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Erster Auftritt des neuen Fußball-Bundestrainers Zurück in die Zukunft: Flick schlägt einen anderen Ton an als Löw

Mads Buttgereit (v.l.n.r.), Danny Röhl, Hansi Flick, Marcus Sorg und Andreas Kronenberg
Das neue Trainerteam für die Nationalelf: Mads Buttgereit (v.l.n.r.), Danny Röhl, Hansi Flick, Marcus Sorg und Andreas Kronenberg
© Thomas Böcker / DPA
Mit einem neuformierten Trainerteam will der neue Chefcoach Hansi Flick die deutsche Fußball-Nationalmannschaft zurück in die Weltspitze führen – und setzt auf die Erfahrung von Spielern wie Hummels, Müller und Reus. Auch Mario Götze erwähnte er.
Von Christian Ewers, Frankfurt

Es war ein Tag der Harmonie, jeder hatte über jeden etwas Nettes zu erzählen, als Hansi Flick an diesem Dienstag in Frankfurt als neuer Bundestrainer vorgestellt wurde. Oliver Bierhoff, Manager der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, schwärmte über Flick als "absoluten Fachmann und Wunschtrainer". Peter Peters, Interimspräsident des DFB, glaubte gar, dass mit der Personalie Flick ein Zeichen des Aufbruchs gesendet werde. Der Verband brauche "seine Ehre wieder zurück", sagte Peters und spielte damit auf das Zerwürfnis des vormaligen DFB-Präsidenten Keller und Generalsekretär Curtius an, die inzwischen beide ihre Posten geräumt haben.

Nur der Heilsbringer selbst, Hansi Flick, erlaubte sich am Tag seiner öffentlichen Amtseinführung eine kleine Spitze. Auf die Frage, was der Unterschied zwischen einem Job als Vereinstrainer und jenem als Bundestrainer sei, antwortete Flick: "Man kann sich als Bundestrainer die Spieler selbst aussuchen. Das ist schon mal ganz gut."

Seitenhieb auf Hasan Salihamidzic

Dieser Satz war ein Seitenhieb auf Hasan Salihamidzic, den Sportdirektor des FC Bayern. Flick hatte im Frühjahr um Auflösung seines Vertrags gebeten, weil er mit der Einkaufspolitik von Salihamidzic nicht einverstanden war und sich in seinem Mitspracherecht bei Transfers beschnitten sah.  Und tatsächlich: Beim DFB hat Flick nun freie Wahl. Nur einen deutschen Pass müssen die Spieler besitzen, die er in die Nationalmannschaft beruft. Flick, der den zuletzt erfolglosen Joachim Löw ablöst, wird eine andere Personalauswahl treffen als sein Vorgänger – das wurde am Dienstag deutlich. Erst spät und auf öffentlichen Druck hatte Löw Innenverteidiger Mats Hummels und Thomas Müller ins Aufgebot für die Europameisterschaft zurückgeholt. Löw wollte nach der verpatzten WM 2018 einen Neuanfang und trennte sich von den Führungsspielern Boateng, Müller und Hummels. Zumindest Müller und Hummels werden unter Flick ihre Karriere in der DFB-Auswahl fortsetzen dürfen. "Wenn alle ihre Leistung bringen, wovon ich ausgehe, sind sie dabei."

Bundestrainer Hansi Flick

Sehen Sie im Video: Vorstellungen zu Mannschaft und Trainerstab – Bundestrainer Hansi Flick fordert "All-in".

Auch für Mario Götze, Schütze des Finaltores beim WM-Gewinn 2014, steht die Tür offen. Flick sagte, ihm sei nicht entgangen, dass Götze beim PSV Eindhoven "zurück in die Spur gekommen" sei. Noch positiver beurteilt Flick den Dortmunder Marco Reus, der sich für die EM im Sommer erschöpft abgemeldet hatte. Im letzten Drittel letzten Drittel des Spielfelds, also der Angriffszone, sei Reus einer der besten Spieler überhaupt. "Und die besten Spieler müssen für Deutschland spielen."

Flick ist Pragmatiker. Er will schon kurzfristig Erfolg, er denkt nicht in langen Zyklen –  anders als Löw, der schlechte Leistungen oftmals damit entschuldigte, die Mannschaft sei noch im Aufbau und brauche Zeit.

Nächste Nominierungen werden keine Überraschung sein

Die Ära Flick beginnt schon bald mit einer Serie von Pflichtspielen. Anfang September bestreitet die Nationalelf drei WM-Qualifikationsspiele; es geht gegen Liechtenstein, Armenien und Island. Personelle Überraschungen sind bei der Nominierung nicht zu erwarten, wohl aber ein Stimmungsumschwung. "Ich will, dass wir angreifen, dass wir früh pressen und uns den Ball holen", sagt Flick. Er sei eben ein "All in"-Typ, einer, der von seinen Spielern verlange, dass sie "alles reinwerfen, was sie haben." 

Flick schlägt einen anderen Ton an als Löw, der seine Mannschaft gern sehr eindringlich an die Stärken des Gegners erinnerte – aber offenbar zu selten an das eigene Leistungsvermögen. Bei der missratenen EM 2021, die für die Deutschen mit einem 0:2 gegen England früh endete, war die Nationalelf verschüchtert aufgetreten. Sie quälte sich selbst gegen ein Team wie Ungarn, das international nur zweitklassig ist. 

Flick will für frischen Wind sorgen und hat dafür ein neues Trainerteam zusammengestellt. Aus der Ära Löw ist nur Assistent Marcus Sorg geblieben; Towarttrainer wird der Schweizer Andreas Kronenberg (vormals SC Freiburg), vom FC Bayern kommen Danny Röhl und Hermann Gerland, aus Dänemark der Standard-Spezialist Mads Buttgereit und als Teammanager wurde Benedikt Höwedes geholt, einer der Weltmeister von 2014.  An diese goldene Zeit will Flick nun anknüpfen. Er war damals selbst dabei, als Deutschland in Rio de Janeiro den WM-Pokal gewann – als Assistent von Joachim Löw.


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