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Fußball-WM 2010 Die Seleção tötet Afrikas Hoffnung


Brasilien dominierte die Partie gegen die Elfenbeinküste. Für Afrika braut sich ein düsteres Szenario zusammen: Auch die Ivorer stehen vor dem Turnieraus. Sie waren die größte Hoffnung auf einen Platz unter den Topteams.
Von Wigbert Löer, Johannesburg

Es hätte seine Bühne sein können. Das Soccer-City-Stadion war nahezu ausverkauft, 84.500 Zuschauer - als Gegner stand ein ganz Großer bereit: der Dauerfavorit Brasilien. Doch Didier Drogba vermochte die Rolle eines gesamtafrikanischen Erlösers nicht zu spielen. Zumindest nicht auf dem Rasen, wo er nach seiner Verletzung noch schwer außer Form ist. Wo er eigensinnig einen Ball hoch auf die Tribüne drosch statt zu flanken, wo er viel mit dem Schiedsrichter diskutierte und für wenig Gefahr vor dem brasilianischen Tor sorgte.

Viele hatten gehofft, dass der neben Kameruns Samuel Eto'o größte Fußballstar des Kontinents, der gerade aktueller Torschützenkönig der englischen Premier League und Meister mit dem FC Chelsea geworden ist, dass dieser Didier Drogba eine stark besetzte Mannschaft in die K.o.-Spiele führen könne. Vielleicht war die Erwartung zu hoch, vielleicht die Gruppe mit Portugal und Brasilien zu schwierig. Die Elfenbeinküste steht kurz vor dem Aus.

Luis Fabiano unwiderstehlich

Das 1:3 gegen Brasilien war keineswegs ungerecht und auch nicht unglücklich. Den Westafrikanern fehlte gegen die Südamerikaner schlicht die Durchschlagskraft. In der ersten Halbzeit fühlte man sich ein wenig an Kamerun erinnert, das 24 Stunden zuvor auch recht munter spielte, dem gegen Dänemark am Ende aber der kraftvolle Abschluss fehlte.

Brasilien hingegen trat in seinem zweiten WM-Spiel auf wie eine Spitzenmannschaft. Das 1:0 in der ersten Halbzeit entstand ohne Vorwarnung. Nach vorsichtigem, zuweilen sogar etwas behäbigem Spiel passte Luis Fabiano plötzlich per Hacke zu Kaká. Der Ball landete Sekunden später wieder auf Fabianos rechtem Fuß. Blitzschnell ging das, und ebenso zügig zog der Mittelstürmer des FC Sevilla ab - und traf mit einem fulminanten Schuss in den kurzen oberen Torwinkel.

Handspiel vor dem 2:0

Brasilien gegen die Elfenbeinküste, das war auf dem Papier das wohl attraktivste Spiel der gesamten Vorrunde. Auf dem Feld war es eine von den Partien, in denen ein einzelner Spieler den Unterschied vielleicht nicht ausmachen, aber doch gewaltig vergrößern konnte. Man hat bei dieser WM selten Sprechchöre vernehmen können, doch nun skandierten die Fans des Favoriten unüberhörbar: Luis Fabiano. Für sein 2:0 in der 50. Minute benötigte er keine Unterstützung seiner Mitspieler mehr, tankte sich - allerdings mit Hilfe eines klaren Handspiels - durch mehrere Abwehrspieler durch und schoss aus kurzer Distanz mit viel Wucht ein. Dass auf der anderen Seite kurz später Drogba eine gute Flanke von Dinidane knapp daneben köpfte, passte ins Bild.

Doch noch Spiellaune bei Brasilien

Abgeklärt, dachte man, würde Brasilien die drei Punkte nach Hause bringen, die Trainer Dunga vor dem letzten Gruppenspiel gegen Portugal gelassen schlafen lassen sollten. Doch die Mannschaft überkam stattdessen Spiellaune, wie sie die mit dem neuen Defensivkonzept hadernden Fans ersehnten. Dungas Problemkind aus dem ersten Spiel, der Spielgestalter Kaká, gestaltete nun problemlos und legte nach feinem Dribbling seinem Mittelfeldkollegen Elano den Ball so auf, dass der das 3:0 gar nicht mehr verhindern konnte. Kaká stand auch später noch im Fokus. Der Regisseur hatte bei einer Tätlichkeit noch Glück im Unglück. Nach einem Elbogencheck gegen Kader Keita, der auf unsportliche Weise theatralisch zu Boden sank, erhielt Kaká nur die gelb-rote Karte und nicht glatt Rot. Der zentrale Spieler aus Dungas Elf kann somit im Achtelfinale wieder spielen.

Der Anschlusstreffer durch Drogba half den Ivorern nicht mehr aus der Patsche. Das Achtelfinale ist weit entfernt - für die Elfenbeinküste und, Stand heute, wohl auch für die anderen afrikanischen Mannschaften. Ausnahme: ausgerechnet Deutschlands Gruppengegner Ghana.

Ist Brasilien für Sie nach dem überzeugenden Sieg gegen die Elfenbeinküste nun der Topfavorit auf den Turniersieg? Oder fanden Sie Dungas Team gar nicht so stark? Diskutieren Sie das Thema auf Fankurve 2010, der Facebook-Fußballfanseite von stern.de.


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