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Champions League: Ballack lässt Bayern hoffen

Ein Elfmeter von Michael Ballack hat die Chancen auf ein Weiterkommen für den FC Bayern gewahrt. Nach einer bitteren Pleite beim FC Chelsea ruhen die Hoffnungen nun auf dem Rückspiel.

Ein Elfmeter-Tor in der Nachspielzeit hat dem FC Bayern München eine kleine Chance zur ersten Champions-League- Halbfinalteilnahme seit dem Triumph von 2001 erhalten. Ohne Roy Makaay kassierte der deutsche Fußball-Rekordmeister am Mittwochabend im Viertelfinal-Hinspiel der "Königsklasse" beim FC Chelsea London eine bittere 2:4 (0:1)-Pleite, hat aber für das Rückspiel am kommenden Dienstag im heimischen Olympiastadion noch eine Minimal-Chance auf das Weiterkommen. Allerdings konnten die Bayern zuletzt vor 16 Jahren in einer K.o.-Runde ein Europacup-Aus nach einer Hinspiel-Niederlage noch verhindern.

Vor 40.253 Zuschauern in der ausverkauften Stamford-Bridge-Arena erzielten der überragende Frank Lampard (60./70.), Joe Cole und Didier Drogba (81.) die Tore für den Premier-League-Spitzenreiter, der katastrophale Abwehrfehler der Münchner Hintermannschaft eiskalt ausnutzte. Bastian Schweinsteigers erster Europapokal-Treffer in der 52. Minute zum 1:1 und Ballacks Strafstoß (92.) lassen den Bayern die Hoffnung auf die nächste Runde - ein 2:0 würde bereits reichen.

Magath optimistisch

"Ich bin zuversichtlich, dass wir diesen Rückstand noch umdrehen können, wenn in der nächsten Woche Roy Makaay und vielleicht auch Claudio Pizarro wieder dabei haben", sagte Trainer Felix Magath optimistisch. Manager Uli Hoeneß gab sich sogar "überzeugt, dass Bayern weiterkommt, wenn wir den richtigen Sturm wieder dabei haben".

Der deutsche Rekordmeister musste schon vor Beginn seines 99. Champions-League-Spiels einen herben Rückschlag verkraften. Denn Torjäger Makaay, der gerade erst einen Muskelfaserriss auskuriert hatte, klagte noch über muskuläre Probleme im Oberschenkel, so dass Trainer Felix Magath auf ihn verzichtete. Da auch Pizarro (Muskelfaserriss) fehlte, stand dem Bayern-Coach diesmal der komplette erste Sturm nicht zur Verfügung. Jungstar Paolo Guerrero sollte nun - unterstützt von einem Fünfer-Mittelfeld - als einzige Spitze versuchen, das angestrebte wichtige Auswärtstor zu erzielen.

Abwehrfehler ausgenutzt

Doch alle guten Vorsätze waren durchkreuzt, als die "Blues" mit ihrem ersten durchdachten Angriff zur ebenso frühen wie glücklichen Führung kamen. Nach einer zu kurzen Kopfball-Abwehr von Robert Kovac hielt Cole aus 20 Metern drauf und Lucio fälschte den Ball unerreichbar für Oliver Kahn ab. Zu allem Überfluss stand Didier Drogba bei dieser Aktion in abseitsverdächtiger Position. Dem nach seinen umstrittenen Äußerungen für zwei Spiele gesperrten Chelsea-Coach José Mourinho, der das Match an einem geheimen Ort außerhalb des Stadions verfolgte, und seinem Team kam der wichtige Führungstreffer natürlich zupass.

Chelsea verließ sich nun weitergehend auf seine starke Abwehr und versuchte, über Konter zum Erfolg zu kommen. So musste Kovac, der wie Lucio ungewohnte Unsicherheiten offenbarte, vor dem einschussbereiten Eidur Gudjohnsen retten (24.), und Lampards Schuss ging knapp vorbei (34.). Bei Bayern machte sich das Fehlen der Torjäger schmerzlich bemerkbar: Guerrero bemühte sich nach Kräften, auch Michael Ballack und Owen Hargreaves waren agil, doch insgesamt waren die Offensiv- Aktionen zu zaghaft. Hinzu kam, dass Ze Roberto nach Johnsens Patzer die Großchance zum 1:1 (28.) kläglich ausließ. Auch Freistöße von Hargreaves (23.) und Ze Roberto (33.) fanden nicht den Weg ins Ziel.

Makaay hofft auf Teilnahme im Rückspiel

"Heute konnte ich nicht mitmachen, aber vielleicht kann ich uns nächste Woche mit zwei Toren in die nächste Runde schießen", sagte Makaay zur Pause. Magath brachte Schweinsteiger für Salihamidzic und hatte damit ein glückliches Händchen. Denn der dritte Freistoß aus guter Position saß: Ballack schoss in die Mauer, Ze Roberto zog den abprallenden Ball aufs Tor, Keeper Petr Cech ließ abprallen und Schweinsteiger staubte zu seinem ersten Europacup-Tor ab. Doch die Freude währte nicht lange: Kovac verlor an seinem 31. Geburtstag ein Kopfballduell mit Drogba und Lampard traf per trockenem Linksschuss zur erneuten Führung - der angeschlagene Kahn war machtlos.

Zehn Minuten später kam es für die Gäste, bei denen vor allem die hoch gelobte Innenverteidigung einen rabenschwarzen Tag erwischte, noch schlimmer. Nach etlichen Patzern landete das Leder erneut bei Lampard, der traumhaft sicher "mit links" vollstreckte. Drogbas vierter Treffer schien alle Hoffnungen zunichte zu machen, doch Ballacks Kaltschnäuzigkeit brachte Bayern ins Spiel zurück.

AC Mailand gewinnt 2:0

Der AC Mailand hat das Stadt-Derby in der Champions League gegen Inter mit 2:0 gewonnen, doch die Mailänder Fans standen so eng zusammen wie noch nie. Als Zeichen ihrer tiefen Trauer um den gestorbenen Papst Johannes Paul II. erhoben sich die 80.000 Zuschauer im Giuseppe-Meazza-Stadion und klatschten vor dem Anpfiff vier Minuten lang Beifall. In den sonst so verfeindeten Fan- Kurven wurde der "Heilige Vater" gemeinsam gewürdigt, Spruchbänder mit der Aufschrift "Ein großer Applaus für den Papst" und "Johannes Paul der Große" wurden in die Höhe gehalten.

Zu dem Zeitpunkt ahnten die Inter-Anhänger noch nicht, dass sie auch nach dem Viertelfinal-Hinspiel Trauer tragen würden. Jaap Stam (46.) und Andrej Schewtschenko (69.) nahmen Inter den Nimbus der Unbesiegbarkeit in dieser Champions-League-Saison. Der AC hatte dem Stadtrivalen zuvor auch schon in der Meisterschaft die erste Niederlage beigebracht.

"Das Ergebnis ist ungerecht", sagte Massimo Moratti

Dem Spitzenreiter der Serie A reichten zwei große Chancen und eine Weltklasse-Leistung von Torhüter Dida, um bereits vor dem Rückspiel am kommenden Dienstag mit einem Bein im Halbfinale zu stehen. "Das Ergebnis ist ungerecht", klagte Inter-Besitzer Massimo Moratti, der seinen Club nach sieben Jahren mit großen Investitionen und viel zu kleinen Erfolgen schon wieder leer ausgehen sieht. "Ich hoffe jetzt auf Adriano", meinte Inter-Trainer Roberto Mancini und klammerte sich an das Comeback seines Top-Torjägers im Rückspiel.

Überschattet wurde das friedliche Champions-League-Derby in Mailand vom Tod eines 52-jährigen Inter-Fans. Der Mann erlitt auf der Tribüne einen Herzinfarkt.

DPA / DPA

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