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Handball-WM: Vom Titel will niemand etwas wissen

Neues Turnier, neues Glück: Nach dem schmachvollen Aus bei der Handball-EM will das DHB-Team bei der jetzt beginnenden Weltmeisterschaft in Schweden unter die Top-7 kommen. Ziel: die Qualifikation für die Olympischen Spiele.

Schweden lebt Handball. So zumindest stellen es sich die Gastgeber der Weltmeisterschaft für die kommenden fast drei Wochen vor. Und auch die Erwartungen anderer Nationen an die Heimat der skandinavischen Handball-Ikonen Magnus Wislander und Stefan Lövgren sind hoch. Schweden begibt sich mit dem Eröffnungsspiel in Göteborg gegen den Exoten Chile (20.15 Uhr, Sport1) jedenfalls auf eine Abenteuerreise. Denn die Erfolge liegen lange zurück. Der letzte WM-Titel datiert aus dem Jahr 1999, das letzte EM-Gold von 2002. Und für die Olympischen Spielen 2004 sowie 2008 konnte sich Schweden erst gar nicht qualifizieren.

Deutschland spielt um den Ruf

Die deutsche Nationalmannschaft rechnet für dieses Turnier nicht mit einem Platz unter den Top-3: Ein Jahr nach dem EM-Debakel spielt das Team von Trainer Heiner Brand nur um ihren Ruf, sondern auch um ihre sportliche Zukunft. Ab dem Anpfiff des Auftaktspiels am Freitag (18.15 Uhr, ARD) gegen Ägypten geht es für die DHB-Auswahl um die Olympia-Teilnahem in London 2012. Minimalziel ist Platz sieben und damit das Erreichen eines Olympia-Qualifikationsturniers. "Wir wollen ein gutes Ergebnis bei dieser WM, wir wollen uns für Olympia qualifizieren", sagte Kapitän Pascal Hens aus Hamburg.

Die deutsche Pleite von Österreich mit Rang zehn und der schlechtesten EM-Platzierung ist dauerhaft präsent, aber als Negativerlebnis aus den Köpfen heraus, behaupten die Spieler. "Wir brauchen nichts wiedergutzumachen. Wir hatten ein Turnier, was uns selbst wehgetan hat", sagte Torhüter Johannes Bitter. "Österreich war echt schlecht", bekannte der wiedererstarkte Spielmacher Michael Kraus, "dieses Jahr sind wir fit."

"Mit uns rechnet keiner. Das ist gut"

Kapitän Hens, der vor Jahresfrist aus Regenerationsgründen gefehlt hatte, sieht die deutsche Mannschaft aufgrund des EM-Debakels bei der WM in der Außenseiterrolle und kokettiert damit. "Mit uns rechnet keiner. Das ist eine gute Ausgangsposition. Aber wir haben andere Ziele: Wir wollen zeigen, dass wir eine gute Mannschaft sind", sagte Hens. Dass noch zehn Weltmeister von 2007 im vorläufigen 17-köpfigen Aufgebot stehen, lässt der Rückraumspieler als Argument für hohe Erwartungen nicht gelten. "Niemand erwartet viel von uns. Alle wissen, dass wir nicht mehr die Mannschaft von 2007 sind."

Zudem fehlt in Torsten 'Toto' Jansen der Mister Zuverlässig der Heim-WM 2007. Bundestrainer Heiner Brand sortierte den erfahrenen Hamburger Linksaußen überraschend aus seinem WM-Kader aus und entschied sich stattdessen für Uwe Gensheimer (Rhein-Neckar Löwen) und Dominik Klein (Kiel). "Bei den vielen Verdiensten, die sich 'Toto' im Nationaltrikot erworben hat, war das eine der schwierigsten Entscheidungen, seit ich Bundestrainer bin", sagte Brand.

Bereits die erste Turnierphase hat es gewaltig in sich. "Wir haben vier Endspiele in der Vorrunde", sagte Brand. Der Auftakt in Lund gegen Ägypten ist richtungweisend. Der Titelverteidiger, Olympiasieger und Weltmeister Frankreich, Ex-Weltmeister Spanien und Afrikameister Tunesien machen die Gruppe A mit den Spielen in Kristianstad zur "Hammergruppe". Nur Neuling Bahrain fällt dabei ab.

Favoriten auf Gold, Silber und Bronze sind andere Teams. Allen voran Frankreich, das trotz der Ausfälle von Daniel Narcisse und Guillaume Gille kaum zu schlagen sein dürfte. Laut einer DPA-Umfrage unter den Welthandballern der letzten 20 Jahre wird Seriensieger Frankreich auch diesmal den Titel holen, so acht der neun befragten Experten. Aber auch Kroatien mit seinem virtuosen Spielmacher Ivano Balic gehört ebenso zu den Medaillenanwärtern wie Spanien. Auch Ex-Europameister Dänemark, der Olympia-Zweite Island sowie Polen, WM-Zweiter 2007 und WM-Dritter 2009, zählen zum Favoritenkreis.

Hoffnung auf eine WM erster Güte

Egal wie Schweden abschneidet: Die Teilnehmer wünschen sich eine WM erster Güte. "Ich erwarte ein tolles Turnier mit einer guten Organisation, und es soll eine gute Werbung für den Handball werden", sagte Frankreichs Schlussmann Thierry Omeyer. Auf filigrane Titelkämpfe setzt der frühere Welthandballer Daniel Stephan. "Ich hoffe, dass der Spaßfaktor rüberkommt. Und ich hoffe, dass das Spielerische mehr auf die Waagschale kommt", erklärte Stephan. "Zuletzt war der Krafthandball im Vordergrund."

nik/DPA / DPA

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