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Fußball-WM in Brasilien: Löw stellt vorläufigen Kader vor

Mindestens 26 Spieler wird Bundestrainer Joachim Löw heute Mittag für die WM nominieren. Vermeintliche Stammspieler sind dabei nicht unbedingt auf der sicheren Seite.

Sonderrechte für Sami Khedira, eine Hintertür für Miroslav Klose und Mario Gomez und ein Hoffnungsschimmer für Erik Durm oder Max Meyer: Wenn Bundestrainer Joachim Löw heute sein erstes WM-Geheimnis lüftet und den mindestens 26 Mann starken vorläufigen Kader beruft, sind Überraschungen möglich - und das Zittern für viele vermeintliche Stammspieler noch nicht zu Ende.

Bis zum endgültigen Meldeschluss bei der Fifa am 2. Juni wird Löw seine Auserwählten noch auf Herz und Nieren testen. Für einige könnte es dann noch ein böses Erwachen geben, für Torhüter René Adler wohl sogar schon heute. Der Hamburger wird voraussichtlich im vorläufigen Aufgebot fehlen.

Insgesamt wird Löw in der DFB-Zentrale in Frankfurt/Main sogar bis zu 40 Spieler und damit eine nie da gewesene Anzahl berufen, weil er zudem noch den Not-Kader für das Länderspiel gegen Polen (13. Mai in Hamburg) benennt. Diese Partie bezeichnete Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff deshalb schon als "Zukunftsspiel".

Löw verteilt Körbe persönlich

Der größere WM-Kader ist wegen zahlreicher Verletzungen und Formschwächen nötig. Löw hatte bereits geklagt, dass aktuell "nur sieben, acht Spieler" in Topform seien. Immerhin können nach dem verpassten Finaleinzug von Bayern München in der Champions League außer Spanien-Legionär Khedira alle Profis sofort mit ins Trainingslager (21. Mai bis 1. Juni) nach Südtirol.

Löw kündigte in der Tageszeitung "Die Welt" an, dass er die schlechte Kunde an die knapp Gescheiterten selbst übermitteln werde. Außer bei den Torhütern. So dürfte Torwarttrainer Andreas Köpke am Mittwochabend bei Adler angerufen haben, um dem zuletzt als Nummer zwei gesetzten HSV-Keeper mitzuteilen, dass er nicht zur Fußball-Weltmeisterschaft fährt. Als wahrscheinlich gilt nämlich, dass Löw neben der klaren Nummer eins Manuel Neuer (Bayern) den Dortmunder Roman Weidenfeller und einen jungen Keeper nominiert. Um diesen Platz gibt es noch einen spannenden Dreikampf zwischen Ron-Robert Zieler (Hannover), Bernd Leno (Leverkusen) und Marc-André ter Stegen (Mönchengladbach).

Die nach wochenlangen Verletzungen erst zurückkehrenden Stürmer Klose (Lazio Rom) und Gomez (Florenz) wird Löw wohl berufen, um sich in Südtirol noch einmal einen Eindruck zu verschaffen, wobei Klose bei der Gesundung etwas weiter ist. Als Backup dürfen sich der Gladbacher Max Kruse oder sogar der Hoffenheimer Kevin Volland Hoffnungen machen.

Ausnahme von der Regel

Im Mittelfeld wird Ilkay Gündogan nach fast einjähriger Verletzungspause sicher nicht berufen werden. Wohl aber Khedira, der nach überstandenem Kreuzbandriss am Wochenende wieder im Kader von Real Madrid stand. Bei ihm werde er zur Not eine Ausnahme von der Regel machen, nur zu 100 Prozent fitte Spieler mitzunehmen, hatte Löw bereits angekündigt: "Es gab auch in der Vergangenheit Spieler, die angeschlagen zu einem Turnier gefahren sind, aber die eine Mannschaft nun mal eben braucht. Beispielsweise aufgrund der Persönlichkeit oder der riesigen Erfahrung des Spielers. So einen kann sich ein Kader grundsätzlich leisten."

Richtige Härtefälle wird es für den Bundestrainer wohl erst bei der endgültigen Kader-Nominierung geben. Bis dahin müssen sich neben Khedira, Klose und Gomez wohl vor allem auch die Schalker Benedikt Höwedes und Julian Draxler beweisen.

Gegen Polen fallen 18 Spieler wegen des deutschen Pokalendspiels zwischen den Bayern und Dortmund, dem englischen FA-Cup-Finale mit dem deutschen Arsenal-Trio Per Mertesacker, Podolski und Mesut Özil sowie der laufenden Saison in Italien und Spanien aus. Deshalb können im März gegen Chile nominierte Akteure wie André Hahn oder Matthias Ginter ebenso auf eine Einladung hoffen, wie bisher noch nicht berufene wie Volland oder auch zuletzt bei der US-Reise berücksichtigte wie Aaron Hunt oder Nicolai Müller.

awö/AFP / AFP

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