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Hoffenheim-Mäzen: "Affäre Hopp" überschattet die Bundesliga

Der Hoffenheimer Mäzen Dietmar Hopp stellt Deutschlands Fußball-Clubs und den DFB vor ganz neue Probleme. Mit seiner Ankündigung, Vereine zu bestrafen, deren Fans durch Pöbeleien auffällig werden, sorgt der Verband für Verunsicherung in der Bundesliga. Anlass der Aktion sind die jüngsten Ausfälle gegen Hopp.

Von Oliver Trust

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) will dem Mäzen von 1899 Hoffenheim Dietmar Hopp künftig gegen Pöbeleien schützen. Mit seiner Drohung, Vereine mit auffälligen Fans zu bestrafen, löst er in der Fanszene Kopfschütteln aus und hinterlässt in der Fußballszene einen Berg ungelöster Fragen. Was passiert bei neuen Pöbeleien? Haben die Klubs mit Platzsperren und gar Punktabzügen zu rechnen oder wird hier nur mit dem Säbel gerasselt?

"Keineswegs", sagt der renommierte Sportrechtler Christoph Schickardt. "Die Sache mit dem Fadenkreuz geht in eine Richtung, die nicht mehr akzeptabel ist. Ich kann Herrn Hopp nur ermuntern, die Sache privatrechtlich zu verfolgen und den DFB, alles zu tun, damit ein Zeichen gesetzt wird". Laut Schickhardt lege die Rechts- und Verfahrensordnung eindeutig fest, dass Vereine für Verfehlungen haftbar gemacht werden können und im schlimmsten Fall mit drakonischen Strafen wegen unsportlichen Verhaltens zu rechnen haben. Die könnten von Geldstrafen, über Verweise bis zu Platzsperren und Punktabzügen reichen. "Ich habe immer dafür plädiert beispielsweise Oliver Kahn zu schützen. Das war nicht mehr akzeptabel, wie der angegangen wurde. Dazu gehören auch Bananenwürfe oder gar rassistische Auswüchse", so Schickhardt.

Anfeindungen werden immer schlimmer

Man gehe beim Verhalten im Stadion vom "sozial adäquaten" aus, was bedeute, es gehe im Stadion "schon etwas rauer zu", aber "wenn zu befürchten ist, dass mehr passiert, muss sofort nachhaltig eingeschritten werden. Es ist völlig richtig, jetzt hier einen Pflock einzuhauen", so Schickhardt. In Mönchengladbach habe es einmal Morddrohungen gegen Trainer Jupp Heynckes und Manager Peter Pander gegeben. "Auch das hat man völlig zu Recht sehr ernst genommen". Vereine, die zuließen, dass ein solches Plakat gezeigt werde, könnten belangt werden, das gelte auch für Auswärtsspiele, wenn sich die eigenen Fans so verhielten.

Am Dienstag hatte der DFB eine Presseerklärung verbreitet, in der er Vereinen "sportgerichtliche Konsequenzen" androht, wenn der 1899-Mäzen und Milliardär von deren Fans weiter beschimpft und beleidigt werde. Während der Partie 1899 Hoffenheim– Borussia Dortmund hielt ein BVB-Fan ein Plakat mit der Aufschrift: "Im Fadenkreuz Hasta La Vista Hopp" hoch. In den Fan-Foren regte sich Widerspruch gegen die "Bevormundung" und es gab vereinzelte Rufe nach einem Rücktritt Zwanzigers.

Die Anfeindungen gegen Hopp, der auch in Sportarten wie Eishockey und Handball investiert, umfangreiche Jugendprojekte und Nachwuchsförderung betreibt, haben eine lange Geschichte. Seit dem Aufstieg in die erste Liga finden sie nun auf großer Bühne statt.

Zwanziger verteidigt Hopp

Während des ersten Bundesligaspiels der 1899-Vereinsgeschichte am 23. August 2008 kommt es zu Vorfällen im Carl-Benz-Stadion in Mannheim. Nach der Partie Hoffenheim-Gladbach sagt DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger: "Ich glaube, Dietmar Hopp ist besorgt über die Angriffe aus der Fanszene. Diese Beleidigungen tun im weh. Man rückt ihn in ein völlig falsches Bild. Dietmar Hopp ist genau das Gegenteil von Abramowitsch", sagte Zwanziger der "Bild"-Zeitung und lobte Hopp für sein Engagement im Jugendbereich: "Die Bundesliga sieht er als Zugpferd für sein Nachwuchsprojekt - so wie es beim DFB die Nationalelf ist. Vorbildlich."

Während des Spiels sitzt Zwanziger neben dem 68 Jahre alten Hopp. Der Verbandschef hört mit an wie der Mitgründer des Softwareriesen SAP von Gladbacher Anhängern als "Sohn einer Hure" bezeichnet wird. Zwanzigers Sohn Ralf ist bei 1899 für Frauenfußball zuständig. "Sinsheim", schrieb "Fokus" einmal, dürfe bei der Vergabe der Spielorte für die Frauen-WM 2011 in Deutschland "sogar auf die Fürsprache des DFB-Präsidenten hoffen".

Eskalation am Wochenende

Gladbachs Präsident Rolf Königs entschuldigte sich im Namen des Vereins bei Hopp. Auf der Homepage der Borussen fallen die Formulierungen "Kleingeister" und "Idioten". Am 21. September 2008 eskaliert die Sache weiter. Ein 19 Jahre alter BVB-Anhänger kopiert Hopps Gesicht auf ein Plakat, legt eine Zielscheibe darüber und schreibt dazu: "Im Fadenkreuz Hasta La Vista Hopp". Der DFB reagiert am Dienstag danach. Vizepräsident Dr. Rainer Koch: "Es reicht nicht mehr aus, wenn wir nun schon seit längerem ständig Fairness für Dietmar Hopp anmahnen. Im konkreten Fall vom Wochenende ermittelt daher die Staatsanwaltschaft zu Recht. In Zukunft wird sich jedoch auch die DFB-Sportgerichtsbarkeit zum Schutz von Dietmar Hopp aktiv einschalten und massive Pöbeleien oder Bedrohungen gegen ihn unnachgiebig verfolgen."

Mindestens 100 Millionen Euro soll Hopp bisher in das "Projekt" Hoffenheim gesteckt haben. Das berichten mehrere Zeitungen. Trainer Ralf Rangnick übernahm im Juni 2006 den Posten beim damaligen Regionalligaklub.

Dietmar Hopp kündigt eine Anzeige gegen den BVB Fan an: "Ich mache das auf jeden Fall. So kann es nicht weiter gehen, sonst nimmt das Überhand". Die Dortmunder Vereinsführung entschuldigte sich offiziell bei Hopp. Wie das Verhalten des Fans jedoch strafrechtlich betrachtet wird, ist unklar. "Es wird schwer werden, ihm nachzuweisen, dass er wirklich zu einem Verbrechen aufrufen wollte. Vorausgesetzt, es geht eine Anzeige ein, können wir aber wegen Beleidigung ermitteln", kommentierte die Mannheimer Staatsanwaltschaft die Absichten von Hopp.

Schon vor dem Aufstieg kommt es zu Zweit- und Drittligazeiten zu Anfeindungen gegen Hopp. Im Stadionheft von Hessen Kassel werden die Hoffenheimer als "Millionarios" vorgestellt. TV-Kommentator Marcel Reif nennt Hoffenheim einen "Klub aus der Retorte". Hopp ärgert sich darüber: "Das Geld, das ich investiere, ist nicht gestohlen, sondern ehrlich verdient".

Wirbel nach Heidel-Aussagen

Im Oktober 2007 wird der "Fall Hopp" erstmals bundesweit bekannt. Der Mainzer Manager Christian Heidel sagt in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung": "Schade, dass so eine Mannschaft einen der 36 Plätze im Profi-Fußball weg nimmt".

Dietmar Hopp reagierte darauf mit einem Schreiben an FSV-Präsident Harald Strutz, DFB-Präsident Theo Zwanziger, Teammanager der deutschen Nationalmannschaft Oliver Bierhoff und DFL-Boss Christian Seifert. Dabei setzte er Heidels Aussagen indirekt mit Rassismus gleich. "Wir würden uns wünschen, dass man Diskriminierung, wie sie Herr Heidel betreibt, mit der gleichen Konsequenz verfolgt", erklärte der millionenschwere Finanzier der Badener. "Denn diese infame Diffamierung unseres Klubs, die wohl bewusst den Hass auf Hoffenheim schüren soll, ist auch geeignet, Gewalt gegen uns auszulösen." Heidel antwortete Hopp mit Briefen an Zwanziger, Seifert und Bierhoff. "Ich bin von der Dynamik überrascht. Ich kann nicht eine Zeile finden, mit der ich diskriminiere oder zur Gewalt aufrufe. Ich habe nur das Modell Hoffenheim kritisch hinterfragt, das muss in einer freien Gesellschaft möglich sein", sagte Heidel. "Schlimm ist für mich die Unterstellung, meine Kritik soll bewusst Hass und Gewalt gegen Ihren Verein auslösen", so Heidel. Er habe, so der FSV-Manager weiter, seine persönliche Hochachtung und Respekt vor der Lebensleistung Hopps, dem Engagement im sozialen Bereich und im Sport herausgestellt.

Hopp bleibt zu Hause

Hopp berichtet mehrfach von Anfeindungen gegen sich. In Augsburg hätten ihn "drei Typen aus kurzer Distanz angeschrien" und "Scheiß SAP" gebrüllt. Er habe wegen der Anpöbelungen die zweite Hälfte im VIP-Raum angeschaut. "Bevor ich ein blaues Auge riskiere, spare ich mir solche Fahrten lieber." Beim Spiel gegen Kaiserslautern kommt es zu weiteren Vorkommnissen. Hopp macht Heidels Attacken für den Hass verantwortlich und klagt: "Was sich gegen Lautern abgespielt hat, war beispiellos. Es ist kein Zufall, dass diese Dinge nach den Heidel-Aussagen eskaliert sind".

Im August 2008 kündigt Hopp an: "Ich fahre nur noch zu Auswärtsspielen, wo ich sicher sein kann, dass ich nicht gefährdet bin. Die Leute sind einfach neidisch, dass ihr Klub nicht so einen Gönner hat".

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