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Fußball-WM 2010: Nachspiel für Spanien?

Mit einem Doppelschlag hat David Villa Europameister Spanien wieder auf WM-Kurs gebracht, doch wegen einer "Backpfeife" droht dem Matchwinner vielleicht noch ein Nachspiel. Der neue Stürmer des Meisterclubs FC Barcelona schoss den hohen Favoriten am Montagabend im Alleingang zum 2:0 (1:0)-Sieg gegen den krassen Außenseiter Honduras.

Mit einem Doppelschlag hat David Villa Europameister Spanien wieder auf WM-Kurs gebracht, doch wegen einer "Backpfeife" droht dem Matchwinner vielleicht noch ein Nachspiel. Der neue Stürmer des Meisterclubs FC Barcelona schoss den hohen Favoriten am Montagabend im Alleingang zum 2:0 (1:0)-Sieg gegen den krassen Außenseiter Honduras. Vor 54 000 Zuschauer im Ellis Park von Johannesburg sorgte Villa mit seinen Treffern in der 17. und 51. Minute dafür, dass die stolzen Spanier am Freitag mit einem Sieg gegen Chile aus eigener Kraft das Achtelfinale der Fußball-WM erreichen können. Die völlig überforderten Mittelamerikaner stehen dagegen in der Gruppe H vor dem Aus.

Glück hatte Villa, dass der japanische Schiedsrichter Yuichi Nishimura seine Tätlichkeit Ende der ersten Halbzeit nicht ahndete. Doch nachträglich könnte der Spanier vom Weltverband FIFA für seinen Schlag mit dem Handrücken ins Gesicht von Emilio Izaguirre Ungemach drohen. Denn wie in der Bundesliga gibt es auch bei Weltmeisterschaften den Video-Beweis. Nach der Partie spielte Villa das Unschuldslamm: "Das war ein Reflex. Ich wollte ihn eigentlich nur wegschubsen. Das war keine Absicht", versicherte der "Mann des Spiels".

"Wir haben sogar noch Chancen ausgelassen und hätten noch mehr Tore schießen können", meinte Villa, "aber der Sieg ist heute sehr positiv für uns. Wir kennen unsere Stärken und bauen weiter darauf. Mit einem Sieg gegen Chile können wir jetzt sogar den Gruppensieg holen." Das sah auch Trainer-Urgestein Vicente del Bosque so: "Wir hätten heute höher gewinnen können. Aber alles, was zählte, war der Sieg. Und das wird auch gegen Chile so sein", sagte der Coach.

Beim Spiel auf ein Tor lag das 1:0 der drückend überlegenen "selección" förmlich in der Luft - und in der 17. Minute war es dann so weit: Villa brachte den Favoriten nach schönem Alleingang in Führung. Schon halb im Liegen erzielte der EM-Torschützenkönig seinen 39. Länderspieltreffer, bei Nummer 40 war dann auch Glück im Spiel: Der 17-Meter-Schuss von Villa wurde vom Honduraner Osmán Chávez noch abgefälscht. Der Strafstoß nach Foul von Izaguirre an Jesús Navas war dann aber keine Empfehlung für den neuen 40-Millionen-Mann der Katalanen: Villa zielte daneben (62.).

Fünf Tage nach der 0:1-Blamage gegen die Schweiz hätten Villa und Co. die einseitige Partie schon vor der Pause entscheiden müssen. Doch ein 25-Meter-Kracher von Villa landete an der Latte (7.), Sergio Ramos vergab eine gute Kopfballchance aus Nahdistanz (11.), Xavi verpasst eine Flanke von Navas am "Fünfer" nur um Haaresbreite (24.).

Stürmer-Star Fernando Torres, gegen die Schweiz nur eingewechselt und nun erstmals in der Startformation, vergab innerhalb einer Minute gleich zwei gute Gelegenheiten: Nach Flanke von Ramos per Kopf, Sekunden später nach einem Solo im Strafraum (32.). Del Bosque war mit seinem Stürmer überhaupt nicht zufrieden und nahm ihn Mitte der zweiten Halbzeit aus dem Spiel.

Die Konter des krassen Außenseiters trugen das Prädikat "höchst selten, aber gefährlich". So musste Kapitän und Keeper Iker Casillas Kopf und Kragen riskieren, als der beim FC Genua spielende David Suazo allein vor ihm auftauchte (16.). Im Gegenzug fiel das 1:0. Der Angriffswirbel der "furia roja" (Rote Furie) ging weiter, doch erneut war es Torres, der die letzte Chance vor dem Halbzeitpfiff vergab.

Gemessen an ihren Möglichkeiten erzielten die Spanier eine viel zu geringe Torausbeute. Schließlich kann beim Kampf um die Achtelfinal- Plätze auch das Torverhältnis entscheiden. 60 Sekunden nach dem 2:0 hätte Ramos fast nachgelegt, doch sein Schuss ging um wenige Zentimeter am Tor von Noel Valladares vorbei. Dann hatte der eingewechselte Cesc Fabregas das 3:0 auf dem Fuß, doch der Ball wurde von einem Abwehrspieler noch vor der Linie gestoppt (66.).

Hubert Kahl und Lars Reinefeld, DPA / DPA

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