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Bundesliga im stern-Check: Zu viel Kuschelkurs: Fehlt dem BVB ein Mahner wie Sammer?

Der Niedergang des BVB bleibt ein Rätsel. Lothar Matthäus hat einen Rat parat. Er glaubt, der Borussia würde mehr Selbstkritik gut tun.

Von Tim Schulze

Sie haben gut lachen: Die Bayern feiern das zweite Tor von Arjen Robben (l.) zum 4:0 gegen Augsburg und marschieren souverän zur Herbstmeisterschaft, während den Verfolgern jetzt schon die Puste ausgeht

Sie haben gut lachen: Die Bayern feiern das zweite Tor von Arjen Robben (l.) zum 4:0 gegen Augsburg und marschieren souverän zur Herbstmeisterschaft, während den Verfolgern jetzt schon die Puste ausgeht

So liefen die Spiele

Hier finden Sie alle Ergebnisse, Tabellen und Highlights im Überblick.

Aufreger des Spieltag

Über Schiedsrichter wird immer geschimpft. Vor allem der Sonntag bot viel Gelegenheit dazu. Wolfsburgs Manager Klaus Allofs zum Beispiel wetterte nach dem Unentschieden seiner Mannschaft gegen Paderborn über Manuel Gräfe: "Ich habe Gräfe gesagt, er soll so auch mal in München pfeifen" - da war einer wegen der Punkteteilung und nicht gegebener Elfmeter schwer beleidigt.

Doch der wahre Aufreger ereignete sich in der Arena auf Schalke im Spiel gegen Köln. Irgendeine Dumpfbacke auf der Tribüne warf während einer Spielunterbrechung in der Schlussphase ein Zippo-Feuerzeug auf den Rasen und traf Schalkes Co-Trainer Sven Hübscher am Kopf. Der Mann trug eine Platzwunde davon, die genäht werden musste. Köln-Trainer Peter Stöger vermutete, dass der Angriff ihm galt. Der Wurf kam von einem der besseren Plätze. Videoaufnahmen existieren nicht, überwacht werden nämlich nur die Fans in den Kurven. Schalkes Manager Horst Heldt regte sich zu Recht furchtbar auf und hofft, dass der Täter dennoch gefunden und bestraft wird.

Das hat weh getan: Schalkes Co-Trainer Sven Hübscher wird Opfer eines Feuerzeugwurfes

Das hat weh getan: Schalkes Co-Trainer Sven Hübscher wird Opfer eines Feuerzeugwurfes

Dieses Tor sollten Sie (nochmal) sehen

Alle schwärmen von Arjen Robben. Ist ja auch richtig. Robben schoss gegen Augsburg zwei wunderbare Tore. Der Niederländer ist in einer Form, die schon fast nicht mehr von dieser Welt ist. Bayern-Boss Rummenigge adelte ihn freudetrunken als "besten Spieler der Welt". Wir freuen uns mit den glückseligen Superstars und ihrer selbstbewussten Führungsriege, ehrlich. Dennoch wollen wir in dieser Kategorie einen anderen Spieler aufs Podium heben. Die Rede ist von einem 20-jährigen mit dem schönen Namen Melvyn Lorenzen. Das Bremer Nachwuchstalent erzielte beim 3:3 gegen Frankfurt ein Tor der Marke "Robben": erst ein Solo, dann aus spitzen Winkel den Ball präzise ins Tor gedreht. Das Besondere ist: Es war sein Debüttor im dritten Bundesliga-Einsatz. Der Junge freute sich, als wäre er gerade Weltmeister geworden. Seine Auszeichnung soll all den Armen und Schwachen der Liga Mut machen, die ums blanke Überleben kämpfen. Wenn kein Super-Robben da ist, muss halt einer aus dem Nachwuchs ran.

Erstes Bundesligator: Werders Melvyn Lorenzen (m.) kann sein Glück kaum fassen

Erstes Bundesligator: Werders Melvyn Lorenzen (m.) kann sein Glück kaum fassen

Gewinner des Spieltages

Das musste mal gesagt werden: "Wir können für die Unfähigkeit anderer Klubs und Verantwortlicher nichts. Hört auf mit diesem Schmarrn!" Gesagt hat das Paul Breitner am Sonntagmorgen im "Doppelpass". Der 74er-Weltmeister, Schauspieler (im legendären Western "Potato Fritz"), Ex-Maoist und Hoeneß-Kumpel hat der Fußball-Welt die Wahrheit kundgetan. Nicht seine Bayern sind Schuld an der Dominanz und der darausfolgenden Langeweile in der Liga, sondern die schlaffe Konkurrenz. Leider hat er Recht. Dortmund befindet sich in einer kollektiven Depression. Schalke ist unzuverlässig und hysterisch. Leverkusen gleicht einem Haufen wilder Rabauken, denen Konstanz und Cleverness fehlt, Wolfsburg und Gladbach kommen zu brav daher. Die Bayern haben ohne ernsthafte Konkurrenz die Herbstmeisterschaft errungen. Jetzt sind die anderem gefordert.

Verlierer des Spieltages

Nein, das sind nicht die Dortmunder. Das waren sie nämlich schon zu oft. Wir haben uns stattdessen für Benedikt Höwedes vom Erzrivalen Schalke entschieden. Der Weltmeister trug durch einen Fehler und ein Foul, das zum Strafstoß führte, maßgeblich zur Niederlage seiner Mannschaft gegen Köln bei. Dabei waren Höwedes und seine sensiblen Mannen nach drei Siegen in Folge doch so gut drauf. Man wähnte sich wieder auf dem Weg nach oben. Doch Träume sind nur Schäume, vor allem auf Schalke.

Dortmund, was ist nur mit Dir los?

Der BVB gibt in dieser Saison Rätsel auf, nur einer weiß Rat: Lothar Matthäus. Er empfielt den Dortmundern in der Krise einen explosiven Lautsprecher wie Matthias Sammer, einen "Mahner". Es sei in diesem Zusammenhang erwähnt, das nicht Wenige glauben, dass die Bayern trotz und nicht wegen Sammer erfolgreich sind. Zurück zum BVB: In der Champions League marschiert das Team von Jürgen Klopp als Gruppenerster ins Achtelfinale. In der Liga folgt hingegen ein stümperhafter Auftritt nach dem anderen. Über die Ursachen kann man nur wild spekulieren. Ist die Truppe zerstritten? Erreicht der Trainer die Mannschaft nicht mehr? Sind seine Methoden ausgereizt? Gibt es ein psychologisches Problem? Sind die Spieler einfach nur außer Form? Niemand weiß eine Antwort. Wahrscheinlich kommen viele Ursachen zusammen. Das Problem ist nur: Auch Jürgen Klopp wirkt zunehmend ratlos - und das ist kein gutes Zeichen. Vielleicht hilft der alte Spruch: Mund abputzen und weitermachen.

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