Nationalmannschaft Löw stachelt Podolski an


Die EM-Quali ist geschafft, aber Bundestrainer Löw lässt sich locker und fordert den nächsten Erfolg. Am Mittwoch im Prestige-Duell mit Tschechien soll der Gruppensieg perfekt gemacht werden. Einer, der es dringend nötig hat, will dann vor heimischer Kulisse Eigenwerbung betreiben. Der Coach hilft nach.

Nach der im Eilverfahren geschafften EM-Teilnahme drückt der DFB auch bei der Vertragsverlängerung mit Joachim Löw aufs Tempo - vor dem Duell mit Tschechien wird es die Unterschrift des Bundestrainers jedoch nicht geben. "Eines ist klar: In den nächsten Tagen denke ich keine Sekunde daran, den Vertrag zu verlängern oder Gespräche zu führen. Die nächsten Tage zählt nur das Spiel gegen die Tschechen, das verlange ich ja auch so von den Spielern", sagte der 47-Jährige am Montag. Auch nach der Partie (20.45 Uhr/ZDF) in der ausverkauften Münchner Arena werde er kurzfristig "keine konkreten Gespräche" mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) führen, versicherte Löw entgegen anderslautenden Medienberichten: "Dann will ich mich erst einmal ein paar Tage erholen."

Vorrang vor der mit der DFB-Führung grundsätzlich vereinbarten Ausweitung des aktuellen Kontraktes um zwei Jahre bis zur WM 2010 in Südafrika hat für Löw, nach dem in Irland gebuchten EM-Ticket gegen den Tabellenzweiten Tschechien auch den Gruppensieg perfekt zu machen. "Wir wollen die Konzentration hochhalten und das Spiel gewinnen. Wir wollen Platz eins verteidigen", sagte Löw.

"Keiner kann sich sicher sein"

Trotz der Siegvorgabe wird es einige personelle Umstellungen im Vergleich zum 0:0 gegen die Iren geben. Timo Hildebrand ersetzt den gesperrten Jens Lehmann im Tor, der Arsenal-Keeper durfte bereits am Montag zurück nach London reisen. Lukas Podolski wird in seinem Heimspiel ebenso in der Startformation stehen wie sein Bayern-Kollege Bastian Schweinsteiger. Die Kopfverletzung aus dem Irland-Spiel behindert den 23-jährigen Mittelfeldspieler nicht mehr. "Bastian wird spielen können", sagte Löw, der ansonsten die Trainingseindrücke abwarten will: "Es wird zwangsläufig einige Veränderungen geben. Mal sehen, wie sich die Spieler noch im Training präsentieren."

Gegen die Tschechen (20 Punkte), die mit einem Sieg die verbliebene Konkurrenz aus Irland (15) und Zypern (13) aus dem Rennen werfen und sich ebenfalls vorzeitig das EM-Ticket sichern könnten, soll es unabhängig von der Aufstellung keinen Leistungsabfall geben. Denn schon jetzt hat Löw den knallharten Kampf um die 23 EM-Plätze eröffnet: "Keiner kann sich sicher sein, keiner darf sich zurücklehnen."

Rückkehr von Ballack elementar wichtig

Auch Hildebrand fordert, dass man weiterhin hochmotiviert und konzentriert agiert: "Ich hoffe, dass unsere Mannschaft wie zuletzt Gas gibt." Mit einer guten Leistung will er seine Position als Nummer 2 hinter Lehmann zementieren. Höhere Ansprüche meldete der 28-Jährige im Hinblick auf die EM nicht an: "Die Hierarchie ist klar vorgegeben - auch vom Bundestrainer. Ich bin nicht der Typ für große Parolen."

Eigenwerbung betreiben vor den Augen der Verantwortlichen des FC Bayern will unbedingt Podolski, der bei der WM in der Münchner Arena beide Tore beim 2:0-Sieg im Achtelfinale gegen Schweden erzielt hatte. Von Löw erhält der 22-jährige Angreifer weiterhin Rückendeckung, aber der Bundestrainer fordert neben einer Verbesserung bei den Laufwegen auch größeren Kampfgeist im Verein: "Ich erwarte, dass er den Willen mitbringt, sich beim FC Bayern durchzusetzen. Es gilt, nicht die Flinte ins Korn zu werfen."

Ein Podolski mit Spielpraxis und Selbstvertrauen wird bei der EM gebraucht, noch elementarer ist aber langfristig die Rückkehr einer Leitfigur wie Michael Ballack. Denn auch wenn in der EM-Qualifikation hochkarätige Ausfälle immer wieder kompensiert werden konnten, sind bei der EM die Führungskräfte unverzichtbar. "Ballack, Klose, Lahm, Schneider - gerade bei einem Turnier werden diese erfahrenen Spieler gebraucht", betonte Löw. Das Ziel EM-Titel 2008 sei dann realistisch, urteilte am Montag auch Franz Beckenbauer: "Die deutsche Mannschaft ist derzeit das beste und beständigste Team in Europa."

Löw erwartet dafür "eine weitere Optimierung" in vielen Bereichen: "Jetzt sind wir gut, aber wir müssen schon noch besser werden", sagte er. Dafür kann nach Ansicht von Beckenbauer momentan keiner besser sorgen als Löw mit seinem System und Trainerstab. "Unter ihm hat die Mannschaft in ihrer Entwicklung einen weiteren großen Schritt gemacht", lobte der Kaiser, der darum ebenfalls für eine weitere Zusammenarbeit mit dem Freiburger wirbt. Denn unter Löw sei die Nationalmannschaft wieder bereit, "einen Titel zu gewinnen".

DPA/kbe DPA

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