HOME
Kommentar

Obszöne Pöbeleien in sozialen Medien: Der FC Bayern muss Ribéry bestrafen, sollte ihn aber nicht feuern

Franck Ribéry hat sich in den sozialen Medien einen beispiellosen verbalen Ausraster geleistet. Dafür sollte der FC Bayern dem Spieler klar die Grenzen aufzeigen, ihn aber nicht vom Hof jagen.

Franck Ribéry Kommentar FC Bayern München

Franck Ribéry hat sich nicht immer im Griff, sowohl auf wie neben dem Platz

DPA

Ach Franck, möchte man ausrufen, wenn dieser wunderbare Fußballer mal wieder beweist, dass er sein Temperament nicht unter Kontrolle hat. Seine zahlreichen Tätlichkeiten auf dem Rasen sind bekannt wie legendär. Einige von ihnen waren harmlos, zum Beispiel als er zwei Jahren dem damaligen HSV-Profi Nicolai Müller in die Wange kniff. Strenggenommen war das eine Rote Karte, aber der Schiedsrichter beließ es bei einer Gelben. Müller nahm es mit Humor und kommentierte nach dem Spiel: "Franck wollte mir wohl den Bart streicheln. Solche Scharmützel gehören dazu."

Andere Tätlichkeiten hingegen waren schlicht brutale Fouls. Ribéry hat nachgetreten oder gern mal den Ellenbogen in das Gesicht des Gegenspielers gerammt. Oft ist er ungestraft davongekommen. Die Nachsichtigkeit der Schiedsrichter wurde viel kritisiert. Der Verdacht lag im Raum, dass hier einer einen Star-Bonus genießt. Auch der FC Bayern, bei dem Ribéry eine Ära mit großen Erfolgen geprägt hat (1 x Champions League, 8 x Deutscher Meister, 5 x Pokalsieger), behandelte seinen Star mit Samthandschuhen oder stellte sich schützend vor ihn. Zuletzt war das der Fall, als Ribéry nach dem Spiel in Dortmund einen französischen Journalisten geohrfeigt hatte. Er entschuldigte sich persönlich bei dem Mann und die Sache war erledigt.

Die Pöbeleien sind beschämend

Nun hat der französische Hitzkopf wieder auf drastische Art gezeigt, dass ihm manchmal Disziplin und Anstand abhanden kommen. In Reaktion auf die Kritik an dem vergoldeten Steak, das er sich für angeblich 1200 Euro  in einem Nobelrestaurant in Dubai gönnte, rastete Ribéry verbal aus. "F**** eure Mütter, eure Großmütter und euren gesamten Stammbaum", schrieb er unter anderem auf Instagram und Twitter.

Die unflätige Pöbelei ist für einen Fußballstar, den unendlich viele Kinder und Jugendliche zum Vorbild haben, beschämend. Die Angriffe auf Ribéry wegen des Steak-Videos mögen unfair und unsinnig sein, aber das muss ein Star wie er aushalten. Und souveräner reagieren. Wir alle fluchen mal im Privaten (zum Beispiel im Straßenverkehr) auf schlimmste Weise, aber einer öffentlichen Person, die mittlerweile vierfacher Familienvater ist, darf das nicht passieren. Nicht in dieser drastischen Wortwahl.

Besonderes Essen: Franck Ribéry verdrückt ein Gold-Steak im Wert von 1200 Euro

Wie wird der FC Bayern reagieren?

Der Verein muss ein deutliches Zeichen setzen und Ribéry die Grenzen aufzeigen. Das heißt nicht, dass man seinen Vertrag auflösen und ihn, den großen verdienten Spieler, vom Hof jagen sollte. Nein, aber es gibt Maßnahmen (Geldstrafe, öffentliche Entschuldigung, befristete Suspendierung), um Ribéry klar zu machen, dass er mit seiner asozialen Pöbelei weit über das Ziel hinausgeschossen ist. Man darf gespannt sein, wie der FC Bayern reagiert. Bis zum späten Samstagabend war vom Klub in der Causa nichts zu hören. Und die Tweets waren auf Riberys Twitter-Account noch vorhanden. Eilig scheint es der Rekordmeister nicht zu haben.

Wissenscommunity