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Nach Pokal-Pleite HSV-Profi geht Fan an die Wäsche: Angegriffener Dynamo-Anhänger dementiert Vorwürfe

DFB-Pokal: HSV-Neuzugang Toni Leistner im Zweikampf mit einem Dynamo-Spieler
In den 90 Pokalminuten waren Leistner und sein HSV nur selten obenauf. Nach der 1:4-Pleite vergriff sich der gebürtige Dresdner an einem Fan, der ihn von der Tribüne aus unflätig beleidigt haben soll.
© Thomas Eisenhuth / Getty Images
HSV-Profi Toni Leistner hat sich nach der 1:4-Schlappe im DFB-Pokal in Dresden einen Fan vorgeknöpft. Der Dynamo-Anhänger hatte sich im Überschwang der Freude offenbar im Ton vergriffen. Anschuldigungen, er hätte Leistners Familie beleidigt, widersprach der Mann.

Aus der englischen Premier League kannte man derartige Szenen schon. Womöglich auch wegen der Nähe der Fans zum Spielfeld und den Akteuren brannten auf der Insel schon mehreren Profis die Sicherungen durch, weil Fans ihnen unflätige Kommentare an den Kopf warfen. Nun hat auch der deutsche Profi-Fußball seine mutmaßlich erste handfeste Auseinandersetzung zwischen einem Fan und einem Spieler. Schauplatz war das Stadion von Dynamo Dresden, wo am Montag die Kicker des Hamburger Sportvereins zum DFB-Pokalspiel zu Gast waren. Mit ihnen Toni Leistner, der nicht nur in Dresden geboren wurde, sondern zwischen 2010 und 2014 selbst das gelb-schwarze Dynamo-Trikot getragen hatte. 

Leistner geht Dynamo-Fan an die Wäsche

Leistner und der HSV erlebten auf dem Platz einen Abend zum Vergessen. Mit einem glatten 4:1 fegten die Dynamos die Norddeutschen aus der Arena und dem DFB-Pokal. Pay-TV-Sender Sky bat Leistner, wohl auch wegen seiner besonderen Verbindung zur Stadt, nach dem Spiel zum Interview. Doch noch bevor der Reporter die erste Frage stellen kann, klettert Leistner über eine Mauer auf die Tribüne. Der 30-Jährige bahnt sich den Weg durch einige Fans, packt einen Mann in einem weinroten Shirt am Kragen und drückt ihn zu Boden. Nur mit Mühe können andere Zuschauer die beiden trennen. Zwei Dynamo-Fans versuchen Leistner zu schubsen. Ordner greifen ein und halten die aufgebrachten Anhänger zurück. Schließlich springt der HSV-Spieler zurück in den Innenraum. 

Auf den Vorfall angesprochen, erklärt Leistner bei Sky angefressen: "Meine Familie lasse ich nicht beleidigen." Nach einer weiteren Frage bricht er das Interview genervt ab. Noch am Abend überschlagen sich in den sozialen Medien die Kommentare zu dem Vorfall. Ein Video taucht auf. Leistner meldet sich noch in der Nacht selbst zu Wort. Er sei massiv beleidigt worden. "Es ging extrem [...] unter die Gürtellinie gegen meine Familie, meine Frau und meine Tochter", so der 30-Jährige in einer Instagram-Story. Leistner entschuldigte sich in aller Form für sein Verhalten und versprach, dass "so etwas nie wieder passieren wird."

Dynamo und der HSV beziehen Stellung

Auch sein Heimatverein Dynamo Dresden äußerte sich noch am Abend. Es sei beschämend, dass Toni Leistner von einem Fan seines Heimatvereins nach dem Spiel beleidigt wurde, twitterte die SGD. Man suche den Anhänger, weil man den Vorfall so nicht stehenlassen wolle.  

Der Hamburger Sportverein stellte sich am Dienstag hinter seinen Neuzugang. Vorstand Jonas Boldt betonte aber auch, dass der Verein diesen Vorfall nicht tolerieren werde. "Wir haben ihm aber auch versichert, dass er aufgrund seiner Handlung jetzt nicht von uns fallen gelassen oder an den Pranger gestellt wird", so Boldt weiter. Unabhängig davon verlangte er, dass im Fußball und in der Gesellschaft gegen solch "drastische Beschimpfungen, ob beleidigend, homophob oder rassistisch" vorgegangen werden müsse. Das Niveau der Kommentare, die sich Leistner aus dem Block anhören musste, sei "unsäglich" gewesen und "leider keine Ausnahme mehr". 

"Familie kein Thema": Fan dementiert Leistner-Version

Am Dienstag meldete sich auch der Fan zu Wort, dem Leistner an die Wäsche gegangen war. Und der widersprach den Anschuldigungen des Fußballers, er habe die Familie beleidigt. "Das war definitiv nicht der Fall", erklärte der namentlich nicht genannte Mann. Es seien die "üblichen Phrasen, die Fans nach so einem Spiel von sich geben, gewesen." Leistners Entschuldigung wollte er nicht gelten lassen. "Was ist das wert, wenn er die Tatsache so verdreht, dass ich seine Familie beleidigt hätte?"

Neben den Giftpfeilen, die durch die sozialen Medien fliegen, hat Leistners Aussetzer womöglich noch ein sportjuristisches Nachspiel. Der DFB-Kontrollausschuss hat Ermittlungen gegen den 30-Jährigen aufgenommen.

js DPA

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