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Triathlet Mohamad Maso Syrischer Flüchtling aus Deutschland schafft es zu Olympia – und trifft dort seinen Bruder

Mohamad Maso beim Radfahren
Mohamad Maso während der 40 Kilometer Radfahren beim olympischen Triathlon
© AFLOSPORT / Imago Images
Mohamad Maso ist vor sechs Jahren mit seinem Bruder vor dem Syrien-Krieg geflüchtet. Als Triathlet nimmt er jetzt an den Olympischen Spielen teil – so wie sein Bruder Alaa. Bei der Eröffnungsfeier fielen sich beide in die Arme.

Noch Stunden nach dem Wettkampf platzte Mohamad Maso quasi vor Stolz. Seine Startnummer 42, mit der er am Triathlon bei den Olympischen Spielen teilgenommen hatte, trug Maso auch noch im ZDF-Studio auf Armen und Beinen. Das würde auch noch zwei, drei Tage so bleiben, verriet er. Denn der 28-Jährige hatte sich mit dem Start bei Olympia nicht nur einen sportlichen Traum erfüllt, die Spiele in Tokio waren für ihn auch der Abschluss einer persönlichen Reise.

Maso stammt aus Aleppo, der Stadt in Syrien, die so hart wie kaum eine andere vom nun schon zehn Jahre währenden Krieg in dem Land getroffen wurde. 2015 flüchtete er aus seiner Heimat, zunächst in die Türkei und nach Griechenland, über die Balkanroute gelangte er in die Niederlande. Dort begann er mit professionellem Triathlon-Training, das er später in Deutschland fortsetzte. Sechs Jahre nach der Flucht tritt Maso für sein Heimatland bei Olympia an – im Triathlon belegte er am Ende Platz 47.

Olympia 2021: Triathlet aus Syrien trifft seinen Bruder bei Eröffnungsfeier

Das Ergebnis war für den Athleten ohnehin zweitrangig. Allein, dass er es nach dieser persönlichen Geschichte bis zu den Olympischen Spielen geschafft hat, gleicht schon einem Märchen. Auch sein sieben Jahre jüngerer Bruder Alaa ist bei den Spielen dabei. (Mehr über die Geschichte von Alaa Maso lesen Sie hier.)

Der Schwimmer startet über die 50 Meter Freistil für das Flüchtlingsteam des IOC. Auch Alaa lebt in Hannover. Bei der Eröffnungsfeier liefen sich die beiden Brüder zufällig – trotz der strikten Corona-Regeln – über den Weg. Es war ihr erstes Wiedersehen nach acht Monaten, da Mohamad momentan in den Niederlanden trainiert. "Ich konnte es mir nicht vorstellen, dass ich die Olympischen Spiele mit meinem Bruder teilen konnte", freute sich Mohamad Maso, von allen nur Mo genannt, im ZDF-Interview.

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Zum Triathlon war Maso in Syrien durch seinen Vater gekommen – zunächst zum Schwimmen, später begann er auch zu laufen. Das Radfahren machte die Disziplinenkombination perfekt. Mit eindrücklichen Worten berichtete Maso vor einigen Jahren von den Trainingsbedingungen während des Syrien-Kriegs: "Während ich Rad gefahren bin, sind die Granaten links und rechts von mir eingeschlagen. Ich musste mich in Gräben verstecken. Es war schrecklich."

Brüder haben ihre Familie seit sechs Jahren nicht gesehen

Den Rest ihrer Familie, der in der Türkei lebt, haben die beiden Brüder seit sechs Jahren nicht mehr gesehen. "Ich hoffe, dass ihr stolz auf uns seid", schickte Mohamad Maso direkt nach dem Zieleinlauf einen Gruß an Mutter und Schwester. Dennoch haben sie in Europa viel Unterstützung – nicht nur sportlicher Natur – gefunden. Mohamad Maso nennt da zuallererst die Familie, die ihm half, als er in den Niederlanden ankam.

Der Sport gab ihm Halt in einer neuen Lebenssituation. "Ich hatte eine Menge verloren, als ich in die Niederlande kam: Freunde, Familie, mein Leben, mein Studium, mein Zuhause – alles war weg", erinnert sich Maso. "Ich musste wieder bei Null anfangen." Vor allem das Laufen war für ihn eine Art Therapie. "Ich laufe, weil es meinen Kopf frei macht und meinen Körper erfrischt. Es ist eines der Dinge, die man überall auf der Welt tun kann." Nach acht Monaten in den Niederlanden mussten die Maso-Brüder nach Deutschland, da dies das erste Land war, in dem sie sich in der EU registriert hatten. Auch dort fasste Mohamad Maso schnell Fuß und bekam bei Hannover 96 die Chance, für sein großes Ziel zu trainieren.

Bruder Alaa ist erst am Freitag im Aquatics Center in Tokio an der Reihe. Mohamad kann ihn dann nicht mehr vor Ort unterstützen – aufgrund der Corona-Regelungen darf er nach seinem Wettkampf nicht mehr so lange im olympischen Dorf bleiben.

Quellen: ZDF / Olympics.com (1) / Olympics.com (2) / Website von Mohamad Maso


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