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EM 2012: Deutschland spielt in der Ukraine 3 -3

Joachim Löw versucht weiterhin vergeblich, die Defensivabstimmung der deutschen Nationalelf zu verbessern. Gegen einen konterstarken Gastgeber offenbarten sich große Schwächen im defensiven Umschaltspiel. Das große Angriffspotenzial der DFB-Elf sorgte zumindest noch für ein Remis.

Jogi Löw wollte durch das Testspiel in der Ukraine einen Erkenntnisgewinn über die Breite seines Kaders erlangen. Was er zu sehen bekam, war eine ungeordnete deutsche Mannschaft, die sich immer wieder auskontern ließ und letztlich glücklich remis spielte.

Für das neu formierte Team von Bundestrainer Joachim Löw trafen in Kiew Toni Kroos (39. Minute), Simon Rolfes (65.) und Thomas Müller (78.). Andriy Yarmolenko (28.) und Yevgen Konoplyanka (37.) und Sergiy Nazarenko (45.+1) hatten die Co-Gastgeber der Europameisterschaft von 2012 bereits 3:1 in Führung geschossen.

Ohne Lahm, Schweinsteiger, Klose und Reus

Joachim Löw musste auf Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger, Miroslav Klose und auch auf Marco Reus verzichten. Die letzten beiden sollen allerdings in Hamburg gegen die Niederlande wieder mit von der Partie sein. Bei den Gastgebern absolvierte Andriy Shevchenko sein 104. Länderspiel, Anatoliy Tymoshchuk lief im Mittelfeld auf.

Die erste gute Gelegenheit erspielten sich die Gastgeber. Jerome Boateng verlor den Ball, Artem Milevskiy nutzte das mit einem punktgenauen Zuspiel in den Lauf der ukrainischen Legende Shevchenko, der aus spitzem Winkel abzog und das Außennetz traf (3.). Die Ukraine stand kompakt und wartete auf Konter, was es dem deutschem Team schwer machte. Die Löw-Truppe brauchte eine Viertelstunde, um ihrerseits zu einer Großchance zu kommen. Nach einem Zuspiel von Toni Kroos suchte Mario Gomez sieben Meter vor dem Tor den schnellen Abschluss, scheiterte aber an der guten Fußabwehr von Oleksandr Rybka.

Konterfußball vom Feinsten 

Angetrieben von einem euphorischen Publikum konterte die Ukraine das deutsche Team in der 28. Minute nach einem eigenen Eckball aus. Durch einen feinen Diagonalball wurde Artem Milevskiy geschickt, der auf Yaroslav Rakytsky durchsteckte. Rakytsky konnte Mario Götze im Strafraum düpieren, seine Hereingabe erreichte Andriy Yarmolenko, der drei Meter vor dem Tor zum 1:0 einschieben konnte. Damit hatte es sich noch nicht ausgekontert. Die Ukraine fand gefallen am schnellen Umschaltspiel. Ausgangspunkt für den zweiten Treffer war Mats Hummels.

Der BVB-Verteidiger trieb sich nach einem erneuten Eckball im gegnerischen Strafraum herum, nach einem allzu lässig gespieltem Pass, setze die Ukraine den Schnellzug in Richtung deutsches Tor in Gang. Milevskiy bediente Yevgen Konoplyanka, der startete in der eigenen Hälfte und legte dann einen Sprint über 60 Meter hin, dem Träsch nicht folgen konnte. Schließlich spielte er auch noch Zieler aus und schob die Kugel aus acht Metern ins leere Tor (36.). Deutschland erhöhte den Druck, kam nur zwei Minuten später zum 1:2-Anschlusstreffer. Toni Kroos hatte aus 24 Metern Maß genommen und den Ball ins lange Eck gedroschen (38.).

Weitschuss-Knaller Teil II 

Aber auch die Ukraine hatte Kandidaten für den Weitschuss-Award dabei. Sergiy Nazarenko nahm sich aus 28 Metern ein Herz und sein Schuss schlug links oben im Kasten von Ron-Robert Zieler ein, der das dritte Tor hinnehmen musste, ohne zuvor einen nennenswerten Ball halten zu können (45.). Das taktische Experiment mit einer 3-5-2-Aufstellung ging nicht auf. Die Abwehr der deutschen wurde durch schnelle Konter zu leicht entblößt, im Mittelfeld stimmte die Ordnung nicht und vorne agierte man zu ungenau und pomadig.

Das deutsche Team machte auch zu Beginn der zweiten Halbzeit viel Druck, die erste Chance, natürlich durch einen schnellen Konter, hatte die Ukraine. Shevchenko setzte sich gegen Dennis Aogo durch, spitzelte den Ball in Richtung langes Eck, doch Zieler war mit den Fingerspitzen dran, lenkte den Ball zur Ecke (50.). Zieler konnte das 4:1 verhindern, gut zehn Minuten später hatte er Glück, dass Nazarenko frei vor dem Tor weit am langen Pfosten vorbei zog. Deutschland tat sich schwer, aus dem Spiel heraus, klare Chancen zu kreieren. Da musste eine Standardsituation her.

Özil/Götze raus, Podolski/Müller rein 

Mats Hummels spielte nach einer Ecke von Özil den Ball auf den langen Pfosten, dort fiel er Simon Rolfes auf den Fuß, der zum 2:3 verkürzen konnte (65.). Das Experiment Özil und Götze war in der 66. Minute beendet. Lukas Podolski und Thomas Müller kamen für die beiden Offensivzauberer. Müller zeigte auch gleich, dass es auch mal rustikal gehen darf. Er schoss aus 15 Metern das 3:3, wobei Keeper Rybka alles andere als gut aussah (77.). Zieler hielt in der 90. Minute das Remis fest, als er nach einem Schussversuch von Marko Devic mit dem Fuß parierte.

Jogi Löw und sein Team erzielten ein glückliches Unentschieden. Die Ukraine konterte brandgefährlich und nutzte die Schwächen der deutschen Defensive. Da die Ukraine nur drei der vielen Topmöglichkeiten nutzen konnte und das deutsche Team über ein tolles Offensivpotenzial verfügt, ging das Spiel letztlich remis aus. Löw muss sich weiter um die Defensive der DFB-Elf Gedanken machen. Auch taktisch schienen seine Pläne nicht aufzugehen.

sportal.de / sportal

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