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Britta Steffen: "Ihr könnt alles von mir haben"

Die Weltrekordlerin und Favoritin bei der Schwimm-WM, Britta Steffen, wird kaum verehrt, sondern angesichts ihres Leistungsschubs argwöhnisch beäugt. Um gegen Dopingverdächtigungen zu kämpfen, bietet sie sich als gläserne Athletin an. Porträt eines verhinderten Stars.

Von Alexandra Kraft

Es ist ein Dilemma, und es gibt keinen Ausweg. Wenn sie an diesem einen Tag schlecht drauf sein sollte, verdammt nervös vielleicht, und am Ende nicht als Erste anschlägt, dann werden viele sagen: "Klar, diesmal wurde sie besser kontrolliert." Sollte sie in guter Form sein und den anderen davonschwimmen, wird es heißen: "Na, wenn die mal nicht gedopt hat." Britta Steffen, 23, ist für eine Schwimmerin zierlich. Sie hat keine Muskelpakete, stattdessen weibliche Rundungen. Jeden Tag, außer sonntags, schindet sie sich sechs bis sieben Stunden. Schon frühmorgens um kurz vor acht zieht sie ihre Bahnen im Becken des Berliner Velodroms. Ihr Stil ist nicht kraftvoll, sondern elegant. Sie gleitet mit Leichtigkeit durchs Wasser, während ein Seil weiter eine ihrer Trainingspartnerinnen spritzend durchs Becken pflügt.

Die Chancen, dass sie am Wochenende bei den Weltmeisterschaften in Melbourne siegen wird, stehen gut: in der Staffel und in ihrer Paradedisziplin 100 Meter Freistil. Sie ist vierfache Europameisterin, sie hält zwei Weltrekorde, und sie ist derzeit Deutschlands beste Schwimmerin. Sie müsste eine gefeierte Sportheldin sein, die Nachfolgerin von Franziska van Almsick. Sie ist zudem blond und langbeinig, verkörpert also all das, was Sponsoren sich wünschen. Doch Ruhm und Verträge sind nicht mehr so einfach zu erlangen in einer Zeit, in der Spitzenathleten allgemein und Schwimmer im Speziellen unter Generalverdacht stehen; in einer Zeit, in der der Sport kaum noch unbefleckte Heldenepen kennt. Dieses Misstrauen bekam Britta Steffen im vergangenen Jahr zu spüren, und sie ist es bis heute nicht losgeworden. Bei der EM in Budapest schwamm sie eine Fabelzeit nach der anderen - eine Sportlerin, die ein Jahr lang Pause macht, zurückkehrt und plötzlich schneller ist denn je. Eine "unheimliche Beschleunigung" schrieb die "FAZ". Und nicht nur sie hatte Zweifel.

Nach dem Training sitzt Britta Steffen in einem Café nahe dem Prenzlauer Berg, es macht ihr nichts aus, über die EM und die Schlagzeilen zu sprechen. Sie sagt: "Ich hatte das Pech, dass zur selben Zeit Jan Ullrich wegen Dopingverdachts suspendiert wurde." In ihrem Fall gibt es keine Blutbeutel, keine verräterischen Kalendernotizen. Noch nicht einmal Indizien. Sechsmal wurde sie in den vergangenen vier Monaten auf Doping untersucht, so häufig wie kaum eine andere. Das Einzige, was Britta Steffen unglaubwürdig macht, sind ihre Leistungen. "Das reicht heutzutage schon aus", sagt sie. Und gibt selbst zu: "Ich würde auch so denken, wenn eine Konkurrentin plötzlich so gut in Form wäre wie ich."

Die Verdächtigungen haben sie zutiefst verletzt, sagt sie. "Es ging an mein Innerstes. Ich musste lernen, damit zu leben." Britta Steffen wirkt angespannt, nestelt an ihren Haaren. Die Angst, etwas Falsches zu sagen, lässt sie hölzern wirken. Ihre Sätze klingen wie auswendig gelernt. Sie sagt: "Ich könnte nie in dem Bewusstsein auf dem Starblock stehen zu betrügen." Und: "Ich würde meine Gesundheit nicht für das bisschen Kohle ruinieren." Das behaupten viele. Doch: Wem kann man noch trauen?

Sportler, die nach einem enormen Leistungsschub argwöhnisch beäugt werden, hoffen darauf, dass sich die Gerüchte im Laufe der Zeit verflüchtigen. Britta Steffen gab sich damit nicht zufrieden. Nach der EM bot sie in einer Pressekonferenz an: "Ihr könnt alles haben. Mein Blut, DNA, jederzeit. Ich habe nichts zu verbergen." Es hörte sich sehr verzweifelt an. Ihr Trainer Norbert Warnatzsch verkündete danach pathetisch: "Ich verbürge mich dafür, dass sie sauber ist." Aber wer verbürgt sich für ihn? Und ihre nach den Erfolgen von Ungarn engagierte Managerin Regine Eichhorn sah, ganz erfahrene PR-Frau, in der Debatte sogleich eine Chance: "Britta könnte die erste Sportlerin sein, die dem Publikum ihre Sauberkeit beweist."

Daraus geworden ist bisher nichts. Die von Britta Steffen angebotenen Untersuchungen sehen die Regularien der dafür verantwortlichen Anti-Doping-Agentur (Nada) nicht vor. Außerdem sind die Tests teuer, und der Nada fehlt das Geld. Um alle Sportler gleich zu behandeln, müssten Dopingfahnder den Athleten in der ganzen Welt hinterherreisen, zusätzliche Labore angemietet und Wissenschaftler beschäftigt werden. "Selber bezahlen darf ich die Tests auch nicht, dann würde man sagen, ich hätte das Ergebnis gekauft", sagt Steffen. Die Nada äußert sich derzeit zu diesem Thema nicht. Bis zum 1. Mai hat sie keinen Pressesprecher, so lange werden Anfragen nicht beantwortet. Immerhin: Auf Initiative des deutschen Schwimm-Cheftrainers Örjan Madsen werden seit Oktober 2006 Blutproben der Topschwimmer für spätere Analysen eingefroren. In ein paar Jahren, wenn die Methoden verfeinert sind, könnte man möglicherweise so Sündern nachträglich auf die Spur kommen - und potenzielle Betrüger abschrecken. Britta Steffen hilft das nicht weiter. Sie muss jetzt glaubwürdig sein und nicht erst in zehn Jahren. Heute kann sie nur Medaillen gewinnen, aber kein Vertrauen.

Regine Eichhorn hat mit Geschick aus der jungen Franziska van Almsick einen millionenschweren Werbestar gemacht. Sie weiß, dass Affären und Misserfolge den Glamour eines Sportlers nicht unbedingt zerstören, manchmal lassen sie ihn gar heller strahlen. Aber sie weiß auch, was das höchste Gut eines Athleten ist: Glaubwürdigkeit. Regine Eichhorn ist zurückhaltend, wenn sie über die Vermarktungschancen ihres neuen Schützlings spricht. Sie redet von "Karrieren, die nicht vergleichbar sind", und "Faktoren, die nicht wiederholbar sind". Zwischen den Zeilen steht: Britta Steffen ist schwer zu vermitteln. Egal, wie erfolgreich sie ist, egal, wie oft sie sich kontrollieren lässt. Der Verdacht wird bei ihr wahrscheinlich immer mitschwimmen.

Britta Steffens Aufstieg kam zu plötzlich. Die Medaillen und Weltrekorde sind schwer nachvollziehbar. Selbst für die Schwimmszene nicht. In Budapest brauchte sie über die 100 Meter Freistil 53,30 Sekunden. Ihre Bestzeit vor der Wettkampfpause lag knapp zwei Sekunden drüber. Bis zur WM in Ungarn ist Britta Steffen eines von vielen Talenten, die viel versprechen, aber wenig halten. Mit zwölf Jahren wechselt sie von ihrem Heimatort Schwedt an der Oder ans Sportinternat nach Potsdam. Bei der Junioren-EM 1999 gewinnt die 15-Jährige sechsmal Gold. Da wächst eine neue van Almsick heran, heißt es. Sie selbst hat nun ein großes Ziel: Gold bei Olympia 2000 in Sydney.

Doch bei den Deutschen Meisterschaften reicht es nur für zwei sechste Plätze, in Sydney darf sie lediglich im Vorlauf der Staffel starten. Sie schwimmt hinterher. 2002 wechselt sie zur SG Neukölln und trainiert unter Norbert Warnatzsch, gemeinsam mit ihrem Idol Franziska van Almsick. Im Schatten der Starschwimmerin hofft Britta Steffen, aus der Krise zu kommen. Trainer Warnatzsch erinnert sich: "Sie war für Franziska eine echte Herausforderung." Wenn es jedoch darauf ankommt, versagt Steffen. Auch bei den Olympischen Spielen 2004. Sie scheidet erneut im Vorlauf aus.

Sie gerät in eine Sinnkrise, fragt sich, wofür sie vier Jahre so hart trainiert hat, wenn nichts dabei herauskommt. Sie ist von sich tief enttäuscht, hört mit 20 Jahren auf. Sie flüchtet ins Studentenleben, schreibt sich an der Fachhochschule Berlin bei den Wirtschaftsingenieuren ein. Schläft morgens lange, zieht abends durch Bars und Discos. Was man in ihrem Alter halt so macht. Sie hofft, "die Bestätigung, die ich beim Schwimmen nicht kriege, im echten Leben zu bekommen". Sie bekommt sie aber nicht. Sie wird moppelig und aggressiv. Als sie ihren Freund Oliver Wenzel, auch er Schwimmer, zu einem Wettkampf begleitet, merkt sie, "dass es kribbelt und ich ohne Sport nicht leben will". Britta Steffen sagt heute: "Schwimmen ist das, was ich am besten kann - leider Gottes." Ende 2004 steht sie vor ihrem Trainer und sagt: "Ich fange wieder an." Der will aber nichts davon hören: "Nein, dass ist noch zu früh." Und schickt sie zur Sportpsychologin Friederike Janofske, die auch Franziska van Almsick betreute, als diese mit Essstörungen zu kämpfen hatte.

Britta Steffen kommt nun ins Plaudern. Wie andere von ihrem Sommerurlaub erzählen, spricht sie von ihrem Erweckungserlebnis bei Frau Janofske. Als könnte das alles erklären. Sie habe die Praxis betreten und gleich losgeheult und der Psychologin gesagt: "Ich habe aufgehört zu schwimmen." Friederike Janofske ist eine Frau, die auf alternative Behandlungsmethoden setzt. Dazu zählt, vereinfacht gesagt, eine Seelenschau am ausgestreckten Arm. Eine umstrittene Methode. Belügt der Patient sich selbst, geht sein Arm bei Druck von oben runter, so eine der Übungen. Und so ist es auch bei Britta Steffen. Frau Janofske fragt: "Traust du dir den Sieg bei der EM zu?" Britta Steffen antwortet "Ja", denkt aber: "Wer bin ich denn schon?" Ihr Arm geht runter.

"Warum willst du nicht gewinnen?", hakt Janofske nach. "Weil die anderen dann verlieren", antwortet Britta Steffen. Sie hält es nicht aus, besser zu sein als die anderen. "Ich konnte nicht die mitleidigen Blicke ertragen, wenn ich verloren hatte, da will ich nicht, dass andere so angeschaut werden, wenn sie gegen mich verlieren." Was man auch immer davon halten mag - Frau Janofskes Therapie wirkt. Im August 2005 ist Britta Steffen bereit für den Neustart. Ein Jahr später verblüfft sie alle.

Ihr Alltag hat sich seit Ungarn nicht verändert. Sie wohnt noch immer in einem zwölf Quadratmeter großen Zimmer im Sportforum Hohenschönhausen in Berlin und lebt von 400 Euro, die ihr die SG Neukölln monatlich als eine Art Sporthilfe überweist. "Zehn Euro für die Miete, 300 fürs Essen, 30 Euro für mein Patenkind in Afrika, dann bleibt noch genug, um ein paarmal Kaffee trinken zu gehen", rechnet sie vor. Ein Schwimmprofi muss heute bescheiden sein. Und vorsichtig. Das Geld, das sie mit ihren ersten Sponsorenverträgen verdient, legt sie aufs Sparbuch. Britta Steffen sagt: "Da riskiere ich nichts."

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Hallo Ich möchte gerne kündigen, da das Arbeitsverhältnis nicht mehr gegeben ist. Leider verstehe ich den Arbeitsvertrag nicht ganz. Auszug aus dem Vertrag: Paragraf 13 Kündigungsfristen: (1) das Arbeitsverhältnis kann beiderseitig unter Einhaltung einer frist von 6 Werktagen gekündigt werden. Nach sechsmonatiger Dauer des Arbeitsverhältnisses oder nach Übernahme aus einem Berufsausbildungsverhältnis kann beiderseitig mit einer frist von zwölf Werktagen gekündigt werde. (2) Die Kündigungsfrist für den Arbeitgeber erhöht sich, wenn das Arbeitsverhältnis in demselben Betrieb oder unternehmen 3jahre bestanden hat, auf 1 monat zum Monatsende 5jahre bestanden hat, auf 2 monate zum Monatsende 8jahre bestanden hat, auf 3 monate zum Monatsende..... (3) Kündigt der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis mit dem Arbeitnehmer, ist er bei bestehenden Schutzwürdiger Interessen befugt, den Arbeitnehmer unter fortzahlung seiner bezüge und unter Anrechnung noch bestehender Urlaubsansprüche freizustellen. Als Schutzwürdige interessen gelten zb. Der begründete Verdacht des Verstoßes gegen die Verschwiegenheitspflicht des Arbeitnehmers, ansteckende Krankheiten und der begründete verdacht einer strafbaren handlung. Ich arbeite in einem Kleinbetrieb (2mann plus chef) seid 2 jahren und 3-4Monaten. (Bau) Seid ende November bin ich krank geschrieben. Was meinem chef überhaupt nicht passt und er mich mehrfach versucht hat zu überreden arbeiten zu kommen. Da mein zeh gebrochen ist und angeschwollen sowie schmerzhaft und ich keine geschlossenen schuhe tragen kann ist arbeiten nicht möglich. Das Arbeitsverhältnis ist seid längerem angespannt vorallem mit dem Arbeitskollegen. Möchte nur noch da weg! Wie lange ist nun die frist und wie weitere vorgehen? Ich hoffe es kann mir jemand helfen.