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Testspiel: Warmschießen ohne Ballack

Die Entwarnung des Bundestrainers Jürgen Klinsmann kam zu früh: Michael Ballack wird zum Spiel gegen Luxemburg definitiv nicht auflaufen können. Für Ersatz ist jedoch bereits gesorgt.

Michael Ballack fällt für das traditionelle Freiburger Warmschießen vor einem großen Turnier aus. Am Vormittag hatte Jürgen Klinsmann noch grünes Licht für einen Einsatz seines am Sprunggelenk verletzten Kapitäns in Freiburg gegen Luxemburg gegeben. Kurz vor dem Abschlusstraining aber musste der Bundestrainer die Kehrtwende verkünden lassen: "Kommando zurück", hieß es nach einer am Mittag vorgenommenen Kernspintomographie in einem Genfer Krankenhaus. Erst in drei bis vier Tagen könne Ballack wieder voll belastet werden.

Der wichtigste deutsche Feldspieler muss damit nicht nur auf einen Einsatz gegen die Luxemburger verzichten, sondern wahrscheinlich auch für die Partie gegen Japan in Leverkusen passen. Allein die Diagnose hatte sich im Tagesverlauf nicht negativ verändert: Die DFB-Mediziner sprechen weiter von einer Kapselverletzung im Sprunggelenk des linken Fußes - Bänder seien nicht beschädigt. Ballack hatte sich die Verletzung am Vortag beim 12:0-Test gegen die A-Jugend von Servette Genf zugezogen. Eine Gefahr für die WM-Teilnahme sieht Klinsmann aber nicht.

Tim Borowski rückt ins Team

Die Partie in Freiburg wird dennoch nun ungewollt ein Test für den schlimmsten angenommenen Fall: Wie kommt das deutsche Team ohne seinen Chef aus? Vor zwei Jahren beim 7:0 im EM-Test gegen Malta hatte Ballack gleich vier Mal getroffen. Vor der WM 2002 schoss sich Deutschland in Freiburg ebenfalls mit einem 7:0 gegen Kuwait auf das Turnier in Asien ein. Dieses Mal muss das Team ohne Ballack, der erst gar nicht mit in den Breisgau reist und für den Tim Borowski ins Team rücken dürfte, "ein paar Tore vorlegen", wie Klinsmann verlangte. Die Trainingsbelastung in der Schweiz hat die sportliche Leitung extra gedrosselt, um gegen Sparringspartner Luxemburg eine ausgeruhte Mannschaft ins Rennen um die Gunst des Publikums schicken zu können.

Klinsmann weiß genau, dass es in den drei letzten WM-Proben gegen Fußball-Zwerg Luxemburg, ein paar Tage später in Leverkusen gegen WM-Teilnehmer Japan und in Mönchengladbach gegen Kolumbien auch um eine positive Stimmung im WM-Land geht, von der die junge deutsche Mannschaft während des Turniers profitieren soll. "Die Spieler müssen mit engagiertem Auftreten zeigen, dass sie gewinnen wollen. Sie haben einfach eine Verpflichtung gegenüber dem Publikum", erklärte der Bundestrainer.

Fünf Startplätze namentlich vergeben

Das Stadion in Freiburg ist ausverkauft, in den Wohnzimmern und Sportkneipen erwarten die Fans hoffnungsvolle Zeichen 13 Tage vor dem Ernstfall gegen Costa Rica. "In Deutschland wächst jetzt die Erwartung", unterstrich DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder, der erstmals nach seiner Herz-Operation in Genf wieder zum Team stieß.

Genau zwei Wochen vor dem WM-Eröffnungsspiel am 9. Juni in München hat Klinsmann die ersten fünf Startplätze namentlich vergeben: Neben Ballack werden Torsten Frings, Bernd Schneider, Miroslav Klose und Jens Lehmann als Torwart Nummer 1 gegen Costa Rica auflaufen, falls sie gesund bleiben. "Das Gerüst steht", verriet der 41-Jährige. Auch ein Platz in der Innenverteidigung ist bereits fest verplant. Obwohl Klinsmann den Namen noch nicht lüftete ("Das verrate ich nicht"), deutet alles auf den Hannoveraner Per Mertesacker hin.

Alle WM-Karten noch nicht aufgedeckt

Sein zweiter Wunschspieler für die zentrale Abwehr scheint Christoph Metzelder zu sein, der sich nach Muskelfaserriss beim Test gegen die Genfer Junioren mit einer guten Leistung zurückgemeldet hatte. "Er ist wieder höchst belastbar", bestätigte Klinsmann, dass Metzelder körperlich seine Rückstände aufgeholt hat. "Er ist ein Spieler, der durch seine Ausstrahlung und Kommunikationsfähigkeit eine wichtige Rolle spielen kann", lobte der Bundestrainer den Dortmunder. Für die rechte Verteidiger-Position hat Klinsmann neben dem einzigen nominierten Spezialisten Arne Friedrich auch Frings und Schneider als Notlösung auf dem Zettel: "Beide wissen Bescheid."

Alle WM-Karten will Klinsmann gegen die Luxemburger wie auch in den folgenden zwei Vorbereitungs-Länderspielen noch nicht aufdecken. "Für uns sind das drei Experimentierspiele", kündigte der Wahl- Amerikaner an. Schon in Freiburg sollen insgesamt 17 Spieler aus seinem Kader eine Chance erhalten, mehr dürfen nicht eingesetzt werden. "Die nicht zum Zug kommen, werden auf einem Nebenplatz trainieren", ergänzte der Bundestrainer.

Wird Klinsmanns Wort Wirklichkeit?

Erst sechs Stunden vor dem Anpfiff wird der DFB-Tross aus Genf losfliegen und in Freiburg ein Tageshotel beziehen. "Ich erwarte, dass sich die Mannschaft alle Mühe gibt und Schritt für Schritt besser in Fahrt kommt", sagte Klinsmann zu seinen Ansprüchen an den Kurz-Trip, bei dem Jens Nowotny nach zwei Jahren sein Comeback in der DFB-Elf feiern und Frings sein 50. Länderspiel bestreiten kann.

Gleich nach Abpfiff geht es um 21.55 Uhr von Lahr nach Genf zurück. Für Mayer-Vorfelder könnte die WM-Mission schon mit dem Viertelfinal-Einzug ein Erfolg werden, falls das deutsche Team gut spielt. "Das Schönste aber wäre", sagte "MV" und schlug Klinsmann bei der Pressekonferenz kräftig auf den Arm, "sein Wort wird Wirklichkeit." Dann könnte der 73-jährige DFB-Chef mit dem WM-Titel in den Ruhestand gehen.

Jens Mende und Klaus Bergmann, DPA / DPA

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