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Rechtsextreme unterwandern Kreisligisten Brauner Sumpf beim FC Ostelbien Dornburg


Im Umfeld des Kreisliga-Vereins FC Ostelbien Dornburg vermutet das Innenministerium mehr als zehn Personen der rechtsextremen Szene. Die Männer verbreiten offenbar Schrecken in der gesamten Region.

Man könnte meinen, die Rückennummer 18 habe im Fußball keine tiefergehende Symbolik. Juan Bernat trägt sie beim FC Bayern, Nuri Sahin bei Borussia Dortmund. In der Nationalmannschaft hat sie Toni Kroos auf dem Rücken. Alles sehr gute Fußballer, die der Nummer keinerlei besondere Bedeutung beimessen.

Wenn man allerdings nach Sachsen-Anhalt blickt, genauer zum FC Ostelbien Dornburg in die Kreisliga, dann wird man das Gefühl nicht los, dass die Nummer 18 dort doch eine bestimmte Botschaft transportieren soll.

In Dornburg spielen zehn Personen, die das Innenministerium von Sachsen-Anhalt der rechtsextremen Szene zuordnet. Das recherchierten Journalisten der "taz", und das bestätigte eine Sprecherin des Innenministeriums dem stern auf Nachfrage. Genauso viele Spieler des Vereins gehören demnach auch der rechtsextremen Hooligan-Vereinigung "Blue White Street Elite" an.

Spieler angespuckt, Schiedsrichter unter Druck gesetzt

Der Dornburger Spieler, der in seinem Team die 18 trägt, dürfte sich die Rückennummer kaum zufällig ausgesucht haben. Die 18 gilt in der rechtsextremen Szene als Lieblingszahl, weil die 1 und die 8 als Code fungieren. Die Zahlen stehen für den ersten und achten Buchstaben im Alphabet. A und H. Die Initialen von Adolf Hitler. Dennis Wesemann heißt der 18er bei Dornburg, und wie der Zufall es so will, war er es, der den Hooligan-Club gegründet hat. Hauptberuflich verkauft er Kleidung mit gewaltverherrlichenden Symbolen und Motiven.

Als die Reporter der "taz" dem Treiben in Dornburg einen Besuch abstatten, stellt sich heraus, dass Wesemann und seine Kollegen auch beim Fußball eher auf brutale Methoden stehen. Die Spieler aus Dornburg sollen Gegenspieler mit Migrationshintergrund angespuckt haben, sollen sie gestoßen und vom Platz gemobbt haben, sollen Schiedsrichter geschlagen und unter Druck gesetzt haben. Reden mag darüber niemand gern. Zumindest nicht öffentlich. Auf Nachfrage hieß es unter anderem: "Nur anonym. Ich will doch keinen Hausbesuch von Herrn Wesemann und seinen Kameraden."

"Wer spielt nach wessen Regeln?"

Wesemann und sein Club scheinen eine ganze Region im Griff zu haben. Der Verfassungsschutz sieht zwar keinen hinreichenden Grund, den Verein als Ganzen zu beobachten, wie das Innenministerium dem stern mitteilte, doch wenn man den Recherchen der "taz" Glauben schenkt, zeichnet sich ein klares Bild ab: Wesemann versucht, Einfluss geltend zu machen. Er kandidierte bereits als Bürgermeister, scheiterte nur knapp daran, das erste rechtsextreme Stadtoberhaupt Deutschlands zu werden. Er hat gute Kontakte in der Region. Und beim Fußballverband scheint er einen Bonus zu haben.

Offiziell ist Wesemann für jeglichen Spielbetrieb gesperrt, nachdem er bei einem Hallenturnier einen Schiedsrichter bedroht hatte. Nun lief er in einem Ligaspiel dennoch auf. Konsequenzen gab es keine. Beim Verband spricht man von einem Missverständnis. Nach Recherchen der "taz" soll es ein offenes Geheimnis sein, dass Schiedsrichter entweder mit Wesemann befreundet sind oder schlichtweg Angst vor ihm haben. Die "taz" stellt dazu die Frage: "Wer spielt hier eigentlich nach wessen Regeln?"

Verband weiß nichts von Hintergründen

Der Fußball-Verband Sachsen-Anhalt gibt an, nichts von den Hintergründen zu wissen. Man pflege eine Null-Toleranz-Politik gegenüber Rechtsextremen. "Aber wir brauchen konkrete Anhaltspunkte, um gegen den Verein vorgehen zu können", teilt man mit.

Vielleicht sollten die Verbandsfunktionäre mal beim gut informierten Innenministerium anrufen. So könnte die Null-Toleranz-Politik endlich ihren Anfang nehmen.

Felix Haas

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