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Fußball-WM 2010: "Afrikanischen Mannschaften fehlt die Professionalität"

Die Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaft nach Südafrika vor sechs Jahren war der große Sieg für den Schwarzen Kontinent. Doch in den Auftaktspielen beim Endturnier am Kap taten sich die "Gastgeber" noch reichlich schwer.

Die Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaft nach Südafrika vor sechs Jahren war der große Sieg für den Schwarzen Kontinent. Doch in den Auftaktspielen beim Endturnier am Kap taten sich die "Gastgeber" noch reichlich schwer. Lediglich der deutsche Gruppengegner Ghana ging mit dem 1:0 gegen Serbien als Sieger vom Platz, Ausrichter Südafrika verpasste einen Start nach Maß durch das 1:1 gegen Mexiko im Eröffnungsspiel. Und Kamerun, Nigeria und Algerien verloren und trafen nicht einmal.

Den ausgewiesenen Experten Otto Pfister, der in Afrika acht Nationalteams trainiert hat, wundert diese Zwischenbilanz nicht. "Die afrikanischen Mannschaften sind einfach nicht professionell genug. Da fehlt die Organisation und Logistik, die Ausbildung von Trainern oder die medizinische und leistungsdiagnistische Betreuung wie in Deutschland", sagt der 72-Jährige dem SID.

Als weiteres Problem sieht der Fußballlehrer, der bei der WM-Endrunde in Deutschland vor vier Jahren Togo betreut hatte, vor allem die Vorbereitung. Kamerun habe Testspiele über einen Agenten arrangieren lassen, um Geld zu verdienen. "Die sind drei Wochen durch halb Europa getingelt. Von Frankreich nach Österreich, dann nach Portugal, dann nach Belgrad, um dann sechs Tage vor dem WM-Start noch in die Heimat zu reisen", sagte Pfister.

Der Veteran, der während der WM als Co-Kommentator für das Schweizer Fernsehen arbeitet, listete weitere Probleme auf. Funktionäre, "nicht alle", ohne Fachkompetenz mischen sich in sportliche Belange ein. Die Prämienfrage sei bis ins Turnier hinein teilweise nicht geklärt und die Stars wie Samuel Eto'o oder Didier Drogba müssten Rollen spielen, die sie gar nicht können. "Die werden bei ihren Vereinen in Europa doch streng kontrolliert. Ein Jose Mourinho gibt Samuel Eto'o strikte Anweisungen, was er zu tun hat. In Kamerun ist er der Star und kann tun, was er will", erklärt Pfister.

So würde es zahllose weitere Gründe dafür geben, warum durchschlagender Erfolg ausbleibe. Einen afrikanischen Weltmeister, da ist sich Pfister sicher, werde die Fußball-Welt in Südafrika nicht erleben. Viel zu schwach seien fast alle Torhüter. "Weltmeister wird Argentinien, Spanien oder England. Und Afrika muss weiter warten", sagt Pfister: "Wenn ich dann lese: Eines Tages wird eine afrikanische Mannschaft Fußball-Weltmeister, dann denke ich bei mir: Eines Tages vielleicht, aber nicht in den nächsten zehn Jahren. Sicher nicht."

Karge Aussichten, von denen sich die Menschen am Kap aber offenbar nicht die Party verderben lassen würden. Noch nicht. Denn der Druck auf die afrikanischen Teams und vor allem Gastgeber Südafrika wächst. Gegen Uruguay (20.30 Uhr/ARD und Sky live) muss die Mannschaft von Trainer Carlos Alberto Parreira gewinnen, um vor dem abschließenden Gruppenduell gegen Frankreich die Basis für das Erreichen des Achtelfinales geschaffen zu haben.

"Es war wichtig, dass sie mal abschalten und etwas entspannen können", sagte der 67 Jahre alte WM-Rekordtrainer. Parreira hatte seine Spieler von dem "Endspiel" in einen Kurz-Urlaub zu den Familien geschickt.

Ulf Zimmermann, SID / SID

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