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EM-Qualifikation: DFB-Elf feiert Prager Frühling

Das Team von Bundestrainer Joachim Löw hat einen Riesenschritt auf dem Weg zur Europameisterschaft getan: Mit einem verdienten 2:1-Sieg gewann das DFB-Team gegen Tschechien und baute seine Tabellenführung in Gruppe D aus. Spieler des Tages war Kevin Kuranyi, der beide Tore erzielte.

Doppeltorschütze Kevin Kuranyi avancierte beim hochverdienten 2:1 (1:0)- Sieg des WM-Dritten am Samstagabend im Hexenkessel von Prag mit seinen beiden Kopfballtoren (42./62.) zum Matchwinner. Nur nach dem glücklichen Anschlusstreffer von Milan Baros (76.) geriet der Erfolg vor 17 821 Zuschauern im ausverkauften Stadion von Sparta Prag in Gefahr.

"Das war ein wichtiger Sieg. Wir haben sehr intelligent gespielt. Wir haben wie eine Mauer gestanden. Wir können sehr zufrieden sein. Ich bin natürlich froh, dass wir Stürmer haben, die treffen", sagte Bundestrainer Joachim Löw. "Die Mannschaft spielt schon seit längerer Zeit sehr reif. Sie hat das hervorragend gelöst. Man muss ihr ein Kompliment machen."

Tabellenführung gefestigt

Mit 13 Punkten festigte die ungeschlagene deutsche Elf die Führung in der Qualifikationsgruppe D vor Tschechien und Irland (beide 10) und demonstrierte beim siebten Sieg im achten Spiel unter Löw ihre gewachsene internationale Reife. "Ich habe an die Mannschaft geglaubt. Diese Mannschaft passt gut zusammen. Wir haben verdient gewonnen", sagte Kuranyi. "Es ist gut, dass wir gute Stürmer haben. Der Trainer hat die Qual der Wahl", betonte der Schalker.

Auch Michael Ballack äußerte sich zufrieden: "Ich denke, wir haben souverän aufgespielt und verdient gewonnen. Wir haben das Spiel kontrolliert, hätten vielleicht früher den Sack zumachen müssen. Diese Mannschaft spielt Fußball, das ist das Schöne", sagte der Kapitän. "Ich muss den Deutschen zu einem sehr, sehr guten Spiel gratulieren", zollte Tschechiens Trainer Karel Brückner Respekt.

Test gegen Dänemark am Mittwoch

Die enttäuschenden Tschechen können am Mittwoch im nächsten Heimspiel gegen Zypern wieder nach Punkten zur Löw-Auswahl aufschließen. Die nächsten Qualifikationsspiele für das DFB-Team nach dem Test gegen Dänemark am kommenden Mittwoch in Duisburg stehen erst am 2. Juni in Nürnberg gegen San Marino und vier Tage später gegen die Slowakei in Hamburg an.

Mit Kuranyi als Sturmpartner von Lukas Podolski bot Löw den erwarteten Ersatzmann für den Gelb-gesperrten WM-Torschützenkönig Klose auf. Zuletzt hatte dieses Duo im Oktober 2005 beim 1:2 in der Türkei den deutschen Angriff gebildet. Bis zum ersten Treffer mussten sich beide offenkundig noch aufeinander einstellen, wurden dann aber nicht nur durch die Treffer des Rückkehrers, an deren Entstehung auch Podolski beteiligt war, zu Sieggaranten.

Zehn Spieler waren bei der WM dabei - außer Kuranyi

Kuranyi war der einzige Akteur in der Startformation, der bei der WM 2006 gefehlt hatte. Zehn Spieler waren auch beim Sommermärchen dabei, und der Teamgeist war deutlich zu spüren. Gefestigt und mit erkennbarem, auf Offensive ausgelegtem, taktischem System starteten die Deutschen in die Partie und demonstrierten über 90 Minuten, dass sie auch gegen einen starken Gegner ein Spiel dominieren können.

Auf der linken Verteidiger-Position überzeugte anfangs besonders der Gladbacher Marcell Jansen und rechtfertigte seine Nominierung durch engagierte Offensivaktionen. Der zum vierten Mal als Notnagel von der linken auf die rechte Bahn beorderte Phillip Lahm musste sich hingegen zunächst wieder an die Position auf der "falschen" Seite gewöhnen und wurde vom Nürnberger Jan Polak, dem zunächst einzigen gefährlichen Tschechen, schon früh in Bedrängnis gebracht.

Metzelder und Mertesacker standen sicher

Auch die Tschechen spielten mit zwei Spitzen: Neben dem von Löw vor dem Spiel noch als große Gefahrenquelle ausgemachten früheren Dortmunder Jan Koller bot Brückner auch Baros auf. Mit umsichtigen Stellungsspiel in der neu formierten, aber dennoch sicheren Abwehr, ließen Christoph Metzelder und Per Mertesacker als feste, zentrale Säulen den Gastgebern kaum Raum.

Das Geschehen bestimmte somit der WM-Dritte. Bastian Schweinsteiger zeigte trotz einiger missglückter Eckbälle und Abspielfehler, dass er im Gegensatz zum Schweiz-Spiel Anfang Februar keinen Bollerwagen voller Sorgen mehr hinter sich herzieht. Schon nach knapp einer Minute prüfte der Münchner Tschechiens Torwart Petr Cech.

Podolski traf nur die Latte

Der Londoner Teamkollege des umsichtig und besonders in der Defensive effektiv agierenden Ballack trat fünf Monate nach seinem Schädelbasisbruch wie beim FC Chelsea mit einem Rugbyhelm als Kopfschutz an und rückte in der ersten Halbzeit noch mehrfach in den Blickpunkt. Gegen Schweinsteiger (12./21.) und Podolski (24./41.) bewies Cech seine Klasse. Kuranyis Kopfball - nach einer diesmal von Torsten Frings getretenen Ecke, bei der der Ball förmlich sanft wie eine Seifenblase in den Strafraum schwebte - ließ der Welttorhüter 2005 aber passieren. Die verdiente deutsche Führung hätte schon zur Halbzeit höher sein können, doch Podolski (45.) setzte einen Schuss an die Latte.

In der zweiten Halbzeit ließ die erwartete Offensive der Tschechen eine knappe Viertelstunde auf sich warten. Erst dann deutete Baros (59.) mit einem Kopfball seine Torgefahr an. Im Gegenzug vergab Bernd Schneider nach uneigennützigem Zuspiel von Podolski das 2:0. Zwei Minuten später war Kuranyi aber wieder zur Stelle und erzielte nach einer Lahm-Flanke seinen zweiten Kopfballtreffer. Podolski (70.) per Kopfball und Kuranyi (72.) hätten sogar noch erhöhen können. Zudem wurde der Schalker kurz darauf (74.) elfmeterreif gefoult. Als der Ball von Baros Hacke nach Polak-Schuss ins deutsche Tor trudelte musste doch nochmal gezittert werden. Doch das DFB-Team überstand auch die hektische Schlussphase, in der nun auch Torhüter Jens Lehmann von den Tschechen gefordert wurde.

Die Aufstellungen

0:1 Kuranyi (41.) 0:2 Kuranyi (62.)
1:2 Baros (76.)

Tschechien:

Cech - Ujfalusi (84. Vlcek), Jiranek, Rozehnal, Jankulovski - Sionko (46. Plasil), Galasek (67. Kulic), Polak, Rosicky - Koller, Baros

Deutschland:

Lehmann - Mertesacker, Metzelder, Jansen, Lahm - Frings, Schweinsteiger, Schneider, Balllack - Podolski (89. Hitzlsperger), Kuranyi

Schiedsrichter:

Roberto Rosetti (Italien)

Zuschauer:

17 821

Gelbe Karten:

Galasek, Jankulosvki, Koller - Jansen, Lehmann

Klaus Bergmann und Jens Mende/DPA / DPA

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