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International: Fünf internationale Jungstars vor dem Durchbruch

Wenn Dein Vater 1994 Weltmeister war und Du in seine Fußstapfen trittst, Du schon mit 17 bei Manchester United debütiert hast oder als serbischer Kaká giltst, dann bist Du hier genau richtig. Außerdem stellen wir das Wunderkind von Aston Villa und den Torschützenkönig der letzten U 21-Europameisterschaft vor.

Bei den Bundesliga-Jungstars, die in dieser Saison groß durchstarten könnten, haben wir uns schon festgelegt. Nun haben wir uns in den europäischen Topligen umgeschaut und machen auf fünf Namen aufmerksam, die für große Taten bereit scheinen.

Dabei geht es um den Sohn eines brasilianischen Weltmeisters, der aber für Spanien spielt, zwei bemerkenswerte Toptalente aus der Premier League, den serbischen Kaká und den Torschützenkönig der letzten U 21-Europameisterschaft.

Danny Welbeck (20, Manchester United)

Wie der frühere United-Profi Wes Brown wuchs auch Danny Welbeck im Stadtteil Longsight im Südosten von Manchester auf - einer Gegend, die von Drogenhandel und Gang-Kriminalität der rivalisierenden Longsight Crew und der Gooch Close Gang geprägt ist.

Wie Paul Scholes und Gael Monfils litt Welbeck als Teenager an der Kniereizung Morbus Osgood-Schlatter, die zwar einen tollen Namen hat, für Leistungssportler aber problematisch sein kann, weil viel Ruhe für die gereizten Sehnen eigentlich die beste Behandlung sind. Dennoch schaffte es der Stürmer, nicht nur in den Nachwuchsmannschaften von United für Furore zu sorgen, sondern auch in allen englischen Auswahlteams von der U17 bis zur U21, eine Laufbahn, die ihm in diesem Frühjahr sogar sein erstes A-Länderspiel einbrachte.

Mit 17 spielte Welbeck erstmals für Uniteds erste Mannschaft, in einem Ligapokalspiel gegen Middlesbrough. Im November 2008 wurde er zum ersten Mal in der Premier League eingesetzt und erzielte gleich sein erstes Tor gegen Stoke City. Kein Wunder, dass der Club ihm bald einen Vertrag bis 2013 anbot. Wie in England üblich, wurde Welbeck, um Spielpraxis zu bekommen, aber in den vergangenen beiden Saisons verliehen - zunächst an Preston North End, von Alex Fergusons Sohn Darren trainiert, in der 2. Liga, 2010/11 dann in der Premier League bei Sunderland, wo er sechs Tore erzielte und den Sprung in die Nationalelf schaffte.

In der aktuellen Saison ist Welbeck nun zurück in Old Trafford und stand bei allen vier bisherigen Pflichtspielen der Red Devils in der Startelf. Dieses Vertrauen rechtfertigte er mit den 1:0-Treffern in beiden Heimspielen gegen Tottenham Hotspur und Arsenal, bevor er wegen eines Muskelfaserrisses beim 8:2 gegen die Gunners am Wochenende ausgewechselt werden musste. Ihm droht nun wohl eine einmonatige Verletzungspause, was auch seine Nominierung in Fabio Capellos aktuellen England-Kader hinfällig macht. Anschließend aber sollten sowohl United als auch die Three Lions noch viel Freude an ihm haben.

Thiago Alcántara (FC Barcelona)

Zugegeben, in Barcelona den Durchbruch zu schaffen, ist angesichts der großen Konkurrenz und der Dominanz der vergangenen Jahre besonders schwierig. Ein Newcomer könnte es trotzdem schaffen, wenn auch nicht unbedingt als Stammspieler. Thiago Alcántara hat in der Vorbereitung aber bewiesen, welch großes Talent die Katalanen da wieder nach oben gezogen haben.

Die deutsche Öffentlichkeit wurde beim Audi-Cup in München auf den Offensiv-Allrounder aufmerksam, als er den FC Bayern mit zwei sehenswerten Toren fast alleine schlug. Zuvor glänzte Thiago bereits bei der U 21-Europameisterschaft. Er entschied das Finale gegen die Schweiz mit einem traumhaften Freistoß aus 40 Metern, wurde zum Man of the Match gekürt und stand auch in der Elf des Turniers.

Dabei könnte der 20-Jährige auch für sein Heimatland Brasilien auflaufen, sein Vater Mazinho, Weltmeister von 1994. Der zog nach seinem Karriereende zurück nach Spanien, wo er bei Celta Vigo seine schönste Zeit hatte. Als dann das Angebot kam, seine beiden Kinder – Thiagos Bruder Rafael spielt ebenfalls im Nachwuchs von Barcelona – bei der Blaugrana ausbilden zu lassen, zog die Familie gemeinsam nach Katalonien.

Mittlerweile ist Thiago sogar schon A-Nationalspieler Spaniens, im Test gegen Italien vor wenigen Wochen debütierte er unter Trainer Vicente del Bosque. Trotzdem wird es schwer, sich gegen Xavi, Andres Iniesta und Cesc Fabregas durchzusetzen. Thiago spielt am liebsten als Spielmacher, ist schnell, hat das Auge für die Nebenleute und ist mit einem grandiosen Schuss gesegnet. Wir glauben deshalb, dass er mit Hilfe von Rotation und der einen oder anderen Verletzung zu genügend Spielanteilen kommen wird - wie er am ersten Spieltag gegen Villarreal mit seinem Tor zum 1:0 und zwei starken Assists unter Beweis gestellt hat.

Adem Ljajic (Fiorentina)

Er ist noch keine 20, doch in Serbien wird er schon als "kleiner Kaká" verehrt – Adem Ljajic ist aber nicht nur die große Hoffnung seines Landes, sondern auch der Fiorentina. Der Vergleich mit dem brasilianischen Superstar kommt nicht von ungefähr. Ljajic ist schnell, dribbelstark, kaum vom Ball zu trennen und verfügt über ein exzellentes Auge für seine Mitspieler. Er ist offensiv variabel einsetzbar, fühlt sich aber auf dem rechten Flügel am Wohlsten.

Diese Variabilität durfte er in der letzten Saison unter Beweis stellen, als ihm Trainer Sinisa Mihailovic zunächst als Backup für Spielmacher Stevan Jovetic aufbot und Ljajic das Vertrauen mit guten Leistungen und zwei Elfmetertoren gleich zu Saisonbeginn und später als Joker dem 3:2-Siegtreffer gegen Brescia Calcio rechtfertigte. Trotz 26 Saisonspielen mit vielen Ein- und Auswechselungen reichte es jedoch bisher nicht für einen Stammplatz.

"Er ist immer noch sehr jung und muss sich noch weiter entwickeln", erklärte Coach Sinisa Mihailovic laut repubblica.it, fügte aber an, dass die Entwicklungskurve von seiner dritten Saison im Fiorentina-Dress steil nach oben zeigt: "Ich sehe Adem viel stärker als in der letzten Saison." Die Viola hatte auch ein bisschen Glück, dass sie sich 2009 die Dienste eines der hoffnungsvollsten Talente Europas hatte sichern können

Denn eigentlich hatte Manchester United bereits zugeschlagen und sich für den Jungen von Partizan Belgrad, der mit 16 im UEFA Cup und mit 17 in der Champions League-Quali debütiert und auch in der serbischen Liga aufgetrumpft hatte, eine Kaufoption für zehn Millionen Euro gesichert. Doch dann trat United überraschend zurück – angeblich, weil man Probleme mit der Arbeitserlaubnis des Serben befürchtete.

Fabian Delph (21, Aston Villa)

Schon mit elf Jahren wechselte Fabian Delph aus seiner Heimatstadt von Bradford City zum Lokalrivalen Leeds United. Der Sohn des früheren Bradford-Managers Paul Jewell spielte in der gleichen Schülermannschaft wie Delph, und Jewell empfahl den hoch talentierten Youngster Leeds-Jugendtrainer Greg Abbott, wie die Zeitung News and Star berichtete. Jewell versicherte Abbott, Delph werde später einmal in der Premier League spielen.

Davon waren wenige Jahre später fast alle Beobachter überzeugt. Von Millionenangeboten von Manchester United und Arsenal war die Rede, als Delph in der 3. Liga für Leeds spielte und auch in die englische U21 berufen wurde. Der Club wehrte viele Angebote ab und behielt Delph, der in der Saison 2008/09 zum Nachwuchsspieler der Liga gewählt wurde. Nachdem Leeds aber in den Playoffs zum Aufstieg in die Championship gescheitert war, wechselte der damals 19-Jährige in die Premier League zu Aston Villa.

Seinem Ruf als Wunderkind konnte der zentrale Mittelfeldspieler, der sowohl zweikampfstark als auch passsicher ist und eine gute Schusstechnik aufweist, nicht sofort gerecht werden, zumal ein im Training erlittener Kreuzbandriss in seiner ersten Saison ihn für fast ein Jahr außer Gefecht setzte. Dennoch band Villa ihn im März dieses Jahres für weitere vier Jahre an den Club. Und in der aktuellen Saison hat Delph sich anscheinend auch einen Startplatz im zentralen Mittelfeld der Villans neben Kapitän Stilian Petrov erkämpft. Dass Villa in drei Spielen bisher nur ein Gegentor kassierte, ist auch sein Verdienst.

Adrián (Atletico Madrid)

Sein erstes Spiel in der Primera División machte Adrián schon in der Saison 2006/07, damals noch für Deportivo La Coruna. Deshalb fällt der Stürmer ein wenig aus der Rolle, immerhin blickt er schon auf die Erfahrung von über 120 Spiele in Spaniens erster Liga zurück. Doch sowohl in La Coruna als auch bei seinen Stationen in Alavés und Malaga gelang Adrián der wirkliche Durchbruch nicht.

Bei Atletico soll nun alles anders werden und der Start in die Saison ist ihm bereits glänzend geglückt. In der Europa League gegen Guimares und Stromsgodset erzielte Adrián in vier Spielen drei Tore, zum Saisonauftakt in Spanien gegen Osasuna (0:0) stand er ebenfalls in der Startelf. Zusammen mit Neuzugang Radamel Falcao soll Adrián den neuen Traumsturm bilden – Sergio Agüero und Diego Forlan sind bekanntlich nur noch ein Teil der Atletico-Geschichte.

Im Sommer spielte der 23-Jährige noch für Spanien bei der U 21-Europameisterschaft und wurde dort mit fünf Treffern Torschützenkönig. Adrián zeichnet vor allem eines aus: Er ist vor dem Tor für sein Alter schon sehr kaltschnäuzig, nun muss er es auch mal in der Liga zeigen.

Malte Asmus, Daniel Raecke und Marcus Krämer

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