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WM 2010 - DFB-Team: Mit Vollgas gegen Ghana

Die Anspannung steigt: Die DFB-Elf muss gegen Ghana siegen, um sicher das Achtelfinale zu erreichen. Doch Angst vor dem Druck hat keiner. Bundestrainer Löw gibt ein vollmundiges Versprechen ab.

Von Felix Haas

Der Druck wächst. Und die Rückflug-Tickets sind schon gebucht - nur vorsichtshalber natürlich. Die deutsche Nationalmannschaft steht vor dem entscheidenden Gruppenspiel gegen Ghana mit dem Rücken zur Wand. Ein Sieg wird wohl schon her müssen, um das Achtelfinale zu erreichen. "Wir wissen, dass eine große Blamage drohen kann, aber diesen Gedanken muss man ausklammern", beschwört Innenverteidiger Arne Friedrich, der vor seinem 75. Länderspiel steht. Mit den möglichen Konsequenzen im Falle eines Misserfolges will sich im DFB-Tross niemand beschäftigen.

Trainingseinheiten, Teamsitzungen, Videoschulungen. Joachim Löw stimmt sein junges Team mit einem Rund-um-die-Uhr-Programm auf die erste große Drucksituation bei der WM ein. Und der Nationalcoach geht mit Ruhe und Sachlichkeit vorweg. Löw schaut in diesen Tagen besonders genau hin, welche Spieler er am Mittwoch (ab 20.30 Uhr im stern.de-Liveticker) ins Fegefeuer schicken kann. "Im Training werde ich ein Gefühl entwickeln, wer in der Lage ist, dieses Spiel zu bestreiten", sagt der Cheftrainer.

Muss Badstuber auf die Bank?

Beobachten wird Löw besonders den gegen Serbien oft überforderten Youngster Holger Badstuber. Eine Veränderung in der Startelf ist derweil sicher: Miroslav Klose muss nach seiner gelb-roten Karte gegen Serbien ersetzt werden. Gesucht wird also ein zentraler Stürmer. Die besten Karten hat der bisherige Topjoker Cacau. "Wenn ich die Möglichkeit bekomme, werde ich meine Stärken zeigen: Schnelligkeit, gute Ballbehandlung, Torschuss", verkündet der 29-Jährige im Vorfeld schon einmal selbstbewusst. Dass Löw auch in der Abwehr umbaut und Badstuber ersetzt, ist eher unwahrscheinlich. "Ich denke nicht, dass man in Aktionismus verfallen und alles umstellen muss. Wir müssen die Fehler abstellen", merkt Arne Friedrich an.

Das Gespenst vom 23.Juni

Doch im deutschen Lager geht ein Gespenst um. Der 23. Juni steht in der deutschen Fußball-Geschichte nicht unbedingt unter dem besten Stern. Vor genau sechs Jahren schied die deutsche Mannschaft am 23. Juni 2004 bei der Europameisterschaft in Portugal durch eine 1:2-Niederlage gegen Tschechien sang und klanglos aus dem Turnier aus. Noch in der darauffolgenden Nacht trat Rudi Völler als DFB-Teamchef zurück. Ein ähnliches Szenario droht auch gegen Ghana. Und da nach einem deutschen Vorrunden-Aus, das es bislang nur bei EM-Turnieren gab, noch nie ein Trainer im Amt blieb, wird auch Joachim Löw schon mit der möglichen Blamage konfrontiert.

Die "Bild"-Zeitung spekuliert bereits mit Bezug auf einen engen Vertrauten Löws, dass der 50-Jährige bei einer Pleite gegen Ghana in Völler-Art seinen Hut nehmen würde. Seine Spieler würden das bedauern, aber aktuell spielen solche Szenarien keine Rolle. "Keiner denkt daran, dieses Spiel für den Trainer zu bestreiten", sagt Friedrich und ergänzt: "Keiner weiß, wie es weitergeht mit dem Trainer, selbst wenn wir Weltmeister werden."

Misserfolg wird ausgeblendet

Löw erweckt in diesen schwierigen Tagen allerdings nicht den Eindruck, dass er nach dem unglücklichen Spiel gegen Serbien (0:1) an seiner Mission zweifeln würde. "Drucksituationen bei einer WM sind nicht zu vermeiden", betont der Bundestrainer wieder und wieder: "Es gibt immer Situationen in einem Turnier, wo man vor einem K.o.-Spiel steht. Das ist nicht nur so im Achtelfinale und im Viertelfinale. Das passiert natürlich auch immer wieder in den Gruppenspielen." Ein Misserfolg wird ausgeblendet. "Der Fokus ist voll auf Mittwoch ausgerichtet", sagt Teammanager Oliver Bierhoff. Löw konzentriert sich auf die "ganz wichtigen Trainingseinheiten", die er geheim abhält.

"Wir versuchen, gegen Ghana zu agieren"

Eine ganz wichtige Rolle kommt, wie schon bei der WM 2006, Teampsychologe Hans-Dieter Hermann zu. Er hat beobachtet, dass bei den Übungseinheiten "noch mal fünf Prozent draufkommen". Eine womöglich leistungshemmende "Nervosität" habe er bei den Spielern dagegen nicht feststellen können. Die Marschroute im Soccer-City-Stadion gibt Löw klar vor: "Wir versuchen, gegen Ghana zu agieren und dominant zu sein", kündigt er an. "Wir können versprechen, dass wir Vollgas geben werden", betont auch Arne Friedrich.

Anscheinend spürt man im deutschen Lager die Unterstützung der Fans aus der Heimat. Manager Bierhoff ist sich sicher: "Ganz Deutschland fiebert mit, nicht nur, weil Deutschland weiterkommen muss, sondern jeder das dieser jungen Mannschaft wünscht."

Was glauben Sie: Wer soll gegen Ghana spielen? Cacau oder doch Mario Gomez im Sturm? Und hinten links? Holger Badstuber? Oder jemand ganz anderes? Diskutieren Sie das Thema auf Fankurve 2010, der Facebook-Fußballfanseite von stern.de.

Von Felix Haas mit DPA und SID

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