Joachim Löw Diesem Mann vertraut das Land


Seine Nationalelf zählt nach dem Sieg gegen Polen zu den Favoriten der Europameisterschaft. Feinde? Weit und breit nicht in Sicht. Selten war ein Bundestrainer von Fans wie Experten so geschätzt wie Joachim Löw - was ist sein Geheimnis? Porträt eines ungewöhnlich leisen Fußball-Lehrers.
Von Mathias Schneider

Man stutzt einen Moment, weil es gar so abwegig scheint. Der zuvorkommende Joachim Löw, ein Torero? Auch schneidig, nein, schneidig schaut dieser Löw wirklich nicht aus in seinen Maßanzügen und dem Seidenschal, der wie ein Weichzeichner auf seine Erscheinung wirkt.

Doch Frank Wormuth bleibt bei seinem Bild. Er hat als Assistent Seite an Seite mit Löw beim türkischen Traditionsverein Fenerbahce Istanbul gekämpft. Seit einigen Monaten leitet er als Chefausbilder die Trainerakademie des Deutschen Fußball- Bundes. Man kann sagen, dass Wormuth, 47, zu den wenigen Vertrauten des Bundestrainers zählt.

"Wissen sie, ich bin ja eher ein Typ, der mal auf den Tisch haut, direkt im Gespräch auf den Punkt kommt", sagt Wormuth in seinem kargen Büro an der Deutschen Sporthochschule Köln. Der Jogi aber sei nicht zu locken. "Er lässt einen im Gespräch einfach durchs rote Tuch rennen, wenn man auf ihn zugestürzt kommt wie ein Torero." Irgendwann rege man sich ab. "Und dann geht Jogi ruhig auf den anderen ein, und am Ende haben beide einen Konsens. Diplomatie habe ich von ihm gelernt."

Ein Matador, der sich den Attacken auf seine Person geschickt mit ausweichender Rhetorik entzieht, den Angreifer ins Leere laufen lässt. Löw bezwingt aber seine Gegner nicht, er zähmt sie, bis da nichts mehr ist als Harmonie. Eine seltene Gabe. Man lässt das Bild einsickern und muss noch oft daran denken, da man sich aufgemacht hat, diesem Joachim Löw auf die Schliche zu kommen.

Warum ist der Kerl nur so schrecklich beliebt? Wie kann es sein, dass man auf der Reise zu den Stationen seines Trainerdaseins, von Stuttgart bis Wien, nur wohlwollende Stimmen vernimmt? So sympathisch, der Mann. Keine Feinde weit und breit. Ach ja, und kompetent sei er auch. Himmel, wer wird bei so viel Lob nicht misstrauisch. Wo ist der Haken? Und kann so ein Mensch die deutsche Fußballnationalmannschaft bei dieser Europameisterschaft an die Spitze führen?

"Ich benehme mich so, wie ich es für richtig halte"

Konfrontiert man Löw mit seinem Image, blickt er erst einmal einige Sekunden ins Nichts. Er lässt sich ja immer viel Zeit mit seinen Antworten. Man spürt, wie alle Konsequenzen durchdacht werden, da rutscht nichts unüberlegt heraus. Dann sagt er in dieser unvergleichlichen badischhochdeutschen Löw-Sprache: "Ich versuche, immer authentisch zu bleiben. Mein Verhalten folgt nicht einer gewissen Strategie, ich benehme mich so, wie ich es für richtig halte und wie ich erzogen wurde."

Man erntet viele solcher Sätze im Laufe von zwei entspannten Stunden. Löw baut keine Distanz auf. Doch über sich redet er nicht wirklich gern. Um Joachim Löw, geboren am 3. Februar 1960 in Schönau im Schwarzwald, nahezukommen, seine verbindlich wirkende Unverbindlichkeit zu durchdringen, muss man Geduld mitbringen, ihn einkreisen. "Es sind Highlights, wenn der Jogi mal etwas aufmacht", hatte Wormuth noch gewarnt.

Jetzt, da die deutsche Mannschaft mit dem Sieg gegen Polen erfolgreich in die EM gestartet ist, blickt die ganze Nation noch genauer auf auf ihn, doch Löw wirkt relaxt - so wie fast immer. Löw lebt mit seiner Frau Daniela in Freiburg im Stadtteil Wiehre, einem Viertel für Intellektuelle und Lehrer, und in gewissem Sinne ist er das fleischgewordene Freiburg in seiner Gründlichkeit und seinem Understatement. Die Mutter Hildegard und zwei der drei jüngeren Brüder sind in der Region heimisch. Hier schrumpft sich Löw sein staatstragendes Mandat auf ein bürgerliches Maß zurecht.

Suchen nach der perfekten Strategie

Bisweilen marschierte er auch in dieser Saison hinaus ins Stadion, wenn der Zweitligist SC Freiburg spielte. Er setzt sich dann auf einen der Presseplätze. Wo halt gerade frei ist. VIP-Tickets braucht er nicht. Man kennt ihn hier seit Jahrzehnten, er hat lange genug in der Stadt gespielt, erst bei SF Eintracht, später beim SC. Normalität leben - ein kostbares Gut für ihn. Deshalb zog es ihn vor zwei Jahren nicht nach Stuttgart, wo die Löws doch auch lange gelebt hatten und ein Flughafen kürzere Wege versprach. Bloß nicht den heimischen Boden unter den Füßen verlieren.

Mitunter kann er mitten in einem Gespräch abwesend wirken, als sei er mit den Gedanken ganz woanders, doch meistens wirkt er hoch konzentriert. Er hat sich jetzt warmgeredet - und auf einmal bricht die Hülle der Unverbindlichkeit einen Spalt weit auf, der Mensch hinter der Medienfigur lugt hervor. Ein besonderer Moment. Den gelassenen Herrn Löw, er habe ihn sich erarbeiten müssen, gesteht er plötzlich. "Ich war am Anfang als Trainer permanent vom Fußball beherrscht."

Er war Assistent des Trainers Rolf Fringer, dessen Entlassung spülte ihn unverhofft ins Amt des Cheftrainers beim VfB Stuttgart, August 1996. "Ich hatte zwar eine Gesamtphilosophie, aber nicht immer ein klares Bild, wenn es in die falsche Richtung ging", sagt Löw. "Ich hatte immer die Puzzleteile, aber wusste nicht immer, sie richtig zusammenzufügen. Ich hatte nicht immer eine Lösung. Nicht während des Spiels, nicht nach dem Spiel." Er hat sich in die Aufgabe verbissen, wie es so viele Trainer tun, manisch vom Erfolg besessen. Er kann ja für taktische Modelle schwärmen wie andere für Opernaufführungen.

Eine unruhige Karriere

In Stuttgart blieb er für die Stars trotz seiner Beförderung nur der Jogi, eher Kumpel als Chef. Der Schritt zu einem der größten Klubs des Landes kam ein paar Jahre zu früh, sagt Löw heute. Ex-Profi Thomas Schneider, der damals unter ihm spielte und von Löws Wissen schwärmt, erinnert sich, dass "die Ansprache noch nicht ausgereift" gewesen sei, "er hat sich rhetorisch enorm verbessert". Aber ein Fachmann sei er damals schon gewesen, zudem ein menschlicher Trainer.

Am Ende standen der DFB-Pokalsieg und ein Uefa-Cup-Finale, dennoch musste Löw nach zwei Jahren gehen. Schneider beschreibt das Ende als "eine ganz bittere Erfahrung", unter der der VfB lange gelitten habe. "Es gab in unserem Team ein paar Idioten, die sich damals beim Präsidenten Gerhard Mayer-Vorfelder ausgeweint haben." Der Jogi, der sei noch ein bisschen grün hinter den Ohren, schmalbrüstig, nichts für die gehobenen Ansprüche, höhnten die Wortführer. Mayer-Vorfelder, ohnehin skeptisch, entließ seinen Trainer. Als Vermächtnis blieb ein Image, "der nette Herr Löw", der keiner Fliege etwas zuleide tut. Ein gefährliches Stigma in diesem Geschäft.

Es folgte eine unruhige Karriere, nur kurz wirkte Löw in Istanbul, Karlsruhe, Innsbruck und Wien. Bevor Jürgen Klinsmann ihn 2004 als Assistent anwarb, hatten die Experten gerätselt, wie gut dieser Trainer wirklich sei. Wohl auch, weil er nie polemisiert, sondern argumentiert. Womöglich war die Zeit noch nicht reif für einen integrierenden Ansatz, als mancher Trainer noch durch Spaltung des Kaders Energie gewinnen wollte, auf die Kraft der Einschüchterung setzte.

Heute gilt Löws Arbeit als zukunftsweisend. Der FC Bayern erkundigte sich bei ihm vor Monaten, ob er sich grundsätzlich eine Zusammenarbeit vorstellen könne. Die Wahl fiel schließlich auf Jürgen Klinsmann.

Viel von Klinsmann gelernt

Klinsmann. Sein früherer Chef, für den er die Nationalmannschaft schulte. Löw hat von ihm gelernt zu delegieren. Er begreift schnell, eine seiner großen Stärken. Wenn man im Trainingslager vor dieser EM auf Mallorca den Fitnessbereich unter der kargen Betontribüne besuchte, schien Klinsmann allgegenwärtig. Zwischen portablen Herzfrequenzmessern, Spiroträgern zur Kräftigung der Atemmuskulatur, Hürden und Spinningbikes wirbelten Löws Fitnesstrainer Mark Verstegen, Oliver Schmidtlein und Shad Forsythe, die Spieler folgten artig jeder Anweisung. Löw hat seinen Helfern viel Verantwortung übertragen, wie es sein einstiger Boss auch tat. Vor fünf Jahren wäre einem Bundestrainer das noch als Schwäche ausgelegt worden.

Gegen das Etikett, er sei zu weich, hat Löw lange genug arbeiten müssen. So richtig streifte er es erst ab, als Klinsmann sich verabschiedet hatte. "Ich wundere mich immer wieder, warum die Leute denken, ich könne nicht auch mal laut sein", sagt Löw. "Ich trete ja auch mal vor eine Tonne." Und der grummelige Mittelfeldspieler Torsten Frings sagt, klar doch, "der Trainer geht auch mal aus sich raus". Nur ist die Reizschwelle so verdammt hoch, dass man ein bisschen peinlich berührt ist, wenn Löw, die Faust schwingend, bei einem Tor aufs Feld hüpft. Es will einfach nicht zu seiner ausbalancierten Art passen, wirkt beinahe inszeniert.

Dafür erforschen nur wenige dieses Spiel mit ähnlicher Hingabe wie er, jener Hingabe, die ihn früher völlig vereinnahmte. Dass Löw sein inneres Gleichgewicht gefunden hat, verdankt er der Erfahrung dieser schweren ersten Jahre. "Es gab Zeiten, da saß ich mit Freunden oder der Familie beim Essen und war nicht anwesend, alles lief nur wie in einem Spielfilm an mir vorbei. Ich nahm gar nicht mehr richtig teil", erzählt Löw. Der Freundeskreis, nicht mehr als vier, fünf Vertraute, er habe gelitten. "Irgendwann habe ich mich dann gefragt, welche Menschen für mich wichtig sind, und was ich für sie tue. Bin ich denn immer so für sie da wie sie für mich?" Er zwang sich zu Auszeiten vom geliebten Spiel.

Die Entschiedenheit eines Trainers

"Ich habe mich in den letzten zwei, drei Jahren gelöst von diesem überzogenen Ehrgeiz. Ich glaube nicht mehr, dass ich mich 24 Stunden mit Fußball beschäftigen muss, um besser zu werden." Heute hat Löw eine eigene Art von Ausstrahlung entwickelt - bestimmte Gelassenheit, das trifft es wohl am besten. Die WM 2006 war die Wegscheide, nicht nur für die Akzeptanz des Trainers Löw in der Öffentlichkeit, sondern auch für ihn persönlich.

Einer, der den Entwicklungssprung hautnah mitverfolgt hat, ist Jens Nowotny, 34. Er rutschte damals erst im letzten Moment in den WM-Kader. Ein halbes Jahr darauf war alles vorbei. Das Knie, zum x-ten Male. Seitdem widmet sich Nowotny seinen drei Kindern, er sieht seine Zukunft in absehbarer Zeit nicht im Fußball, müsste deshalb Löw nicht schmeicheln: "Der Jogi ist während der WM gewachsen." Löw sei "ein großes Rad im Uhrwerk" gewesen, und "bis zum Ende der WM hat er seine Meinung immer resoluter vertreten", sagt Nowotny.

Vor allem aber holte sich Löw unter Klinsmann jenen Hauch Kompromisslosigkeit, der ihm noch fehlte. Als im Trainingslager vor der WM die Viererkette der Abwehr einfach nicht zusammenfinden wollte, hob er vor rund 100 verdutzten Medienvertretern zu einer Brandrede über die mangelnde Qualität des deutschen Fußballs an. Rückständig sei die Ausbildung, viel zu hoch die Ansprüche der Experten und Fans. Die Einlassung kulminierte in dem Satz: "Wenn einer die Grundrechenarten beherrscht, kann man auch nicht sagen: Du wirst später mal Professor." Den Worten ließ er später Taten folgen: Seinen Freund Frank Wormuth hat er persönlich als Trainer der Trainer empfohlen.

Löw kann hart sein, auch gegen sich selbst. In Wien wollte ihm einmal der egomanische Präsident Stronach die Aufstellung diktieren. "Er hat dann gesagt, dass es eine Entlassung gibt, wenn ich nicht folge", erzählt Löw. "Da habe ich gesagt, gut, dann gibt es eine Entlassung." Nach dem Spiel packte er seine Koffer, die Austria lag auf Rang eins der Tabelle. "Das hat mir damals sehr wehgetan", sagt Löw.

Kurz vor Beginn der EM, im Trainingslager auf Mallorca, bekam auch Oliver Bierhoff seine Entschiedenheit zu spüren. Der Manager der DFB-Auswahl hatte verkündet, dass nach dem Turnier der Torwart Jens Lehmann Geschichte sei. Ob das stimme, wollte ein Journalist wissen. Pause. Löws eng anliegendes weißes Poloshirt spannte sich. "Der Oliver Bierhoff hat ja in sportlichen Fragen relativ wenig Einfluss", antwortete er schließlich gedehnt. Ein Satz wie ein Keulenschlag, wäre da nicht dieses Grinsen. Witz oder Tadel? In der Kontroverse bereits dem anderen die Hand reichen, das ist Löw. Alles zwar ernst gemeint, aber nie böse.

Konstruktive Kritik

Während Bierhoff wegen seiner kühlen Attitüde bei Traditionalisten wie Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler im Verdacht steht, sich durch Kritik an der Bundesliga profilieren zu wollen, werden Löws Ausführungen deshalb nicht als oberlehrerhaft, sondern konstruktiv empfunden. Dabei vertreten beide die gleiche Position. Der gutmütige Kern schimmert halt immer durch, man kann ihm einfach nicht gram sein.

Selbst wenn Löw durchgreift, schafft er sich keine Gegner. "Bei Fenerbahce haben wir acht Spieler in den ersten Wochen eliminiert", erzählt er. "Acht Spieler! Es ging relativ geräuschlos, ich wollte es so." Wormuth sagt, sein Freund bringe es fertig, "dass er einen rauswirft und es ihm noch so erklärt, dass der nicht böse ist".

Löw hat seine Prinzipien, aber ein Kampf, wie ihn Klinsmann 2004 gegen das Establishment des DFB anstrengte, ist unter ihm undenkbar. Er ist keiner, der gegen ein System opponiert. Lieber versucht er, die Dinge von innen heraus voranzutreiben, zu überzeugen statt zu befehlen. Für Kleinkriege fehlt Löw die innere Unzufriedenheit.

Flick: ein treuer Assistent

Was er für Klinsmann war, das ist für ihn heute Hans-Dieter Flick: ein treuer Assistent. Von Red Bull Salzburg hat ihn der DFB losgeeist, davor verdingte sich Flick als Trainer der TSG Hoffenheim. Er errichtete das Fundament, auf dem der Durchmarsch des von Dietmar Hopp alimentierten Provinzvereins in die Bundesliga begann. Löw ließ sich Zeit mit der Auswahl seines Co-Trainers, dann entschied er sich für den 43- Jährigen. Flick kam von allen Kandidaten der Löw'schen Fußballdoktrin am nächsten, teilt seine Ideen vom direkten Spiel, vom hohen Passtempo, vom Verteidigen ohne Fouls.

Flick wohnt in Heidelberg, wie Löw ist er Badener. Wenn man mit ihm plaudert, wird schnell klar, dass die beiden sich vom ersten Moment an blendend verstanden haben müssen. Am Ende des Gesprächs könnte man meinen, Löw habe seinen Bruder geschickt, nicht nur weil beide einen leicht gebückten, aber noch immer austrainierten Körper haben. Auch Höflichkeit und Entspanntheit korrespondieren.

Seit August 2006 arbeitet der frühere Profi des FC Bayern nun an Löws Seite, wirkt ähnlich engagiert, wenn auch deutlich weniger selbstbewusst, als es früher Löw als Assistent war. Dafür kann man sich keinen loyaleren Zuarbeiter vorstellen als diesen Flick, der sich selbst als "Harmoniemensch" bezeichnet und sich auch in dieser Hinsicht von seinem Chef nicht absetzt. Beide sind inzwischen Freunde, bereits gemeinsam mit ihren Frauen im Urlaub auf Mallorca gewesen. Flick sagt über sein Verhältnis zu Löw, in zwei Jahren "seien noch nicht einmal die Fetzen geflogen. Wir liegen nie weit auseinander". Dem inneren Zirkel gehören überdies noch der Schweizer Kontrahentenspäher Urs Siegenthaler an sowie der Torwarttrainer Andreas Köpke. Ein geräuschlos funktionierendes Team.

"Die Ansprache ist heute anders"

Auf dem Trainingsplatz von Mallorca arbeiteten sich Löw und Flick in solch stillem Gleichklang durch die Trainingseinheiten, dass man hätte glauben können, da sei eine Vereinsmannschaft am Werk. Der Verteidiger Philipp Lahm schwärmt, die Art und Weise, wie Löw mit dem Einzelnen rede, sei "so, wie man sich das als Fußballer vorstellt. Er hat eine sehr enge Bindung zu den Spielern". Und Frings lobt, alles habe "sich eingespielt. Da tanzt keiner aus der Reihe".

So lebt diese Nationalmannschaft unter einer Glocke der Harmonie, und schon daran lässt sich erkennen, dass sie Löws Werk sein muss. Die Klinsmann'sche Rastlosigkeit ist vollends aus dem Team gewichen, "die Ansprache heute anders", wie der Kapitän Michael Ballack sagt. Mitspieler erzählen, es sei leiser. Zu leise? Hat die Elf am Ende auch Klinsmanns mitreißende Siegesgier eingebüßt, jenen unbedingten Drang, Widerstände zu überwinden? Kann Löw die Wende herbeiführen, wenn sich das Glück abwendet?

Die Deutschen gelten als Mitfavorit bei dieser EM. Nach dem müden Testspiel gegen Weißrussland schlug man Serbien, das erste EM-Spiel gegen Polen wurde beeindruckend sicher gewonnen. Löw vertraute Spielern wie Lehmann und Metzelder, die nach ihrer Form suchen. Was, wenn das Selbstvertrauen aller beim ersten Gegentreffer einer Angststarre weicht? "Das weiß kein Mensch", antwortet Löw, "man kann das Risiko nur eingrenzen." Er werde sich selbst hinterfragen, wenn er und seine Elf am Ende grandios gescheitert sein sollten. Und wenn Deutschland dann auf seine Dienste verzichten möchte? Löw überlegt einen Moment, dann schaut er einem in die Augen und sagt ruhig: "Der Spaß an diesem leidenschaftlichen Spiel, das ist meine Motivation. Ich könnte auch in der Verbandsliga trainieren. Kein Problem."

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