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Terroranschläge in Paris So dramatisch verlief die Nacht der Nationalelf im Stade de France


Die deutsche Nationalelf hat nach den Terroranschlägen die Nacht in ihrer Kabine des Stade de France verbracht. Die Polizei führt Täuschungsmanöver durch, um das Team zu schützen – die Ereignisse im Überblick.
Von Tim Schulze
Am Samstagvormittag landet die deutsche Nationalelf in Frankfurt. Erschöpft und von den tragischen Ereignissen der Terrornacht in Paris gezeichnet, bekommen die Spieler von Bundestrainer Joachim Löw zwei Tage frei. Sie sollen sich erholen, Ruhe finden, um die zurückliegenden Stunden zu verarbeiten. Zu diesem Zeitpunkt ist noch offen, ob das Testspiel gegen die Niederlande am Dienstag in Hannover stattfinden wird. Am Sonntag dann die Entscheidung - Es wird nicht absagt: "Die Botschaft ist klar: Wir lassen uns vom Terror nicht einschüchtern", sagt DFB-Interims-Chef Reinhard Rauball. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel wird im Stadion sein.
Zuvor hatte die DFB-Auswahl eine Nacht erlebt, wie noch keine deutsche Mannschaft je zuvor. Schon die Bombendrohung am Vormittag im Hotel und die zweistündige Räumung sind ein Schreck, doch was danach kommt, übertrifft die schlimmsten Erwartungen.

Das Länderspiel ist zunächst schwach

Zunächst beginnt im Stade de France im Norden der französischen Hauptstadt ein eher maues Fußballspiel. Es ist ein Freundschaftsspiel, Fußballprofis lassen es bei solchen Partien eher ruhig angehen. Gegen Ende der ersten Halbzeit sind auf einmal zwei laute Explosionen zu hören. Die 80.000 Zuschauer im Stadion, die Spieler und die TV-Zuschauer hören es deutlich. Doch noch kann niemand das Gehörte einordnen.
In der Halbzeit werden die beiden Nationaltrainer Löw und Didier Deschamps über die dramatische Situation informiert. Man bittet sie darum, das Spiel fortzusetzten, um eine mögliche Massenpanik zu verhindern, berichtet die "Welt". Die Trainer erklären sich einverstanden, ihre Spieler unterrichten sie nicht.
Nach dem Schlusspfiff erfahren die Profis und die anderen Mitglieder aus dem DFB-Tross offiziell, was sich gerade abspielt: "Erst in der Kabine haben wir mitbekommen, was passiert ist“, zitiert die "Bild“-Zeitung Manager Oliver Bierhoff. Die Zuschauer werden zum Teil noch aus dem gesperrten Stadion entlassen, die Lage ist chaotisch, schließlich wird das Stade de France komplett abgeriegelt, berichtet die ARD. Erst jetzt realisieren Team, Betreuer und Funktionäre, dass ein Attentäter offensichtlich ins Stadion eindringen wollte, um ein Blutbad vor laufenden TV-Kameras anzurichten.

Viele finden keinen Schlaf

Die Entscheidung fällt schnell. Wie viele der Zuschauer bleibt die Nationalelf im Stadion, die Sicherheitslage ist zu prekär. Die Zuschauer tummeln sich eine Zeitlang auf dem Rasen, Kinder sind dabei, einige Zuschauer weinen, weil sie Angst haben. Das gesamte DFB-Team bleibt in der Kabine, es sind 60 Menschen, die sich auf 70 Quadratmeter drängeln. Sie werden mit Matratzen, Decken und Sandwiches versorgt: "Viele haben nicht geschlafen, sondern die ganze Nacht geredet, um das Geschehene in irgendeiner Form zu verarbeiten", sagt Rauball gegenüber der "Bild".
Sogar Bundeskanzlerin Merkel soll sich gegen 1:30 Uhr bei Bierhoff gemeldet haben, berichtet das Blatt weiter. Noch ist die Lage unübersichtlich. Die Polizei weiß nicht, ob sich noch Terroristen in Paris aufhalten. Um 2:30 starten die Sicherheitsbehörden ein erstes Täuschungsmanöver, um die Nationalmannschaft zu schützen. Es wird mitgeteilt, dass die Spieler das Stadion in mehreren Kleinbussen verlassen, was nicht stimmt.
Erst am frühen Morgen gegen 7.00 Uhr wird der komplette DFB-Tross in zwei Bussen und von der Polizei eskortiert zum Flughafen Charles de Gaulle gebracht. Der offizielle Bus der Nationalelf bleibt zunächst im Stadion. Im 9:00 Uhr besteigen die Spieler schließlich den Flieger nach Frankfurt.

Der Kapitän nimmt Stellung

Kapitän Bastian Schweinsteiger schreibt später auf Facebook: "Ich bin immer noch fassungslos darüber, was am Freitag passiert ist. Ich möchte allen, die von dieser Tragödie betroffen sind, mein tiefstes Mitgefühl aussprechen. Zusätzlich möchte ich allen Opfern in Beirut gedenken, die bei den Anschlägen am Tag zuvor ums Leben gekommen sind. Egal, aus welchem Teil der Erde man kommt oder welcher Religion man angehört - wir sind vereint."

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