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Fußball: Bayern-Derby ohne Tor-Phantome

Nach der Länderspielpause rollt am Wochenende in der Bundesliga wieder der Ball. Im Fokus: das 172. bayerische Derby.

Der Ausfall zahlreicher Stammspieler und die ersehnten Saisondebüts einiger Leistungsträger prägen den vierten Spieltag der Fußball-Bundesliga. Ausgerechnet im 172. bayerischen Derby zwischen dem noch sieglosen 1. FC Nürnberg und Rekordmeister Bayern München am Samstag müssen beide Clubs ohne ihre Toptorjäger auskommen. Eine Sprunggelenksverletzung zwingt Nürnbergs Bundesliga-Torschützenkönig Marek Mintal zur Pause. Münchens Edelstürmer Roy Makaay muss wegen einer Bänder- und Kapselverletzung im Knie passen.

"Uns trifft der Ausfall von Mintal aber härter als die Bayern der von Makaay", betonte "Club"-Coach Wolfgang Wolf. Und tatsächlich nimmt sein Kollege Felix Magath das Fehlen des schon sechs Mal erfolgreichen Niederländers nicht so schwer. "Ich bin nicht beunruhigt. Wir haben genügend torgefährliche Leute", sagte der Bayern-Trainer gelassen. Auch ohne Makaay soll es gelingen, den eigenen, 24 Jahre alten Rekord von 13 Bundesligasiegen in Serie einzustellen.

Augenthaler gegen Schalke schon mächtig unter Druck

Schwer würde bei Borussia Dortmund der Ausfall von Tomas Rosicky im Westduell am Sonntag gegen den 1. FC Köln wiegen. Der zuletzt überragende Tscheche klagt über Leistenbeschwerden, die womöglich vom Rücken herrühren. Die WM-Qualifikationsspiele gegen Rumänien und Armenien hatte Rosicky schon absagen müssen, sein Mitwirken gegen Köln ist eher unwahrscheinlich. Christoph Metzelder ist dennoch zuversichtlich, den ersten Saisonsieg einzufahren: "Eigentlich ist er nicht zu ersetzen. Aber für 90 Minuten können wir das auffangen."

Auf gleich ein halbes Dutzend Spieler muss Bayer Leverkusens Trainer Klaus Augenthaler im Duell mit Schalke 04 verzichten. Not herrscht durch den Ausfall von Roque Junior und Marko Babic (beide gesperrt) sowie Jan-Ingwer Callsen-Bracker, Ahmed Madouni, Paul Freier und Jacek Krzynowek in Abwehr und Mittelfeld. Ausgerechnet jetzt kommt der Vizemeister, für den die BayArena in den Vorjahren stets ein gutes Pflaster war. Vier der fünf zurückliegenden Partien haben die Knappen gewonnen. Der Trainer will die Serie fortsetzen. "Wir spielen auf Sieg. Unser Ziel ist, in der Liga oben dran zu bleiben", sagte Ralf Rangnick, der erstmals seine beste Elf aufbieten kann. Mit der Rückkehr von Spielmacher Lincoln, der nach vierwöchiger "Spuck-Sperre" sein Saisondebüt feiert, verknüpfen sich große Erwartungen. "Mit ihm sind wir sicher noch stärker", sagte Ebbe Sand.

Nach zwei Niederlagen stehen Bayer und Augenthaler dagegen bereits mit dem Rücken zur Wand. Vom Ziel Champions League hat man sich schon verabschiedet. Ein weiterer Misserfolg könnte Folgen haben. Die "Bild"-Zeitung (Freitag-Ausgabe) erklärte die Partie schon zum "1. Schicksalsspiel", auch weil Augenthaler nach dem 1:2 in Wolfsburg vor zwei Wochen selbst sagte: "Ich weiß, dass es um meinen Job geht."

Champions-League-Teilnehmer müssen Mammutprogramm bewältigen

Neben dem Debüt von Lincoln stehen weitere Premieren im Fokus. In der noch sieglosen Elf von Borussia Mönchengladbach sollen die Neuzugänge Krisztian Lisztes und Kahé gegen den MSV Duisburg für neuen Schwung und den ersten "Dreier" sorgen. Bei Hannover 96 freut sich Ewald Lienen über die Rückkehr des lange verletzten Steven Cherundolo im Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt. Die Hessen müssen dagegen weiter auf Stammtorhüter Markus Pröll verzichten. "Ich habe aber volles Vertrauen in Oka Nikolov", sagte Trainer Friedhelm Funkel.

Für viele geht die Saison jetzt erst richtig los. Die zahlreichen Unterbrechungen durch Pokal und Länderspiele dienten bisher nicht dazu, dass die Teams schnell ihren Rhythmus fanden. Nun aber kommen fast nur noch Englische Wochen mit Partien in Champions League, UEFA-Pokal, Bundesliga und Pokal. Ein Mammutprogramm müssen vor allem die drei Champions-League-Teilnehmer München, Schalke und Werder Bremen in den kommenden Wochen bewältigen. Binnen 21 Tagen absolvieren sie sieben Spiele.

Auch für BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke ist der durch die internationalen Verbände FIFA und UEFA diktierte Salami-Terminplan ein großes Ärgernis. "Mich stört das immens. Gerade in der schönsten Zeit des Jahres plätschert der Spielbetrieb vor sich hin. Die Schönwetter-Periode von Anfang August bis Mitte September nutzen wir viel zu wenig. Aber wenn es diesig ist, im November und Dezember, knubbelt sich alles wieder."

DPA

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