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WM-Qualifikation: Viele Superstars müssen noch bangen

Direktes Ticket, Playoffs oder bittere Statistenrolle: Der Endspurt um die Plätze bei der WM-Endrunde 2010 in Südafrika wird zur großen Zitterpartie. Vor allem Portugal und die Ex-Weltmeister Frankreich und Argentinien stehen unter Druck.

Hochspannung in der WM-Qualifikation. Auf dem Weg nach Südafrika steigen bereits am Wochenende vielerorts entscheidende Spiele. Nach momentanem Stand dürfte vor allem Weltfußballer Cristiano Ronaldo schlecht schlafen. Ronaldo und seine Portugiesen (13 Punkte) können aus eigener Kraft noch nicht einmal mehr den zweiten Gruppenplatz erreichen, vielmehr muss das Team von Carlos Queiroz mit großer Sorge nach Kopenhagen blicken. Dort steigt das Spitzenspiel der Gruppe 1 zwischen Dänemark (18 Punkte) und Schweden (15 Punkte). Um noch ein WM-Ticket lösen zu können, müssen die Portugiesen wohl auf einen Sieg der Dänen hoffen. In diesem Fall könnten sie sich in der Tabelle an den Schweden vorbei noch auf den zweiten Rang vorschieben.

Portugal selbst hat in Lissabon die punktgleichen Ungarn zu Gast. Das Hinspiel gewann die Elf um den 93-Millionen-Mann Ronaldo mit einem mageren 1:0. Ob Ronaldo im kommenden Heimspiel nach seiner Knöchelverletzung im Champions-League-Spiel mit Real Madrid wieder einsatzbereit sein wird, steht noch nicht fest. "Ich habe mich gut erholt. Wir werden sehen, wie sich alles entwickelt. Aber ich denke, dass es bis Samstag klappt", sagte der Weltfußballer. Gegen Ungarn erwartet er nichts anderes als einen Sieg: "Das sind die entscheidenden Spiele, die wir gewinnen müssen. Wenn wir nicht an einen Sieg und an die Qualifikation glauben würden, wäre es nichts wert, sich für die Nationalmannschaft zu quälen."

Frankreich steht unter Druck

In Frankreich beschwört man im Endspurt derweil neuen Zusammenhalt und die Hoffnung auf ein Wunder. "Wir wollen eine starke Performance zeigen und so auftreten, dass die Fans wieder an uns glauben", sagte Stürmer Thierry Henry von Champions-League-Sieger FC Barcelona. Auch ohne den verletzten Bayern-Star Ribery soll der Fußball-Zwerg Färöer nicht zum Stolperstein werden. Trotz vier Zählern Rückstand in der Gruppe 7 auf Serbien hat Frankreichs umstrittener Nationalcoach Raymond Domenech den Glauben an die direkte WM-Teilnahme noch nicht aufgegeben. "Serbien ist noch nicht durch", glaubt er. Allerdings müssten die Serben sowohl gegen Rumänien, als auch am Mittwoch in Litauen patzen. Hilfe könnte die "Equipe Tricolore" noch am grünen Tisch bekommen, denn der Weltverband Fifa hat Serbien bei weiteren Ausschreitungen der Fans mit Punktabzug gedroht.

In der Schweiz warnt Coach Ottmar Hitzfeld vor einer erneuten Blamage gegen Luxemburg. Das Hinspiel hatten die Eidgenossen (17 Punkte) mit 1:2 verloren. "Wir müssen auf der Hut sein. Wir haben erlebt, was passieren kann, wenn man nicht hunderprozentig bei der Sache ist", sagte der ehemalige Meistertrainer von Borussia Dortmund und Bayern München. Bei einem Schweizer Sieg sowie einem Remis von Griechenland (14 Punkte) gegen Lettland (14 Punkte) würde sich Hitzfelds Traum von der WM-Teilnahme schon am vorletzten Spieltag erfüllen.

Griechenland hofft noch, Italien ist fast durch

Doch diesen Gefallen will ihm Griechenlands Trainer Rehhagel nicht tun. "Alles hängt von uns ab. Wir sind besser als die Letten und spielen zu Hause mit den Fans im Rücken", verkündete "Rehakles" forsch. Für die Hellenen, die zum zweiten Mal nach 1994 zur Endrunde wollen, ist alles möglich. Bei einem Patzer der Schweiz winkt die direkte Qualifikation, aber auch die Playoffs oder das bittere Aus drohen. Neben den punktgleichen Letten kann sich in der Gruppe 2 auch Israel (12 Punkte) Hoffnung machen.

Alles klar machen will Titelverteidiger Italien, dem in Irland schon ein Remis zum Sieg in der Gruppe 8 reichen würde. Doch ausgerechnet der ehemalige Nationalcoach Giovanni Trapattoni will der Squadra Azzurri als Chef der Iren ein Bein stellen. "Wir können den Weltmeister schlagen", sagte "Trap". Auf Schützenhilfe hoffen müssen die Tschechen in der Gruppe 3 ebenso wie EM-Halbfinalist Türkei in der Gruppe 5. Für beide Teams ist nur noch das Erreichen der Playoffs als Minimalziel möglich.

Eine WM ohne Argentinien?

Auch auf der anderen Seite des Atlantiks geht die Angst um. Nach zuletzt drei Niederlagen in Folge steht vor allem Argentinien unter großem Druck. Die Mannschaft von Trainer Diego Maradona liegt mit 22 Punkten auf dem fünften Tabellenplatz und wäre damit nicht direkt für die Weltmeisterschaft in Südafrika qualifiziert. Sollte sich der negative Trend der letzten Spiele fortsetzen, ist sogar der Playoff-Platz gefährdet, da hinter Argentinien in der Tabelle noch Uruguay und Venezuela lauern (beide 21 Punkte). Auch Kolumbien (20 Punkte) könnte noch an den Argentiniern vorbeiziehen.

Nach öffentlichen Anfeindungen aus Verband und Presse hat Maradona jüngst über einen Rücktritt nachgedacht. Das Fußball-Idol der "Gauchos" will nach den beiden entscheidenden WM-Qualifikationsspielen am Samstag gegen Peru und am darauffolgenden Mittwoch in Uruguay "die Situation auswerten" und dann entscheiden, ob er weitermachen werde.

Schlechte Spiele trotz vieler Stars

Die Situation der Mannschaft ist allerdings ernst. Bei der jüngsten 0:1 Niederlage gegen Paraguay präsentierte sich das Team ideenlos und unkreativ. Und das mit Spielern wie Lionel Messi vom FC Barcelona, Kun Aguero von Atletico Madrid oder dem ehemaligen Inter Mailand-Star Juan Veron in der Startelf. Sollte sich Argentinien zum ersten Mal seit vierzig Jahren nicht für die WM-Endrunden qualifizieren können, würde wohl auch ein großes Stück von Maradona’s Denkmal bröckeln.

In der Südamerika-Gruppe haben bisher nur der fünfmalige Weltmeister Brasilien und Paraguay ein Ticket für Südafrika sicher. Allerdings können sich sowohl Chile, als auch Ecuador am Samstag mit einem Sieg für die WM qualifizieren.

DPA/sid/feh / DPA

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