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WM 2018

WM kompakt Tag 6: Russland serviert auch Ägypten ab und ist auf Achtelfinal-Kurs

Zweiter Sieg im zweiten Spiel: Russland hat Ägypten geschlagen und marschiert Richtung Achtelfinale. Ein Eigentor leitete den Erfolg ein. Kolumbien verlor mit zehn Mann gegen Japan und Polen gegen Senegal.

Russland Ägypten

Alexander Golowin, Denis Tscheryschew, Artjom Dsjuba und Roman Sobnin (v.l.n.r.) bejubeln das 1:0 gegen Ägypten

DPA

WM-News

Brasilien: Neymar hat das Training der brasilianischen Nationalmannschaft verletzungsbedingt abbrechen müssen. Vor dem Ende der Einheit in Sotschi wurde der humpelnde Angreifer von einem Betreuer vom Platz geführt. Er habe Schmerzen am Knöchel des rechten Fußes, sagte ein Sprecher des brasilianischen Verbands CBF: "Er trainiert morgen wieder ganz normal." Der Sprecher führte die Schmerzen auf die zahlreichen Fouls zurück, die der Superstar beim 1:1 gegen die Schweiz habe hinnehmen müssen.

Wegen einer Verletzung an jenem rechten Fuß war Neymar vor der WM in Russland etliche Wochen ausgefallen. Die Seleção bestreitet ihr nächstes Turnierspiel am Freitag (14.00 Uhr/ARD) gegen Costa Rica. Ob ein Einsatz des 26-Jährigen möglicherweise in Gefahr sei, wollte der Sprecher nicht  beantworten. Er wiederholte lediglich, dass Neymar am Mittwoch wieder normal trainieren werde.

Iran: Nationalmannschaftskapitän Masoud Shojaei hat einen Kommentar zur Präsenz weiblicher Fußball-Fans aus dem Iran in den WM-Stadien verweigert. "Diese Frage jetzt hier zu beantworten, wäre respektlos gegenüber der WM und den Menschen hier", sagte der 34-Jährige in Kasan bei der  Pressekonferenz vor der Partie gegen Spanien am Mittwoch auf eine entsprechende Nachfrage. "Hier steht die gesamte Nation auf dem Platz, die gesamte Familie, und solche Themen wollen wir innerhalb der Familie lösen."

Bei der WM in Russland hatten iranische Aktivisten mit Plakaten gegen die Unterdrückung der Frauen und das Stadionverbot in ihrer Heimat protestiert. Unter den zahlreichen Fans des Iran in Russland sind auch Frauen. Sie dürfen im Iran seit der islamischen Revolution von 1979 nicht ins Stadion. Nach Ansicht des erzkonservativen Klerus haben sie in Fußballstadien mit frenetischen männlichen Fans und markigen Slogans nichts zu suchen.

Das stand heute bei der WM auf dem Programm 

Kolumbien - Japan 1:2 (1:1)

Torschützen: Shinji Kagawa (6.), Juan Quintero (39.), Yuya Osako (73.)

Platzverweise: Carlos Sanchez (3.)

Superstar James Rodríguez saß zunächst auf der Bank. Der Superstar der Kolumbianer hatte zuvor wegen muskulärer Probleme im Training etwas kürzertreten müssen, doch nach einer Stunde wurde der Profi des FC Bayern München schließlich eingewechselt - zu einem Zeitpunkt wohlgemerkt, als seine Teamkollegen bereits fast eine Stunde lang zu zehnt spielten. Bereits in der 3. Minute hatte der slowenische Schiedsrichter Damir Skomina den Kolumbianer Carlos Sanchez des Feldes verwiesen, nachdem dieser einen Schuss im eigenen Strafraum mit dem Arm abgeblockt hatte. Den fälligen Strafstoß verwandelte BVB-Star Shinji Kagawa. Die Kolumbianer kamen zwar durch einen Quintero-Freistoß kurz vor der Halbzeit zum Ausgleich, aber Osako sorgte in der 73. Minute für den entscheidenden Treffer zugunsten der Japaner.

Polen - Senegal 1:2 (0:1)

Torschützen: Thiago Cionek (37. Eigentor), M'Baye Niang (60.), Grzegorz Krychowiak (86.)

Platzverweise: keine

Polen hat ziemlich viel Pech gehabt im Auftaktspiel gegen den Senegal und Robert Lewandwoski dürfte die Laune verhagelt sein. Mit 1:2 verloren die Polen um den Bayernstar in Moskau. Damit ist erstmalige Erreichen des Achtelfinals seit 1986 für den Favoriten der Gruppe H in Gefahr. Senegal um Liverpools Topstar Sadio Mané feierte dagegen 16 Jahre nach ihrer ersten Endrunden-Teilnahme ein tolles WM-Comeback und sorgte im fünften Auftritt eines afrikanischen Teams bei dieser WM für den ersten Sieg. Das Unglück aus polnischer Sicht begann mit dem Eigentor von Thiago Cionek (37.). Es setzte sich fort, als Grzegorz Krychowiak einen katastrophalen Rückpass spielte, den M'Baye Niang (60.) zum 2:0 versenkte. Der Anschlusstreffer von Krychowiak (86.) kam zu spät.

Russland - Ägypten 3:1 (0:0)

Torschützen: Ahmed Fathy (47., Eigentor), Denis Cheryshev (59.), Artem Dzyuba (62.), Mohamed Salah (73., Elfmeter)

Platzverweise: keine

Russland marschiert weiter siegreich durch das Turnier und begeistert die heimischen Fans. Im zweiten Gruppenspiel schlug das Team von Stanislaw Tschertschessow Ägypten mit 3:1 und steht so gut wie sicher im Achtelfinale. Bei einem Erfolg von Uruguay am Mittwoch gegen Saudi-Arabien oder einem Unentschieden wären die Russen schon vor dem Gruppen-Finale gegen die Südamerikaner sicher weiter. Ein Eigentor von Ahmed Fathy (47. Minute), der bereits dritte Turniertreffer von Denis Cheryshev (58.)  und das Durchsetzungsvermögen von Artem Dzyuba (62.) ebneten den Weg zum verdienten Erfolg. Dagegen haben die Ägypter nach der zweiten Niederlage nur noch minimale Chancen auf das Weiterkommen. Daran konnte auch der Elfmetertreffer von Mo Salah in der 73. Minute nichts
ändern.

Und die Deutschen?

Bei der deutschen Elf heißt es heute, die Koffer zu packen. Es geht nach Sotschi am Schwarzen Meer, wo am kommenden Samstag Schweden der nächste Gegner ist. Vielleicht sorgt ja der Tapetenwechsel für ein Erwachen bei der deutschen Mannschaft. Die hatte sich am Montag zurückgezogen, es war die Rede von zahlreichen Einzelgesprächen. Vor der Abreise in die Olympiastadt stellt sich aber Kapitän Manuel Neuer der Presse. Er wird einige Fragen über den Zustand der Truppe und die Stimmung in der Mannschaft nach dem in der Entstehung peinlichen 0:1 gegen Mexiko beantworten müssen.

Und dann ist da noch ...

... der frühere brasilianische Präsident Lula da Silva. Der Mann verbüßt derzeit eine zwölfjährige Gefängnisstrafe wegen Korruption. Das hindert ihn nicht für den Fernsehsender TVT der Metallarbeitergewerkschaft von São Paulo, wo er einst seine politische Karriere begann, die WM zu kommentieren. Per Brief ließ da Silva wissen, was er von der Partie Brasiliens gegen die Schweiz gehalten hat. "Das Debüt der Mannschaft bestätigt eine Weisheit, die wir immer wiederholen: Training ist Training und Spiel ist Spiel", beurteilte der ehemalige Staatschef das Spiel der Selecao gegen die Eidgenossen. "Wir haben nicht gut gespielt und der Gegner hat getan, was er tun musste: Das Spiel von Brasilien verhindern." Ein Journalist las die Worte des inhaftierten Ex-Präsidenten vor, ehe sie dann diskutiert wurden. Auch zum Spiel der Deutschen hatte da Silva übrigens seine Anmerkung: "Wir haben gesehen, dass Deutschland nicht unbesiegbar ist", schrieb Lula zum Abschluss seiner ersten WM-Analyse. "Von den Stars verdient nur Cristiano Ronaldo diese Bezeichnung. Alles Übrige ist Stoff für Kneipengespräche."

tim/dho mit / DPA

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