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Nationalmannschaft gegen Bosnien: Letzter Härtetest für die DFB-Elf

Acht Tage vor Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika trifft die deutsche Mannschaft am Donnerstagabend auf Bosnien. Die Gäste treten mit einigen Bundesliga-Legionären an. Der DFB schickt möglicherweise die Startelf der WM ins Rennen.

Fußball-Deutschland bereitet sich auf die WM in Südafrikavor. Viele deutsche Fans erhoffen sich ein Sommermärchen wie 2006 – diesmal mit Happy End. Für die Nationalmannschaft und Trainer Joachim Löw heißt es jetzt, bis zum ersten WM-Spiel gegen Australien am 13. Juni in Durban, die Spannung hochzuhalten und auf das Leistungsmaximum hinzuarbeiten. Nicht einfach bei dem Verletzungspech im DFB-Team. Zwar ist das Thema Ballack mehr oder weniger abgehakt, wie die Mannschaft den Verlust des Führungsspielers verkraftet, ist allerdings noch nicht einzuschätzen.

Bastian Schweinsteiger und Sami Khedira sollen bei der WM versuchen, den Ausfall Ballacks als "Doppelsechs" zu kompensieren. Sie werden daher auch heute Abend spielen. In der Abwehr sind Philipp Lahm und Per Mertesacker gesetzt. Serdar Tasci, Holger Badstuber oder Arne Friedrich kommen gegen Bosnien für die zweite Innenverteiger-Position in Frage. Der Einsatz der HSV-Spieler Dennis Aogo und Jerome Boateng hängt von der Position des neuen Kapitäns Lahm ab. Spielt er links, könnte Boateng die rechte Abwehrseite füllen. Entscheidet sich Löw, Lahm rechts einzusetzen, würde Dennis Aogo als linker Verteidiger in Frage kommen. Marcell Jansen rechnet sich zudem auch noch seine Einsatzchance aus.

Im offensiven Mittelfeld sind Özil und Podolski gesetzt, und auch Thomas Müller hat gute Karten auf einen Einsatz. Miroslav Klose genießt zwar noch das Vertrauen von Löw, muss sich aber steigern. Cacau und Mario Gomez brennen auf eine Chance gegen Bosnien. Zunächst wird aber wohl Klose als einzige echte Spitze auflaufen.

Bosnien als echter Härtetest

Somit ist das Testspiel gegen Bosnien heute Abend in Frankfurt (20.30 Uhr/ARD) ein guter Gratmesser, denn die Spiele gegen die harmlosen Ungarn und den Fußballzwerg Malta konnten noch keine genauen Einschätzungen liefern. Die Bosnier haben eine starke Mannschaft und scheiterten in der WM-Qualifikation erst in der Relegation an Portugal. Mit Edin Dzeko, Zvjedzan Misimovic, Vedad Ibisevic und Sejad Salihovic hat die Balkan-Elf erstklassige Bundesliga-Legionäre in ihren Reihen. Alle vier stehen in der Startelf. Die Motivation gegen Deutschland zu gewinnen, dürfte entsprechend groß sein.

Zumal sich die deutsche Nationalmannschaft mit Freundschaftsspielen vor einer WM in den vergangenen Jahren sehr schwer tat. Vor der WM 2002 in Korea und Japan verloren die Deutschen mit 0:1 gegen Wales und wurden zum Gespött der britischen Presse. Keiner hatte dem DFB-Team unter Coach Rudi Völler ernsthafte Titelchancen zugetraut – am Ende kam man ins Finale und unterlag Brasilien mit 0:2.

Vor der WM 2006 im eigenen Land war die Situation ähnlich. Nach einem desolaten 1:4 in Florenz gegen Italien forderten viele den Rauswurf Jürgen Klinsmanns, um eine peinliche Heim-WM zu vermeiden. Der Rest ist bekannt: Deutschland wurde Dritter und erlebte das Sommermärchen. Unterm Strich ist es also nicht unbedingt ein Nachteil, wenn es gegen Bosnien nicht klappt.

Jüngste Nationalmannschaft seit 1934

Wichtigste Frage wird sein: Spielt Joachim Löw mit seiner WM-Elf gegen Bosnien? Es kann also gut sein, dass die elf Spieler morgen auch am nächsten Sonntag gegen Australien auflaufen werden. Spielerisches Potential hat die Mannschaft, die Erfahrung könnte ein Problem sein. Mit einem Schnitt von 24,96 Jahren ist der aktuelle WM-Kader der deutschen Nationalmannschaft der zweitjüngste aller Zeiten. Nur bei der WM 1934 war er mit 24,16 Jahren noch jünger.

Miroslav Klose ist mit 31 Jahren und 95 Länderspielen der Erfahrenste und spielte sowohl 2002 als auch 2006 eine starke Weltmeisterschaft. Gut für Joachim Löw ist, dass Spieler wie Bastian Schweinsteiger (25 Jahre alt), Per Mertesacker (25) oder Philipp Lahm (26) viel Erfahrung vorweisen können. Dazu gehört auch das EM-Finale 2008 gegen Spanien in Wien (0:1).

Interessant wird auch der Auftritt von Manuel Neuer sein, der nach überstandenem Magen-Darm-Infekt definitiv spielen kann. Gegen Ungarn kaum geprüft, wird er es mit den Top-Stürmern Edin Dzeko, der eine weitere Saison beim VfL Wolfsburg spielen wird, und Vedad Ibisevic von der TSG Hoffenheim zu tun haben. Sicher eine gute Gelegenheit für den Schalke-Keeper das Vertrauen von Joachim Löw zu bestätigen. Patzt er jedoch, wird sich Tim Wiese, der bereits lautstark bemerkte, dass er die Torhüterwahl des DFB-Coaches nicht verstehe, wieder ins Gespräch bringen.

Es ist somit ein ernstzunehmender Test in der Commerzbank-Arena in Frankfurt. "Diese 90 Minuten werden uns wichtige Erkenntnisse liefern", sagt Joachim Löw. Hoffentlich positive Erkenntnisse...

P.S.: Wird die deutsche Nationalmannschaft gegen Bosnien überzeugen? Diskutieren Sie das Thema auf Fankurve 2010 der Facebook-Fußballfanseite von stern.de.

Daniel Barthold/DPA/SID / DPA

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