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Nach Millionen-Geständnis Kritik an Uli Hoeneß wächst


Uli Hoeneß hat deutlich mehr Steuern hinterzogen als bisher angegeben. Politiker und Kirchenvertreter kritisieren den Bayern-Boss nach seinem neuen Geständnis scharf. Heute geht der Prozess weiter.

Aus Politik und Kirche kommt deutliche Kritik an Uli Hoeneß, nachdem der Bayern-Präsident am Montag vor Gericht eingeräumt hatte, weitaus mehr Steuern als angenommen hinterzogen zu haben. Der Chef der Linkspartei, Bernd Riexinger, forderte in der "Rheinischen Post" (Dienstag-Ausgabe) den sofortigen Rückzug von Hoeneß vom Präsidenten-Amt beim deutschen Fußball-Rekordmeister Bayern München. Hoeneß habe Steuern in einem unvorstellbaren Ausmaß hinterzogen, sagte Riexinger. "Er kann nun keinesfalls weiter an der Spitze des FC Bayern bleiben. Ehrlich machen heißt zurücktreten."

Der nordrhein-westfälische Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD) zeigte sich in den "Ruhr Nachrichten" "fassungslos", nachdem Hoeneß eingeräumt hatte, 18,5 Millionen Euro an Steuern hinterzogen zu haben. Niemand habe das Recht, selbst darüber zu entscheiden, wie er Steuergelder verwende, die der Allgemeinheit zustünden: "Man kann nicht erst dem Fiskus Geld stehlen und sich dann anschließend dafür feiern lassen, was man damit für Wohltaten geleistet hat", sagte Walter-Borjans.

Kein Anspruch auf "andere Moral"

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Nikolaus Schneider, warnte in den "Kieler Nachrichten" vor einer Sondermoral für Prominente. Schneider sagte, beim Prozess in München gehe es auch um den einheitlichen ethischen Bewertungsmaßstab. "Trotz aller Verdienste um den deutschen Fußball: Daraus den Anspruch auf eine andere Moral abzuleiten, geht nicht."

FDP-Politiker Wolfgang Kubicki, ausgebildeter Jurist, glaubt nicht an eine Bewährungsstrafe für Hoeneß. "Die Zahl alleine, 18 Millionen Euro, ist so schwerwiegend, das mir der Glaube momentan fehlt, dass er eine Bewährungsstrafe erhalten kann", sagte #link;http://www.deutschlandfunk.de/hoeness-prozess-glaube-nicht-an-bewaehrungsstrafe.694.de.html?dram:article_id=279717;der stellvertretende Parteivorsitzende der FDP im Deutschlandfunk#. Das Gericht werde aber Strafmilderungsgründe berücksichtigen. Dazu zähle auch die Tatsache, dass Hoeneß die volle hinterzogene Summe gestanden habe. "Er hat damit dokumentiert, dass er reinen Tisch machen will, wenn auch spät", sagte Kubicki.

Bleibt es beim Zeitplan des Gerichts?

Der Aufsehen erregende Prozess gegen Uli Hoeneß geht heute vor dem Landgericht München weiter. Die Richter werden sich mit dem umfangreichen, neuen Unterlagen befassen müssen. Zudem soll eine Steuerbeamtin als Zeugin Auskunft über die gigantische Summe hinterzogener Steuern, die Hoeneß zum Prozessauftakt eingeräumt hat, Auskunft geben.

Die Finanzbeamtin ist bereits die letzte von vier geladenen Zeugen. Ursprünglich hatte der Vorsitzende Richter Rupert Heindl geplant, schon am Donnerstag das Urteil gegen den Fußball-Funktionär zu verkünden. Ob sich durch das überraschende, weitreichende Geständnis etwas am Zeitplan ändert, war nach Angaben des Gerichts zunächst unklar. Gespannt wird nun verfolgt, ob eine Tendenz zu erkennen ist, inwieweit die von Hoeneß gestandenen neuen Millionenbeträge die Verhandlung beeinflussen.

dho/DPA DPA

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