HOME

EM 2012: Trotz Personalsorgen will Löw-Elf den Qualifikationsrekord

Der mögliche Rekord mit den meisten Siegen für ein DFB-Team und der Auftritt vor den eigenen Anhängern beflügelt die Nationalmannschaft im eigentlich für sie bedeutungslosen letzten Spiel der EM-Qualifikation gegen Belgien. Auch einige Personalsorgen sollen dem Siegeswillen dabei keinen Abbruch tun.

"Wir wollen den Rekord und uns nichts vorwerfen lassen", gibt Torjäger Mario Gomez vor dem letzten Qualifikationsspiel gegen Belgien die Marschrichtung für die deutsche Nationalmannschaft aus.

Manuel Neuer versprach den Zuschauern im letzten Punktspiel vor der EM 2012 nochmals ein Spektakel: "Vor vier Jahren sind die letzten Spiele so dahingeplätschert. Wir möchten unseren Fans ein Geschenk machen, nicht den Belgiern", sagte der Münchner Torhüter.

Bundestrainer Joachim Löw ist gewiss, dass sein Personal auf dem Weg zum DFB-Qualifikationsrekord mit dann zehn Siegen keinen Zentimeter Raum freiwillig abgeben wird. In der Vorbereitung auf die Partie in der Düsseldorfer Arena sieht Löw seine Spieler "konzentriert und leistungsbereit, um die zehn Siege zu schaffen". Löws Warnungen vor dem kleinen Nachbarn fielen dann auch recht leise aus: "Belgien hat es in der eigenen Hand, die Relegation zu erreichen. Deshalb können wir davon ausgehen, dass die Belgier mit großer Motivation auftreten".

Schwieriges Rückspiel

Die Gäste (15 Zähler) müssen im Wettlauf um Gruppenplatz zwei unbedingt punkten, weil die Türkei (14) zeitgleich im Heimspiel gegen Aserbaidschan vor einer lösbaren Aufgabe steht. "Wir können nicht mit einem Gang weniger spielen", sagte Bastian Schweinsteiger und verwies auf die Mühen beim 1:0-Hinspielsieg.

Erst ein Fehler des Münchners Daniel van Buyten, der in Düsseldorf gelb-gesperrt fehlt, ermöglichte vor einem Jahr in Brüssel Klose den 1:0-Siegtreffer. "Das erste Spiel nach der WM zu gewinnen, war schwierig und der Schlüssel für uns", meinte Schweinsteiger: "Ich gehe davon aus, dass es im Rückspiel noch schwieriger wird."

Kloses Schmerzen zu stark

Schweinsteiger wird möglicherweise gar nicht selbst helfen können, denn seine gegen die Türken erlittene Oberschenkelblessur erweist sich als ebenso hartnäckig wie das muskuläre Problem bei seinem Bayern-Kollegen Jérôme Boateng. Routinier Klose musste bereits definitiv passen, das 113. Länderspiel muss weiter warten. "Er hat alles versucht, die Behandlungen sind ausgereizt, er hat immer noch starke Schmerzen im Knie", berichtete der Bundestrainer.

Dagegen kann Löw wohl Mesut Özil aufstellen, der in Istanbul wegen einer Achillessehnenreizung ebenfalls gefehlt hatte. Allerdings ist auch in dem Fall die letzte Entscheidung noch nicht gefallen. "Wenn kein Risiko besteht, wird Mesut von Anfang an spielen", sagte Löw.

Özil würde für den abgereisten Dortmunder Mario Götze wieder auf seinen angestammten Platz in der offensiven Mittelfeldreihe rücken. Der von einem grippalen Infekt genesene Münchner Toni Kroos könnte für Schweinsteiger ins Team kommen. Der Schalker Benedikt Höwedes steht als Rechtsverteidiger für Boateng bereit. Ansonsten werde es "nicht all zu viele Wechsel" geben, kündigte der Bundestrainer an.

Es gibt keine Stammspieler mehr

Der zwangsweise Personaltausch macht Löw keine Sorgen, im Gegenteil: "Grundsätzlich treibt gerade die Konkurrenzsituation die Spieler an, nicht nachzulassen." Deshalb müsse man sich in Deutschland nun ein für alle Mal von der Unterscheidung in elf Stammspieler und Ergänzungsspieler verabschieden, forderte der DFB-Chefcoach energisch: "Das Thema Stammspieler ist passé!"

Löw will viele gleichwertige Alternativen - wie in der Angriffsspitze. Der Freiburger lobte die Entwicklung des 26 Jahre alten Gomez. Vor seinem 49. Länderspiel sei der Münchner nun auf Augenhöhe mit dem jahrelang unantastbaren Klose. "Wenn er spielt, trifft er auch", sagte Löw zu Gomez, der viele Jahre im Nationalteam gefremdelt hatte. Auf fünf Qualifikations-Tore hat es Gomez schon gebracht: "Er ist eine Tormaschine", bemerkte Löw.

Das will Gomez auch gegen die Belgier wieder beweisen, für deren letzten und einzigen Sieg in Deutschland es keine Zeitzeugen mehr gibt. Vor sage und schreibe 101 Jahren verlor das DFB-Team 0:3 in Duisburg. Und auch der letzte belgische Erfolg überhaupt im Nachbarschaftsduell liegt schon 57 Jahre zurück. 19 der bisherigen 24 Vergleiche konnte Deutschland gewinnen, vier Partien gingen verloren.

Für Thomas Müller ist die Neuauflage "kein weltbewegendes Spiel, was uns für die nächsten sechs Monate beeinflussen wird". Allerdings dürfe man nicht "Larifari spielen, um nicht in den Verdacht der Wettbewerbsverzerrung zu kommen", mahnte der WM-Torschützenkönig.

sportal.de / sportal

Wissenscommunity