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Ex-Handballnationaltrainer: Was macht eigentlich ... Heiner Brand?

Der Mann mit dem Walrossbart war 14 Jahre lang Trainer der deutschen Handballnationalmannschaft – und führte sie 2007 zum WM-Titel.

Heiner Brand zu Hause in Gummersbach

Heiner Brand, 64, zu Hause in Gummersbach

Als Deutschland im Januar Handballeuropameister wurde, lagen Sie am Pool eines Kreuzfahrtschiffs und schipperten durch die Karibik. Sie haben wirklich nichts vom Finale mitbekommen, oder?

Nein, wir hatten ja keine Fernsehübertragung auf dem Schiff. Das habe ich zwar erst erfahren, als ich an Bord war. Aber auch wenn ich das früher gewusst hätte: Den Termin hätte ich nicht umgelegt. Lange genug habe ich auf Handball Rücksicht genommen. Und ich habe ja auch mittlerweile großen Abstand zu dem Deutschen Handballbund.

In Rio saßen Sie dann aber auf der Zuschauertribüne, als die deutsche Mannschaft gespielt hat. Überkam Sie nicht doch ein wenig Wehmut, dass Sie nicht mehr Bundestrainer sind?

Überhaupt nicht! Seit meinem Abschied habe ich mir nicht eine Sekunde gewünscht, wieder auf der Trainerbank zu sitzen. 40 Jahre hatte ich ohne Unterbrechung mit Handball zu tun. Da kommt irgendwann eine gewisse Sättigung auf. Ich habe mich auf den Abschied gefreut und mich vorher lange mental drauf eingestellt. Nee, das ist alles gut so.

Sie waren für Ihre lautstarken Ansprachen in den Pausen bekannt. Ihr Nachfolger Dagur Sigurðsson, ein Isländer, ist da deutlich ruhiger.

Jeder Trainer muss seinen Stil finden, in dem er authentisch ist. Dagur Sigurðsson macht viele Zeichnungen auf Taktiktafeln, ich hab’s eben verbal rübergebracht. Auch wenn ich danach oft heiser war!

Manchmal sind die Emotionen mit Ihnen durchgegangen. Wir erinnern an die legendäre Szene, in der Sie mit erhobener Faust auf den Schiedsrichter losgegangen sind.

Das war eine Ausnahmesituation, aber keiner, der mich kannte, hatte Befürchtungen, das da was passiert. Ich habe mich noch nie geschlagen. Meine Frau hat die Szene entspannt vor dem Fernseher gesehen. Aber stolz bin ich darauf nicht. Obwohl ich danach viel Zuspruch von allen Seiten erhalten habe, habe ich mich geschämt. Was denken die Enkelkinder, wenn die den Opa so sehen?

Wie würden Sie Ihren Führungsstil von damals beschreiben?

Eine Mischung aus autoritär und demokratisch.

Heiner Brand 2007 beim Gewinn der Weltmeisterschaft in Deutschland

Heiner Brand 2007 bei seinem größten Erfolg als Nationaltrainer - dem Gewinn der Weltmeisterschaft in Deutschland

Sie haben auch mal zwei Kontrahenten zusammen in ein Zimmer gesteckt, um herauszufinden, was passiert. Gemein!

Ach, das war ein Experiment. Aber so etwas habe ich nie während eines größeren Turniers gemacht, weil es unter Umständen die Harmonie gestört hätte. Aber natürlich, man muss bei so vielen verschiedenen Charakteren immer schauen, wie man eine echte Mannschaft daraus macht. Manche brauchten Streicheleinheiten, andere dagegen härtere Ansprachen.

Was machen Sie heute so den ganzen Tag?

Komischerweise habe ich viel zu tun (lacht). Neben meinem Job bei Sky, wo ich die Handball-Champions-League kommentiere, halte ich viele Vorträge bei Unternehmen. Über Teambuilding und Führungsstile. Außerdem trainiere ich viel, um nicht Speck anzusetzen. Und ich lese endlich wieder mehr. Thriller und so was, keine schwierigen Dinge mehr.

Kommt der Bart noch mal ab?

Nee, der gehört zu mir und bleibt jetzt. Verwetten würde ich ihn auf jeden Fall nicht mehr. Höchstens wenn im Gegenzug eine Riesensumme für einen guten Zweck zustande kommt.

Nennen Sie mal eine Hausnummer.

Oje, lieber nicht (lacht).

Übernommen aus dem stern 43/2016

Interview: Anne Hansen
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