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P. Köster: Kabinenpredigt: Vergesst Dortmund und Gladbach – den Titel spielen nur Leipzig und Bayern aus

Die Tabelle gaukelt einen Fünfkampf um die Schale vor, aber das ist trügerisch. Am Ende werden Bayern München und RB Leipzig den Titel unter sich ausmachen, meint stern-Stimme Philipp Köster.

Timo Werner und Robert Lewandowski

Offenbar hat Timo Werner (l.) vor der Saison einen Zusammenschnitt der schönsten Robert-Lewandowski-Tore studiert - und trifft jetzt genauso erfolgreich

DPA

Am Samstagnachmittag meldete sich auch der 1.FC Köln im Meisterschaftsrennen zurück. 3:1 siegte der 1.FC Köln gegen den VfL Wolfsburg und der anschließenden Stimmung im Stadion nach zu urteilen, sind damit die Weichen zumindest in Richtung Europapokal gestellt. Nach dieser Logik sind die Kölner nach dem vierten Sieg in Folge ab sofort auch aus dem Titelrennen nicht mehr wegzudenken. 

Kleiner Scherz mit wahrem Kern. Denn anders als in den vergangenen Jahren ist das Meisterschaftsrennen in der Saison 2019/20 erfreulich unübersichtlich. Neben Tabellenführer Leipzig und Branchenprimus Bayern München war Mönchengladbach bisher ebenso nicht abzuschütteln wie die beiden Revierclubs Schalke und Dortmund. So dass die Liga nach dürren Jahren der Münchner Dominanz endlich mal wieder im Frühjahr einen echten Showdown erleben könnte. 

Die Tabelle gaukelt einen Fünfkampf vor

Tja, schön wäre es. Doch kurz nach der Winterpause muss einmal der alte Spruch "Die Tabelle lügt nicht" revidiert werden, denn die Rangliste gaukelt vor, dass hier tatsächlich fünf Teams auf Augenhöhe miteinander um die Schale rangeln. In der Realität werden sich RB Leipzig und der FC Bayern rasch von den anderen drei Clubs absetzen. 

Sicher nicht Meister wird Borussia Dortmund. Der Hype um Neuverpflichtung Erling Haaland, der nach seiner Einwechslung mit drei Toren den bedauernswerten FC Augsburg zu Klump schoss, ließ nämlich nur bedingt die erbarmungswürdigen ersten 60 Minuten der Borussia vergessen. Da hatte die Truppe jede vernünftige Einstellung vermissen lassen und gegen eine zwar entschlossene, aber spielerisch limitierte Augsburger Mannschaft so fahrig verteidigt, dass das Match eigentlich schon verloren war. Dass es eines grimmig dreinblickenden Jungspunds wie Haaland bedurfte, um der Elf zu vermitteln, dass bisweilen auch Primärtugenden wie Kampf und Einsatz ein Spiel entscheiden, wirft ein unschönes Licht auf die Verfassung der Truppe. Der BVB wird sich aufgrund individueller Qualität für die Champions League qualifizieren, mehr aber auch nicht. 

Das gilt auch für den FC Schalke 04. Der spielt eine ganz großartige Saison. Unter Coach David Wagner ist das brutal unansehnliche Gekicke der letzten Spielzeit einem klaren Plan gewichen, der gegen Mönchengladbach in aller Schönheit aufging. Was neben allerlei taktischer Renovierung auch an der neuen belgisch-österreichischen Achse Raman-Gregoritsch liegt, deren Zusammenspiel eine für Schalker Anhänger ungewohnt feine Ästhetik ins königsblaue Spiel implementiert. Was aber nicht bedeutet, dass die Gelsenkirchener um die Meisterschaft mitspielen. Dafür fehlt der Mannschaft noch Souveränität und Reife. Hinzu kommen bereits sieben Punkte Rückstand auf die Leipziger. Gleiches gilt für Borussia Mönchengladbach, dass derzeit immer noch von einem goldenen Herbst und einer nahezu makellosen Heimbilanz zehrt, im Spitzenspiel auf Schalke viel zu ängstlich auftrat.

Die Bayern-Stars geben im Trainingslager ihr Gesangstalent zum Besten.

Nur Leipzig und Bayern verfügen über Titel-Qualitäten

Also bleiben nur RB Leipzig und der FC Bayern. Beide verfügen über singuläre Qualitäten, die den anderen Klubs abgehen. Das ist bei Leipzig die Konstanz und Leidenschaft, mit der das Team die Vorgaben von Coach Julian Nagelsmann umsetzt und sich auch von Rückständen nicht aus dem Tritt bringen lässt. Union Berlin war am Wochenende kein leicht zu bespielender Gegner, die Köpenicker zeichnet eine fast orthodoxe Defensivhaltung aus, die derzeit viele Ligagegner ins Schwitzen bringt. Außer die Leipziger, die Union beharrlich bearbeiteten, nach Lücken im Defensivriegel spähten und zudem mit Timo Werner einen Stürmer besitzen, der offenbar vor der Saison einen Zusammenschnitt der schönsten Lewandowski-Tore studiert hat und nun wie das große Vorbild auch schemenhaft zu erkennende Halbchancen eiskalt zu Toren macht. 

Womit auch schon der entscheidende Vorteil der Konkurrenz aus München benannt worden ist. Auf jeder, wirklich jeder Position sind die Münchner doppelt exzellent besetzt, sogar in der Defensive, die noch kurzfristig nachgerüstet werden soll. Was in Spielen wie dem am Sonntag bei der Hertha schon den Unterschied macht. Da fiel noch nicht einmal ins Gewicht, dass Coach Hansi Flick der Mannschaft immer noch keine Spielidee vermittelt hat, die über eine grundlegende Revision der Kovac-Ära hinaus geht. Trotzdem ist der FC Bayern der Konkurrenz personell haushoch überlegen, auch dem RB Leipzig übrigens. 

Was am Ende zu einem Zweikampf um den Titel führen wird. Und das ist besser als nichts.    

tis

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