsident Reinhard Rauball - und das war es. Einen emotionaleren Auftritt durfte Klopp sich nicht erlauben. Schließlich saß er auf der Ehrentribüne unter Funktionären und Ehrengästen, alle in Schlips und Kragen. Da geht es etwas steifer zu. Klopp büßte den zweiten Teil seiner Sperre ab, die er nach seinem zähnefletschenden Ausbruch im ersten Champions-League-Gruppenspiel gegen Neapel kassiert hatte.

Wie schon beim Sieg gegen Marseille war 46-Jährige zum Zuschauen verdammt. Für einen Trainer ist das eine qualvolle Angelegenheit. Doch seine Mannschaft holte zum Trost des Coaches wie auch gegen die Franzosen einen Sieg. Mit 2:1 gewann Dortmund gegen Arsenal London, immerhin aktueller Tabellenführer der Premier League. Und zum Lohn übernahmen die Schwarz-Gelben die Tabellenführung in Gruppe F, punktgleich mit Arsenal und Neapel, das in Marseille gewann.

Ein knapper, aber verdienter Sieg

Selbstverständlich wird sich Klopp jetzt einiges anhören müssen. Tatsache ist ja, dass die Mannschaft beide Spiele mit ihm auf der Tribüne gewonnen hat, während sie das erste vergeigte, als er den vierten Offiziellen angegangen war. Klopp gab zu, dass einige seiner Spieler nach Abpfiff entsprechende Sprüche machten, zum Beispiel einer "aus Polen mit vielen Konsonanten im Namen“ (das wird wohl Jakub Blaszczykowski gewesen sein). Der Coach nahm es dem nötigen Humor und lobte sein Team: "Das war sehr reif" und eine "Riesenleistung."

Und in der Tat: Die Dortmunder gewannen das Spiel zwar knapp, aber verdient. Wer aber ein Offensivspektakel mit vielen Torchancen erwartet hatte, der wurde an diesem Abend eines Besseren belehrt. Klopp hatte in seiner öffentlichen Replik auf die kleinen Frotzeleien seiner Spieler auch betont: "Ich habe von oben ein paar Dinge gesehen, von denen sie nicht wollten, dass ich sie sehe." Dazu gehörten Ballverluste und Fehlpässe, die sich immer wieder ins Spiel einschlichen, in dem kein Spieler wirklich herausragte, aber auch keiner mit seiner Leistung abfiel. Dennoch funktionierte der BVB als gereiftes Kollektiv auf der großen Champions-League Bühne.

Außerdem profitiert das Klopp-Team von der Tatsache, dass auch eine europäische Spitzenmannschaft wie Arsenal mittlerweile mit einer gehörigen Portion Respekt ins Spiel mit dem Champions-League-Finalisten geht. Die Gastgeber, mit dem viel gelobten Mesut Özil und Per Mertesacker in ihren Reihen, machten zunächst nichts anderes als jeder Gegner in der Bundesliga auch: Sie zogen sich in die eigene Hälfte zurück und vermieden jedes Risiko gegen das Pressing- und Powerensemble des BVB. Fast schon gelähmt wirkte das Team von Geburtstagskind Arsène Wenger. Die größte Enttäuschung war Özil, der in den ersten 45 Minuten von Sahin und Bender komplett aus dem Spiel genommen wurde.

Im Stil einer Klassemannschaft

Dortmund dominierte die ersten 30 Minuten. Klopp hätte sich auf der Tribüne entspannt zurücklehnen können, was ihm natürlich nicht gelang, obwohl Dortmund in der 16. Minute durch Mkhitaryan in Führung gegangen war. Marco Reus hatte erst am Sechzehner der Londoner den Ball vertändelt, ihn aber schnell zurückerobert, Lewandowski passte quer und der Armenier traf mit einem Rechtsschuss ins rechte untere Eck zum 1:0.

Arsenal brauchte bis zur 23. Minute bis zur ersten ersten Torchance. Dann aber übernahmen die Gastgeber das Zepter, auch begünstigt durch Fehler des BVB, der jetzt nicht mehr so konzentriert agierte. Hummels klärte bei einem Schuss von Rosicky auf der Linie. Kurz vor der Pause gelang der Ausgleich, als sich Subotic und Keeper Weidenfeller nach einer Flanke von Außenverteidiger Sagna in die Quere kamen und Giroud zum Ausgleich traf.

Nach Wiederanpfiff verkam die Partie zunächst zu einem Taktikgeschiebe, schließlich gewann Dortmund wieder die Überhand, dann drückte Arsenal, aber ohne wirklich Torgefahr zu verbreiten. Bis auf eine Ausnahme: Ein Schuss von Carzola nach Vorlage von Özil, der auf der rechte Seite ausgewichen war, landete am Lattenkreuz. Da war Dortmund im Glück und Klopp atmete auf der Tribüne einmal tief durch. Die ganze Stärke von Dortmund zeigte sich, als Lewandowski nach einem gelungenen Konter den Siegtreffer erzielte. Der Pole traf volley nach Flanke von Großkreutz. Die letzten zehn Minuten spielte Dortmund im Stil einer Klassemannschaft runter. Im strömenden Londoner Regen war für Arsenal nichts mehr zu holen.

Rio Ferdinand, englischer Verteidiger von Manchester United, twitterte danach beeindruckt: "Dortmund hat einen sehr guten Job gemacht, entschlossen und sachlich (resolute & clinical). Sehr gutes Team." Das trifft es auf den Punkt. Jetzt wartet das Derby auswärts gegen Schalke – und wenn man die Auftritte der beiden Mannschaften am diesem Abend vergleicht, geht Dortmund als haushoher Favorit in das Spiel. Aber bei einem Derby herrschen ja manchmal andere Gesetze.


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