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H. Sarpei: "Schwarzer Humor und ...": Der FC Bayern hat auf Sicht nur einen Konkurrenten - und es ist nicht der BVB

Der FC Bayern München ist der größte Verein der Welt und muss in Deutschland auf Sicht keine Konkurrenz fürchten - schließlich können sie einfach die besten Spieler wegkaufen. Aber ausgerechnet der kleinste Profi-Klub Deutschlands könnte ihnen gefährlich werden.

Mats Hummels als junger Spieler im Dress des FC Bayern München

Wie viele vor ihm, konnte auch Mats Hummels den Lockrufen des FC Bayern München nicht ewig widerstehen

270.329 Vereinsmitglieder hatte Ende des vergangenen Jahres der größte Verein der Welt. Nein, wir sprechen nicht über Real Madrid, FC Barcelona oder Manchester United. Wir sprechen vom , der mit einer Wahrscheinlichkeit von 99,29% in den nächsten zwei Wochen zum 26. Mal und vierten Male in Folge Deutscher Meister wird.

Einem Verein, dem noch 1957/1958 als Amateurverein aufgrund einer Überbezahlung der Spieler vier Punkte abgezogen wurde. Ein Verein, der erst ein Jahr nach Einführung der Bundesliga ins Oberhaus eingezogen ist und dank Nachwuchsspielern wie und Gerd Müller den Grundstein für eine einzigartige Entwicklung legte. Eine Entwicklung, die allen Fans, die der Mathematik mächtig sind, in Ehrfurcht erstarren lässt: 25 Meistertitel in 52 Jahren Bundesliga am Ende dieser Saison (die erste Meisterschaft gab es vor der Einführung des Profi-Fußballs).

Bayern gewinnen fast jedes zweite Mal die Bundesliga

Statisch gesehen beträgt die Wahrscheinlichkeit eines Münchener Meistertitels seit Einführung der Bundesliga also fast 50 Prozent. Ein Quote, die seit der Einführung der Anfang der 90er-Jahre auf 60 Prozent stieg und durch die letztmalige Neuverteilung der Uefa-TV-Gelder sogar gegen 100 Prozent tendiert (Vier Titel in den vergangenen vier Jahren). Wer seine Karriere wie Manuel Neuer oder Mats Hummels mit möglichst vielen Pokalen schmücken möchte, schließt mit einem Wechsel zu den Bayern ein Titel- und Champions League-Abo ab – unabhängig von Trainer- oder Kaderbesetzungen.

Längst heulen nicht nur die Spieler-Zulieferer aus Dortmund und Schalke, sondern selbst die Wölfe aus Wolfsburg leise. Titel kann man kaufen. Das Geld, sich dauerhaft dem Meister aller Klassen zu stellen, fehlt allen. Dortmund hat es Ende der 90er probiert und landete kurz vor der Insolvenz. Schalke übernahm sich mit dem neuen Stadion, Wolfsburg fehlen nicht nur aufgrund der finanziellen Folgen des Abgasskandals noch zu viele PS, während Leverkusen bewusst auf große Worte verzichtet. Die eigentlich sehr gute 50+1 Regelung im Deutschen Fußball hält nicht nur Investoren, sondern – zum Glück für die Bayern - auch die Konkurrenz fern.

RB Leipzig die einzige Hoffnung 

Unsere einzige Hoffnung scheint – so unlustig manch einer es finden mag – mittelfristig nur RB Leipzig zu sein - der mit nur 600 Vereinsmitgliedern kleinste Profi-Klub Deutschlands (Stand August 2015).

Aber im Schnitt kommen immerhin 25.000 Zuschauer. Und das in Liga Zwei. Mit einer extrem überlegten Strategie lässt Hauptsponsor Red Bull Jahr für Jahr Qualität in Profi- und Nachwuchskader zukaufen. Längst wechseln herausragende Talente in den U-Mannschaften immer häufiger zum Rangnick-Club, dessen Inhaber, Red-Bull-Eigner Dietrich Mateschitz, mit Sätzen zitiert wird, dass er langfristig die Champions League gewinnen will.

Von den Bayern lernen heißt siegen lernen, sagt man. RB geht den Weg, den die Bayern mit Mäzenen und herausragenden Talenten Mitte der 60er-Jahre gegangen ist. RB versteht sich nicht als internationale Durchgangsstation oder Zulieferer der Bayern, sondern selbst als Einkäufer. Und anders als bei oder Schalke gibt es bei Ihnen keine Schmerzgrenze beim Verkauf von Spielern. Verkäufe, die zwar kurzfristig sehr viel Geld bringen - wie die Verkäufe von Götze (BVB) oder Draxler (S04) - aber langfristig den nationalen und internationalen Vereinserfolg determinieren. Einmalkohle statt langfristige TV-Gelder auf höchstem Niveau.

Ausgerechnet RB Leipzig könnte also bald der größte Konkurrent für den nach Mitgliedern größten Verein der Welt werden. Ich bin gespannt, wer das Leipziger Pendant zu Franz Beckenbauer und Gerd Müller sein wird. Spieler, die den Erfolg eines Vereins möglich machen und langfristig prägen.

Euch allen eine sportliche Woche und den Bayern ein 2:0 gegen Madrid in der Champions League, damit die nicht vorhandene Konkurrenz wenigstens von den Bayern-Almosen der UEFA-5-Jahreswertung profitiert.

Euer Hans  

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