Russland - Schweden Starke Russen stürmen ins Viertelfinale


Keine Chance für biedere Schweden: Beim 0:2 gegen Russland waren die Skandinavier hoffnungslos überfordert. Die Elf des niederländischen Trainers Guus Hiddink zeigte Tempofußball vom Feinsten und zog vollkommen verdient ins Viertelfinale ein. Dort kommt es jetzt zum Duell mit Hiddinks Landsleuten.

Mit Power-Fußball ist Russland als letztes Team ins Viertelfinale der Europameisterschaft gestürmt - und Trainer Guus Hiddink freut sich nun auf das ersehnte Duell gegen seine niederländischen Landsleute. Angeführt vom überragenden Rückkehrer Andrej Arschawin gewannen die Russen in Innsbruck mit 2:0 (1:0) gegen Schweden und verdrängten die Skandinavier am letzten Spieltag vom zweiten Tabellenplatz der Gruppe D. Vor 30.772 Zuschauern im ausverkauften Tivoli-Stadion erzielten Roman Pawljutschenko (24.) und Arschawin (50.) die Tore für die Russen, die erstmals seit 20 Jahren die Vorrunde einer EM überstanden. Am Samstag in Basel fordert das Team nun im Kampf um den Einzug ins Halbfinale den Topfavoriten Holland. Dagegen müssen die Schweden wie bei der EM 2000 bereits nach der Vorrunde die Koffer packen.

"Wir haben heute gezeigt, wie Russen Fußball spielen können. Arschawin hat ein Super-Spiel abgeliefert. Holland ist zwar bisher die beste Mannschaft bei der EM, aber nichts ist unmöglich", blickte der Nürnberger Iwan Saenko, der von der 66. Minute an zu seinem zweiten Turnier-Einsatz kam, auf das Viertelfinale voraus. Enttäuscht war Schwedens Coach Lars Lagerbäck: "Wir waren in der ersten Halbzeit zu passiv. Es war das Spiel der Russen." Auch Team-Senior Henrik Larsson reagierte sichtlich geknickt: "Wir sind total enttäuscht. Wir haben gegen eine sehr geschickt spielende Mannschaft verloren."

"Sbornaja" mit Zug zum Tor

Mit dem Einsatz von Arschawin, der in den ersten EM-Partien wegen einer Rot-Sperre aus der Qualifikation noch gefehlt hatte, gelang Hiddink der entscheidende Schachzug. Der Stürmer von UEFA-Pokal-Sieger Zenit St. Petersburg glänzte als Torschütze, war an fast allen gefährlichen Offensivaktionen seiner Mannschaft beteiligt und von der anfälligen schwedischen Abwehr kaum zu bremsen. Während die ballsicheren Russen erstmals ihr wahres Können demonstrierten, wurden die Skandinavier, denen vier Tage nach ihrer Last-Minute-Niederlage gegen Spanien ein Unentschieden zum Weiterkommen gereicht hätte, ein Opfer ihrer anfänglichen Passivität. Erst beim 0:2-Rückstand erhöhten sie Tempo und Risikobereitschaft.

Der durch seine Knieverletzung sichtlich gehandicapte Zlatan Ibrahimovic konnte den "Tre Kronors" diesmal nicht auf die Sprünge helfen. Der zweifache Turnier-Torschütze, dessen geschwollenes Knie den Fans seit Tagen Sorgen bereitet hatte, blieb unauffällig und hatte bei einem Kopfball in der 73. Minute seine einzige gute Szene.

Herrliche Ballstafette

Die temporeiche Begegnung stand klar im Zeichen der "Sbornaja", die flüssig kombinierte und stets den direkten Weg zum Tor suchte. Nach einer Viertelstunde tauchte Arschawin erstmals gefährlich vor Torwart Andreas Isaksson auf. Als Juri Schirkow (21.) mit einem Volleyschuss nach einer Ecke das schwedische Tor um Zentimeter ab, lag erneut die Führung für die Hiddink-Elf in der Luft. Das verdiente 1:0 gelang nur drei Minuten später Pawljutschenko, der nach einer herrlichen Ballstafette über Alexander Anjukow und Igor Semschow freie Schussbahn hatte und flach an Isaksson vorbei einschoss.

Den postwendenden Ausgleich vergab der 36-jährige Henrik Larsson (27.), dessen Kopfball bei der ersten schwedischen Chance zur Überraschung von Igor Akinfejew im russischen Tor auf der Latte landete. Aber erst nachdem Pawljutschenko mit einem Schuss (36.) ans Lattenkreuz das mögliche 2:0 verpasst hatte, kam mehr Leben ins schwedische Angriffsspiel. In der 43. Minute verhinderte Akinfejew gegen Schwedens Kapitän Fredrik Ljungberg das drohende 1:1.

Fahrlässige Chancenverwertung: Russland verschenkt höheren Sieg

Doch das schwedische Aufbäumen kurz vor der Pause entpuppte sich nur als Strohfeuer. Nach mustergültiger Vorarbeit von Pawljutschenko beseitigte Arschawin fünf Minuten nach Wiederbeginn mit einem platzierten Schuss in die lange Ecke die Zweifel am Weiterkommen seiner Mannschaft, die in der Schlussphase bei zahlreichen hochkarätigen Möglichkeiten einen höheren Sieg verschenkte. Die Schweden bemühten sich bis zum Ende vergeblich um den Anschluss.

Elmar Dreher/DPA DPA

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