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Leere Ränge bei Länderspielen Matthäus kritisiert DFB: "Der Fan lässt sich nicht verarschen"



Das DFB-Team hat mit einem 4:0 gegen Weißrussland souverän das EM-Ticket gelöst.




Die Fans im Netz erregte aber ein anderes Thema.




Nur 33.164 besuchten den Borussia-Park in Gladbach.




Zum Vergleich: Mehr als 54.000 Fans sind regelmäßig zu Bundesliga-Spielen im selben Stadion.




Für Spott sorgte einmal mehr die Choreo des "Fan Clubs Nationalmannschaft".




"Alle Träume können wahr werden, wenn wir den Mut haben, ihnen zu folgen!" und ein großes "London '20" sollten eigentlich zu sehen sein, wenn es der Wind gnädig meinte und alle gleichzeitig ihre Pappe hochhielten. Mehr oder weniger.




Es ist nicht das erste Mal, dass Choreos der DFB-Elf für Diskussionen sorgen.




Schon bei den Spiel gegen Serbien im März (Wolfsburg) und gegen die Niederlande im September (Hamburg) gab es Kritik an Auswahl und Ausführung der Fan-Aktionen.
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Bei den letzten Heimspielen der DFB-Elf in Dortmund und Mönchengladbach taten sich große Lücken auf den Tribünen auf. Ex-Nationalspieler Lothar Matthäus macht für den Zuschauerschwund den DFB verantwortlich.

Für Rekordnationalspieler Lothar Matthäus ist die Distanz der Spieler zu den Fans ein Grund für den Zuschauerschwund bei der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. "Der DFB hat die Stars nach dem Titel 2014 völlig isoliert. Und dann distanziert sich der normale Fan von den Stars und der Mannschaft", schreibt Matthäus in seiner Kolumne für den Bezahlsender Sky. Der 58-jährige Weltmeister von 1990 fordert: "Die Nähe zu den Fans muss wieder hergestellt werden, denn die Nationalmannschaft gehört jedem."

Auch bei der Wahl der Spielorte müsse "mehr Fingerspitzengefühl" gezeigt werden, mahnt Matthäus. Der Gladbacher Borussia-Park, wo beim 4:0-Sieg gegen Weißrussland am Samstag viele Plätze leer blieben, sei der falsche Ort gewesen. Kleinere Stadien in Mainz, Augsburg oder Hoffenheim seien gegen einen unattraktiven Gegner der richtige Ort.

Matthäus fordert vom DFB günstigere Tickets

Ein weiteres großes Problem sei, dass die DFB-Elf vor allem bei Testspielen häufig mit einer Reserve-Elf antrete, aber gleichzeitig dieselben hohen Ticketpreise verlange. Er verstehe, dass Nationaltrainer neue Spieler ausprobieren müssten und die Vereine ihre Superstars für in ihren Augen eher unwichtige Spiele nicht abstellen wollten, räumt Matthäus ein. Fakt sei aber: Man könne nicht dieselben Eintrittspreise verlangen, wenn man etwas anbietet, das in den Augen der Fans nicht denselben Wert habe. "Der Fan lässt sich nicht verarschen", stellt der Ehrenspielführer der Nationalelf klar. "Und dann darf man sich nicht wundern, wenn die Partien unserer Mannschaft nicht mehr ausverkauft sind."

Lothar Matthäus
"Der DFB hat die Stars völlig isoliert": Lothar Matthäus über leere Ränge bei den Spielen der Nationalelf
© Hendrik Schmidt / DPA

Bundestrainer Joachim Löw hält das Verhältnis der Fans zum Nationalteam dagegen für völlig intakt. "Es ist wie immer die letzten Jahre", sagte Löw am Montag der Deutschen Presse-Agentur in Frankfurt. In seiner Zeit beim DFB, die 2004 als Assistent begann und ab 2006 als Bundestrainer fortgesetzt wurde, habe es immer wieder Diskussionen über eine Distanz zwischen der Mannschaft und ihren Anhängern gegeben.

Löw erwartet großen Zuspruch bei der EM

Die zuletzt nicht ausverkauften Heimspiele in Dortmund gegen Argentinien und in Mönchengladbach gegen Weißrussland sieht der Trainer nicht als Zeichen für ein abflauendes Interesse an der Nationalmannschaft. "Wir haben schon 2009 darüber geredet und 2013, da gab es genau die gleichen Themen." Bei der Europameisterschaft im nächsten Sommer werde "ganz Deutschland wieder hinter der Mannschaft stehen".

Natürlich würden die Zuschauerzahlen bei der Nationalelf auch mit den jeweiligen Gegnern und der Spiele-Häufung im Profifußball überhaupt zusammenhängen, erklärte Löw. "Wenn wir gegen Mannschaften wie Holland, Polen oder Russland spielen in der Qualifikation, waren die Stadien immer voll." Auf der anderen Seite sei "nicht wegzudiskutieren, dass es bei manchen Spielen wie gegen San Marino oder Aserbaidschan - ohne despektierlich zu sein - klar ist, dass die Leute nicht unbedingt unter der größten Spannung ins Stadion gehen."

Mit dem Länderspiel gegen Nordirland beendet die DFB-Elf am Abend (20.45 Uhr/RTL) die EM-Qualifikation. Die Endrunde im nächsten Jahr hat Deutschland bereits erreicht. Mit einem Sieg könnte sich die Mannschaft aber  Rang eins in der Gruppe C und einen Platz im besten Topf bei der EM-Auslosung sichern. Diese findet am 30. November in Bukarest statt.

Quellen:"Sky", DPA

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