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Ehrung: Klinsmann erhält Bundesverdienstkreuz

Fußball-Weltmeister sind sie nicht geworden, wohl aber "Weltmeister der Herzen." Bundespräsident Horst Köhler möchte Jürgen Klinsmann und seine Mannschaft deshalb ganz besonders ehren und betritt dabei Neuland.

Jürgen Klinsmann kehrt noch einmal nach Berlin zurück - ob als amtierender oder ehemaliger Bundestrainer ist allerdings weiterhin offen. Zwei Tage vor dem ersten Länderspiel nach der Fußball-Weltmeisterschaft wird Bundespräsident Horst Köhler die deutsche Nationalmannschaft am 14. August im Schloss Bellevue empfangen und den 23 Spielern sowie dem Trainerstab nach dem dritten Platz bei der Heim-WM das Silberne Lorbeerblatt verleihen. Normalerweise erhalten Olympiasieger und Weltmeister diese Auszeichnung, aber Köhler scheint sich der Meinung der Deutschen angeschlossen zu haben, dass die Fußballnationalmannschaft "Weltmeister der Herzen" ist. Klinsmann soll für seine großen Verdienste vom deutschen Staatsoberhaupt sogar noch persönlich mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet werden.

Ob Klinsmann zwei Tage nach dem Empfang am 16. August in Gelsenkirchen gegen Schweden auch wieder als verantwortlicher Nationaltrainer auf der Bank sitzen wird, ist dagegen weiterhin ungewiss. Der kollektive WM-Rausch wird mehr und mehr von der Sorge eines Klinsmann-Abschieds abgelöst. Torhüter Jens Lehmann verbindet die Titelchancen bei der EM 2008 oder WM 2010 direkt mit einer Fortsetzung der Zusammenarbeit der Mannschaft mit den aktuellen Trainern. "Ich denke, wenn das Gespann Jürgen Klinsmann und Joachim Löw zusammenbleibt, dann ja", antwortete der 36-Jährige in der "Welt" auf die Frage nach den Erfolgsaussichten bei den nächsten Turnieren.

"Ich fürchte, dass Klinsmann nicht weitermacht"

Auch in Expertenkreisen mehren sich unterdessen die skeptischen Stimmen zur Zukunftsentscheidung des Bundestrainers. "Man kann nur hoffen, dass Jürgen Klinsmann weitermacht. Ich fürchte nur, dass er nicht weitermacht", sagte Uli Hoeneß, der Sprecher des Arbeitskreises Nationalmannschaft der Bundesliga. Der Bayern-Manager ist gewöhnlich bestens informiert über Interna im deutschen Fußball, der Kontakt zu DFB-Teammanager Oliver Bierhoff ist eng. Hoeneß räumte allerdings ein, keine konkreten Gründe für seinen Tipp zu haben: "Das sagt mir mein Gefühl."

Der Empfang beim Bundespräsidenten nach erfolgreichen Turnieren hat Tradition: Vor vier Jahren war Klinsmanns Vorgänger Rudi Völler mit "seinen" Vize-Weltmeistern von Japan und Südkorea ebenfalls zwei Tage vor dem Neustart beim Auswärtsspiel in Bulgarien (2:2) in der Hauptstadt empfangen worden und vom damaligen Schlossherrn Johannes Rau mit dem Silbernen Lorbeerblatt ausgezeichnet worden. 2002 war der 23-köpfige WM-Kader fast komplett zur Ehrung nach Berlin gekommen.

"Jetzt ist schlicht Erholung angesagt"

Während Bierhoff nach einem Dankesbrief an alle Fans und WM- Beteiligten am Dienstag schon wieder Termine wahrnahm, erholen sich Klinsmann und Co-Trainer Joachim Löw erst einmal von den WM- Strapazen. Beide seien nach acht Wochen inklusive Vorbereitung platt, berichtete Klinsmanns Berater Roland Eitel: "Jetzt ist schlicht Erholung angesagt." Die Belastungen eines großen Turniers, noch dazu im eigenen Land, waren für beide eine neue Erfahrung.

Klinsmann und Löw waren am Sonntag aus Berlin zusammen nach Stuttgart geflogen, dort trennten sich die Wege. Die "paar Tage Zeit", die sich der Bundestrainer beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) für seine Entscheidung ausbedungen hatte, könnten durchaus spontan enden. "Vor zwei Jahren ist Jürgen auch innerhalb weniger Stunden von Los Angeles nach New York geflogen", erinnerte Eitel an die damalige Verpflichtung Klinsmanns als Nachfolger von Völler. Nach der ersten Kontaktaufnahme traf sich Klinsmann damals in der US-Metropole mit DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder und DFB-Generalsekretär Horst R. Schmidt.

"Verwegen ist keine Idee"

Wenn Klinsmann sich nicht wieder vollkommen in die USA zurückziehen sollte, könnten Zukunfts-Lösungen womöglich auch Modelle beinhalten, bei denen Klinsmann eine veränderte Rolle spielt, die ihm mehr privaten Spielraum ließe. "Man hat einen Einfluss auf die Weiterentwicklung", hatte er nach dem Spiel Platz drei gesagt, unabhängig davon, ob er als Trainer weitermache. Bei einem neuen Projekt, das die EM 2008 als Nahziel und die WM 2010 als Fernziel umfassen würde, könnten etwa Co-Trainer Löw und U 21-Auswahlcoach Dieter Eilts weitgehend das operative Geschäft führen, während Klinsmann als Projektleiter mehr die Gesamtstrategie vorgibt.

"Verwegen ist keine Idee", bemerkte Klinsmanns Vertrauter Eitel. "Jürgen kann morgen sagen, es ist ganz aus. Wenn er ja sagt, wird er die Sache nicht einfach auf sich zukommen lassen, sondern dann beginnt jetzt das Projekt 2010 oder 2008. Er sucht immer nach der größten Herausforderung."

Klaus Bergmann und Jens Mende/DPA / DPA

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