Fußball-Bundesliga "Grabsch-Affäre" mit Folgen


Ellenbogencheck und ein Griff in den Genitalbereich: Diese Spielarten haben BVB-Profi Christian Wörns eine Sperre von vier und Werders Johan Micoud von drei Partien eingebracht. Für beide ist die Saison damit vorzeitig beendet.

Das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hat am Donnerstag Zeichen gesetzt: Christian Wörns von Borussia Dortmund wurde nachträglich wegen "gesundheitsgefährdender Spielweise" für vier Spiele, Johan Micoud von Werder Bremen wegen Tätlichkeit für drei Partien gesperrt. Für den ausgemusterten Nationalspieler Wörns ist die Saison damit bei noch zwei ausstehenden Meisterschaftsspielen gelaufen.

"Ich finde das Urteil eindeutig zu hart", meinte der Borusse unmittelbar nach der Verkündung in der DFB-Zentrale in Frankfurt/Main. Fehlen wird der 33-Jährige nach seiner Attacke gegen Stefan Kießling vom 1. FC Nürnberg am 22. April auch in den ersten beiden Partien der nächsten Spielzeit. "Wir überlegen jetzt, was wir machen", sagte Wörns zu einem möglichen Protest.

"Unverständlich und inakzeptabel"

Werder Bremen akzeptierte am Abend das ursprünglich vom Kontrollausschuss vorgeschlagene Strafmaß für Micoud. Der 32 Jahre alte Franzose soll im Spiel gegen Schalke 04 seinen Gegenspieler Christian Poulsen mit der linken Hand in den Genitalbereich gegriffen haben. "Das Urteil ist unverständlich und inakzeptabel", wetterte Werder-Manager Klaus Allofs. "Es ist unverständlich, dass der Aussage eines solchen Spielers eine derartige Wertigkeit beigemessen wird." Poulsen war als Zeuge bei der Verhandlung anwesend.

Richter Rainer Koch (Poing) bezeichnete die Attacke von Wörns als "deutlich unerlaubte gesundheitsgefährdende Spielweise" mit Treffer im Gesicht. Demzufolge hätte Wörns eigentlich drei Spiele Sperre bekommen. Da er aber am 13. März 2005 wegen einer Notbremse die Rote Karte gesehen hatte, muss der vermeintliche Wiederholungstäter ein Spiel zusätzlich pausieren.

Der Schauspielerei bezichtigt

Wörns, der Kießling unmittelbar nach dem Spiel der Schauspielerei bezichtigt hatte, meinte dagegen, er habe sich ihm lediglich in den Weg gestellt. "Es war ein Zusammenprall", behauptete Wörns, der in Begleitung von Borussia Dortmunds Präsident Reinhard Rauball zur Verhandlung gekommen war. Nachdem der 33-Jährige gleich nach dem Spiel seinen Gegenspieler der Schauspielerei bezichtigt hatte, räumte er nun ein: "Es war sicherlich ein Foul." Aber eine Tätlichkeit sei es nicht gewesen.

Der Kontrollausschuss war nach Begutachtung der TV-Bilder zu dem Verdacht gekommen, dass Wörns seinen Arm "erkennbar zielgerichtet in Richtung des Gesichts von Kießling" gehoben hatte. Chef-Ermittler Horst Hilpert hatte fünf Spiele Sperre gefordert. Schiedsrichter Peter Gagelmann hatte die Szene nicht gesehen, so dass der DFB nachträglich ermitteln konnte.

DPA DPA

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