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Transferrekord: Millionen-Investitionen wie nie zuvor: Die neue Strategie des FC Barcelona

Der FC Barcelona klotzt auf den Transfermarkt wie nie zuvor. Nach der Verpflichtung von Philippe Coutinho summieren sich die Ausgaben für neue Spieler in dieser Saison auf fast 400 Millionen Euro - das ist nicht ohne Risiko.

Philippe Coutinho FC Barcelona

Gruß nach Madrid und an den Rest der Welt: Philippe Coutinho vervollständigt die neue Mannschaft des FC Barcelona

Der hieß seinen neuen Superstar mit einem Videoclip auf Twitter willkommen. Darin ist die Kabine im Camp Nou zu sehen, die Kamera ist auf die rote Schränkreihe der Spieler gerichtet. Die Türen des mittleren Schranks sind offen, er ist leer. Die Türen schließen sich. Als sie sich wieder öffnen, hängt da das Trikot von Philippe Coutinho, den der FC Barcelona in diesen Tagen für eine kolportierte Gesamtsumme von 160 Millionen Euro vom FC Liverpool verpflichtete - der Clip wirkt, als hätte der katalanische Klub den Mittelfeldspieler Harry-Potter-mäßig herbeigezaubert. 

Magie spielte bei dem teuersten Transfer in der Geschichte der spanischen Liga natürlich keine Rolle. Vielmehr verfolgt der FC Barcelona einen Masterplan. Der aber ist riskant. Durch den -Deal summieren sich die Investitionen in neue Spieler in dieser Saison auf fast 400 Millionen Euro. Sollte in den nächsten Tagen der kolumbianische Verteidiger Yerry Mina für läppische zwölf Millionen hinzukommen, durchbricht die Gesamtsumme die Schallmauer von 400 Millionen Euro. Im Sommer waren bereits Ousmane Dembélé (der sich aus Dortmund wegstreikte) für 145 Millionen Euro, Paulinho für 40 Millionen, Semedo für 30,5 Millionen, Deulofeu für 12 Millionen und Marlon (an OGC Nizza verliehen) für 5 Millionen geholt worden.

Der FC Barcelona dominiert wie in besten Tagen

Die Investitionswut ist unüblich für die Katalanen, aber sie hat sich  - bislang - ausgezahlt. Die Frischzellenkur wirkte schneller als viele erwartet haben. Nach dem Abgang von Neymar im Sommer rechneten viele Beobachter eher mit einer Krise. Doch davon ist weit und breit nichts zu entdecken. In der Liga führt Barca mit neun Punkten Vorsprung auf Atlético Madrid die Tabelle an. Das Team um Lionel Messi dominiert unter dem neuen Coach Ernesto Valverde wie in den besten Tagen. Noch besser aus katalanischer Sicht ist die Tatsache, dass Erzrivale Real Madrid 16 Punkte Rückstand auf den Tabellenführer hat. Allein das löst Hochgefühle bei den Katalanen aus. In der Champions League erreichte als Gruppenerster souverän das Achtelfinale - es läuft alles so, wie es sich die Klubbosse gewünscht haben, als sie im Sommer die Transferoffensive starteten.

Mit dem jüngsten Transfercoup, der eigentlich schon für den Sommer geplant war, wird die Mannschaft weiter verstärkt. Das scheint sicher. Der Brasilianer Coutinho soll als Nachfolger von Andrés aufgebaut werden, der mit seinen 33 Jahren langsam in die Jahre kommt. Über die Qualität verfügt der Neuzugang aus Liverpool. Sein Landsmann Paulinho hat sich bereits als Verstärkung erwiesen. In der Liga schoss der Mittelfeldmann schon sieben Tore. Große Hoffnungen ruhen auf dem Ex-Dortmunder Dembélé. Der Neymar-Nachfolger gab am vergangenen Wochenende beim 3:0-Erfolg über UD Levante nach fast viermonatiger Verletzungspause ein vielverprechendes Comeback.

FC Barcelona Ousmane Dembélé

Hoffnungsträger: Ousmane Dembélé hat am vergangenen Wochenende sein Comeback gegeben

Der Neustart war dringend notwendig. Im Sommer ließen sie Neymar für die Rekordsumme von 222 Millionen Euro Richtung Paris Saint-Germain ziehen. Trainer Luis Enrique, mit dem Barca 2015 das große Tripple aus Meisterschaft, Pokal und gewonnen hatte, quittierte den Dienst. In der Champions League schied man im Viertelfinale gegen Juventus Turin aus, während Madrid als erstes Team überhaupt den Titel in der Königsklasse verteidigte und nebenbei Meister wurde - eine doppelte Schmach für die stolzen Katalanen. Das soll sich in dieser Saison nicht wiederholen.

Barca steht finanziell unter Druck

Mit der sportlichen Erneuerung geht ein weiteres Ziel einher: Der katalanische Klub steht auch finanziell unter Druck. Laut dem Fußball-Magazin "kicker" plagen Barcelona 300 Millionen Euro Schulden. Der Klub zahlt nach eigenen Angaben zudem 588 Millionen Euro an Gehältern. Das sind stolze 84 Prozent der Einnahmen (707 Millionen) - ein kritischer Wert. Als wirtschaftlich gelten 55 bis 65 Prozent. Doch warum die höheren Ausgaben? Ganz einfach: Der Verein will durch die hohen Investitionen die Einnahmen steigern. Wenn im Sommer wie geplant Antoine Griezmann von Atlético Madrid hinzukommt, ist nicht nur die sportliche Perspektive gesichert, sondern ein weiterer großer Name neben Messi, Suárez, Iniesta, Pique und Coutinho wird die Attraktivität der Mannschaft erhöhen, die durch den Abgang von Neymar etwas gelitten hatte. Es erinnert ein wenig an das Konzept der Galaktischen, als Real Madrid einst nacheinander Zidane, Figo, Beckham und Ronaldo verpflichtete, die damals größten Stars der Welt. Noch ist die Strahlkraft des neuen FC Barcelona nicht so groß. Dennoch wird es die Einnahmen bei Werbeaufträgen und Sponsoren steigern - so der Plan.

Mitte Februar folgt der erste Härtetest, dann trifft man im Achtelfinale der Champions League auf den englischen Meister Chelsea London. Ein Scheitern wäre ein großer Rückschlag.

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