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DFB-Sicherheitsgipfel: Stehplätze gehören weiter zum Fußball

Auf einem Sicherheitsgipfel beriet sich Bundesinnenminister Friedrich gemeinsam mit 53 Vertretern von Profiklubs über Gefahren im Fußball. Das Fazit: Stehplätze sollen bleiben, aber Pyrotechnik muss verschwinden. Fanvertreter reagieren indes geschockt.

Der Sicherheitsgipfel des deutschen Fußballs hat einen Verhaltenskodex mit klarer Ablehnung und Sanktionierung von Pyrotechnik verabschiedet. Die wirtschaftlichen Zuwendungen für Fanprojekte von bisher 25 Millionen Euro jährlich sollen um 50 Prozent erhöht werden. Stadionverbote sollen künftig bis zu zehn Jahre statt bisher drei Jahre betragen dürfen. Stehplätze wird es auch weiterhin geben. "Das ist eine gute Nachricht für Millionen friedliche Fußballfans", sagte Ligapräsident Reinhard Rauball am Dienstag in Berlin.

Stehplätze seien ein Markenzeichen des deutschen Fußballs. "Das ist keine endlose Schleife, da wird vorausgesetzt, dass die Probleme, die auf dem Tisch liegen, bewältigt werden", betonte Rauball. Der Sicherheitsgipfel sei die Auftaktveranstaltung, um Reformen einzuführen. "Das ist der Beginn und der Start." In der Winterpause werde es erste Beschlüsse geben.

Klare Grenzen mit klaren Sanktionen

Bei der Konferenz berieten auf Einladung von DFB und DFL die Vertreter von 53 Proficlubs mit #link;http://www.stern.de/sport/fussball/gewalt-in-stadien-friedrich-fordert-durchgreifen-von-vereinen-1828233.html;Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU)# und dem Vorsitzenden der Innenministerkonferenz, Lorenz Caffier (CDU), über Maßnahmen gegen Gewalt in Stadien.

"Ich bin sehr dankbar, dass ein Verhaltenskodex unterzeichnet wurde, in dem klargemacht wurde: Keine Gewalt, keine Pyrotechnik, klare Grenzen mit klaren Sanktionen", sagte Friedrich. Fankultur und Gewalt schlössen einander aus. Falls alle verabredeten Maßnahmen nicht ausreichen würden, werde man sich noch einmal zusammen setzen.

Union Berlin als einziger Profiklub nicht anwesend

An dem Treffen nahmen auch Wolfgang Niersbach, Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), und Rauball teil. Zweitligist Union Berlin sagte nach Angaben des DFB als einziger Club die Teilnahme ab. Der Fußball-Zweitligist 1. FC Union Berlin hat als einziger der 54 deutschen Proficlubs den Sicherheitsgipfel in Berlin boykottiert. Als Begründung nannte Vereinssprecher Christian Arbeit, dass der am Dienstag beschlossene Verhaltenskodex den Vereinen erst am Montag um 16.45 Uhr zugesandt worden sei.

"Bevor solch ein Kodex verabschiedet werden kann, sollten sich die Vereine zunächst auf einen Konsens einigen können", sagte Arbeit der Nachrichtenagentur dpa. "Innerhalb eines Tages ist dies nicht zu machen. Es scheint auch so, als sollte dies bei dieser Akklamationsveranstaltung gar nicht gewollt gewesen zu sein."

Fanvertreter sind geschockt: "Gipfel ist eine Katastrophe"

Die Fanvertreter der Fußball-Bundesligaclubs haben geschockt auf die Ergebnisse des Sicherheitsgipfels reagiert. "Da verschlägt es einem die Sprache. Das sieht danach aus, dass die Repressalien erhöht werden", fürchtete René Lau von der Arbeitsgemeinschaft Fananwälte, "meines Erachtens ist der Gipfel für die Fans eine Katastrophe." Auf der Konferenz des Deutschen Fußballbundes (DFB), der Deutschen Fußballliga (DFL) und des Bundesinnenministers Hans-Peter Friedrich (CSU) wurden unter anderem schärfere Stadionverbote und die Ächtung von Pyrotechnik erneuert.

"Das ist eine härtere Keule, als wir erwartet haben. Das ist eine drastischere Verschlechterung und ein falsches Signal", kritisierte Jakob Falk von der Fanvertretung "Pro Fans": "Ich frage mich, wozu wir dann in der AG Fanbelange mitarbeiten, wenn wir an solchen entscheidenden Tagen nicht da sind." Nur allzu gerne hätten die Fans an der Konferenz teilgenommen. Eine Einladung erhielten sie aber nicht. "Im Grunde ist es ohne Fanvertreter zwecklos, über Maßnahmen gegen Gewalt im Fußball zu diskutieren", sagte Falk nur wenige Meter Luftlinie entfernt vom Ort des Gipfels auf einer eigenen Veranstaltung.

Forderungen der Fanvertreter nicht ernstgenommen?

"Wenn wir nicht eingeladen werden, laden wir eben selbst ein, um über das Thema Gewalt im Fußball zu sprechen", erklärte Falk. Allerdings befürchten die Fanvertreter nun, dass statt eines Dialoges populistische Schnellschüsse und härtere Sanktionen zu erwarten sind. "Uns fehlt eine Versachlichung in der Diskussion. Wir brauchen keine Hysterie", meinte Falk. Thomas Beckmann von der Bundesgemeinschaft der Fanprojekte glaubt, dass der Sicherheitsgipfel nur einen Sinn verfolgt: "Es werden Dinge verkündet, nur um die öffentliche Meinung zu beruhigen."

Die Fanvertreter beklagten erneut, "dass unsere Forderungen nicht ernst genommen werden, und wir benachteiligt werden", so Pohl. "Viele Vereine haben immer noch nicht begriffen, dass man die Fans genauso hegen und pflegen muss wie die VIPs", sagte Volker Goll von der Koordinierungsstelle Fanprojekte KOS.

csa/DPA / DPA

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