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H. Sarpei: "Schwarzer Humor...": Warum der BVB ist nicht der alleinige Derby-Sieger ist

Auf dem Rasen war das Revierderby eine enge Kiste, auf den Rängen hingegen waren die BVB-Anhänger klarer in der Überzahl als sonst. Wegen strenger Vorschriften boykottierten viele Gästefans das Spiel - zu Recht findet stern-Stimme Hans Sarpei.

Polizeikräfte vor dem Signal-Iduna-Park vor dem Revierderby zwischen dem BVB und Schalke 04

Polizeikräfte stehen vor dem Revierderby zwischen dem BVB und Schalke 04 am Signal-Iduna-Park.

Mit 59 Prozent Ballbesitz und 3:2 Toren setzte sich der BVB gestern verdient, wenn auch knapp, gegen die Schalker Auswahl durch. Huntelaar, Fährmann und Sané waren zu wenig gegen dominierende Dortmunder, die mit Aubameyang & Co. eine Reihe von Ausnahmespielern in ihren Reihen und trotz des Fehlen von Marco Reus Transfers von mehr als 70 Millionen auf Rasen und Bank hatten.

Da "Robin" Reus fehlte, feierte Aubameyang "Batman returns" alleine. Das Ergebnis für das Ausziehen des Trikots war gelb. Viele Schalker sahen jedoch schon vor dem ersten Ballkontakt für das Derby schwarz. Der Grund: in ihrer Schwere nicht nachzuvollziehende Sanktionen gegenüber den Fans der Königsblauen vor dem Anpfiff - auch wenn die Polizei Dortmund von ihren ursprünglichen Plänen Abstand genommen hatte. Zuvor war die Verteilung von nur fünf Prozent der Tickets an Auswärtsfans (normal sind zehn Prozent) und die verbindliche Anreise mit Bussen sowie der Umsetzung eines Voucher-Systems mit personalisierten Eintrittskarten geplant. Final durchgesetzt wurden "nur" 7,5 Prozent Karten für die Gäste und vorgeschriebene Anreisemöglichkeiten.

Gewalt ist Fehl auf dem Platz

Gewalt hat nichts auf und neben dem Platz zu suchen. Zu Recht wird jede Tat geahndet. Die Härte und die Art und Weise der Polizei-Kommunikation gießen jedoch unnötig Öl in das Derby-Feuer, das auch einen Tag später mit "So macht Derby Spaß"-Aussagen der Verantwortlichen nicht besser wird. Wer Fans vorverurteilt, der wird Gewalt durch Ausgrenzung nicht verhindern, sondern sie verlagern: auf Anlässe und Plätze, die nicht unter Kontrolle sind.

Ausgerechnet die Ultras Gelsenkirchen, von der Polizei Dortmund als Problemklientel verschrien, antworteten in ihrer Art mit einem Derby-Boykott. Sie schauten das Spiel gemeinsam mit vielen Hundert S04-Fans 30 Kilometer entfernt in der Veltins-Arena. Wenige Stunden nachdem sie mit mehr als 3500 Fans das Derby-Abschluss-Training der Schalker zu einem emotionalen Festakt hatten werden lassen. Friedlich und lautstark.

Die eigentlichen Derbysieger waren die Fans beider Lager, die sich mit Plakaten gegen eine Reduzierung von Kartenkontingenten und Vorverurteilungen aussprachen. Der eigentliche Verlierer war nicht die junge Schalker Mannschaft, sondern die Polizei, die durch ihre Maßnahmen einen Weg ging, der in letzter Konsequenz langfristig nur für eins sorgt: weniger Vertrauen zwischen Fußballfans und lokalen Polizisten. Ein fatales Zeichen.

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