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WM in Südafrika: Konzerte, Feste und Sonnenschein

stern-Reporter Marc Goergen war bei der WM-Auslosung in Kapstadt dabei. Seine Eindrücke aus Südafrika.

Von Marc Goergen, Kapstadt

Es sollte eine perfekt orchestrierte Feier werden, bis auf die Sekunde war der Ablauf der WM-Auslosung zuvor festgelegt worden, und doch hatte die Auslosung zur ersten WM auf afrikanischem Boden dann ihre spontanen Momente: Der Jubel, als die Videobotschaft des greisen Nelson Mandela angekündigt wurde. Der Beifall, der bei jeder Erwähnung Südafrikas durch die Reihen ging. Und natürlich auch das Stöhnen der mehreren Tausend Besucher im Kongresszentrum von Kapstadt, als die Gastgeber zu ihren starken Gruppengegnern Uruguay und Mexiko dann auch noch Frankreich zugelost bekamen.

Deutschland trifft auf Australien, Serbien und Ghana. Wie schon so oft keine unmögliche Gruppe. Und sonst? Brasilien muss sich mit Portugal auseinandersetzen, und so stark die Gruppe A mit Südafrika, Mexiko, Uruguay und Frankreich scheint, so vermeintlich leicht wirkt der Weg des amtierenden Champions Italien. Gegner: Paraguay, Neuseeland, Slowakei.

Die erste Hürde auf der Zielgrade zur Fußballweltmeisterschaft also ist geschafft. Und Kapstadt war in diesen Tagen in bester Verfassung: Das Stadion beeindruckend schön, allerlei Konzerte, Feste und viel Sonnenschein. Mitten in der Innenstadt auf dem Fan-Fest zeigte sich die Stadt am Auslosungstag schon fast klischeehaft bunt als Regenbogennation: Tausende drängten sich auf der Longstreet, der Partymeile der Stadt. Touristen und Einheimische tanzten in den Bars und auf Balkonen, mittendrin immer wieder das gelbe Trikot von "Bafana Bafana" – das neue Dress der südafrikanischen Elf ist in diesen Tagen der Modehit in Kapstadt.

Es war keine Generalprobe für die WM


Und sogar die südafrikanische Polizei durfte ihre technische Finesse demonstrieren. Gleich zwei falsche Bombendroher wurden binnen weniger Minuten am Nachmittag verhaftet, und das geräumte Kongresszentrum war nach einer Stunde wieder offen.

Vom "Tod des Zweifels" hat Organisationschef Danny Jordaan in diesen Tagen immer wieder gesprochen, und tatsächlich sind die prinzipiellen Bedenken am Gastgeber mittlerweile ausgeräumt. Nicht nur die Arena in Kapstadt begeistert, auch die einem afrikanischen Tontopf nachempfundene Soccer City in Johannesburg oder auch das Stadion in Durban, über dessen Grün sich ein über hundert Meter hoher Bogen zieht. Zwar wurden oft die Budgets überschritten, in Johannesburg sogar um stolze 100 Millionen Euro, was die ohnehin klamme Stadt schon jetzt in arge Finanznöte bringt; zwar klagen lokale Firmen und Händler über die strenge Exklusiv-Werberichtlinien der Fifa; zwar planen viele Hotels für die WM ziemlich kräftige Preiserhöhungen – neu ist das alles aber nicht. Auch bei der WM 2006 murrten die deutschen Brauereien, dass keine lokalen Biersorten ausgeschenkt werden durften.

Eine Generalprobe für die Weltmeisterschaft aber waren die Tage von Kapstadt nicht, genauso wenig wie es übrigens der Konföderationencup im letzten Sommer war. Es ist eine Sache, mit 5000 ausländischen Fans zurechtzukommen wie beim Confed-Cup oder mit ein paar Tausend Journalisten und Offiziellen wie jetzt bei der Auslosung.

Zur WM gibt es 40.000 Extra-Polizisten


Ganz andere Herausforderungen stehen aber an, wenn wie geschätzt bis zu 500.000 ausländische Fans ans Kap kommen. Ob die 1000 neuen Busse tatsächlich einen reibungslosen An- und Abtransport zu den Stadien schaffen? Ob die 40.000 Extra-Polizisten für Sicherheit sorgen können? Ob Fans und Fernsehzuschauer mit dem permanenten Tröten der Vuvuzelas, der südafrikanischen Fan-Trompete, klar kommen werden?

Es zeigt sich erst am 11. Juni, wenn Gastgeber Südafrika das Eröffnungsspiel gegen Mexiko bestreitet. Vielleicht sollte man bis dahin Südafrika mit der Haltung des optimistischen Zweiflers begegnen. Oder wie es Bundestrainer Joachim Löw formulierte: "Wir sollten dem Land einfach eine Chance geben."

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