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Mehr Sport Die Vorschau auf das Rugby-WM-Viertelfinale


Der Rugby World Cup in Neuseeland geht mit dem Viertelfinale in seine entscheidende Phase. Drei Duelle scheinen vor Beginn völlig offen, einzig die All Blacks aus Neuseeland gehen als haushoher Favorit in ihre Partie gegen Argentinien - wenn die Nerven mitspielen.

Acht Teams sind beim Rugby World Cup im Viertelfinale übrig geblieben, nicht alle WM-Favoriten werden diese Runde überstehen. Wir bringen Sie vor der K.o.-Runde auf den neuesten Stand.

Irland vs Wales

Im ersten Viertelfinale kennen sich die beiden Teams in- und auswendig. Nicht weniger als 115 Mal spielten die nur durch die Irische See getrennten Nachbarn Irland und Wales bisher gegeneinander. 62 Mal hieß der Sieger Wales, 47 Mal Irland und sechs Mal trennte man sich Unentschieden.

Beide Mannschaften zeigten bisher sehr starke Leistungen bei diesem World Cup. Irland kam als Gruppensieger in die K.o.-Runde, nachdem man in der Vorrunde beinahe sensationell Australien mit 15:6 besiegt hatte. Wales zeigte sich kaum weniger in Form, gewann drei seiner vier Gruppenspiele und musste sich nur Südafrika äußerst knapp geschlagen geben.

Um das große Ziel Halbfinale erstmals bei einer WM erreichen zu können, kann Irlands Coach Declan Kidney wahrscheinlich aus dem Vollen schöpfen. Hooker Rory Best, der sich im letzten Gruppenspiel gegen Italien an der Schulter verletzte, erholt sich schneller als erwartet und wird kurz vor dem Spiel noch einen letzten Fitnesstest absolvieren. Sollte Best spielen können, würden die Men in Green zum ersten Mal bei einer WM überhaupt zweimal hintereinander mit der gleichen Startformation auflaufen können.

So bleibt die Eingespieltheit der irischen Mannschaft der große Trumpf. Die beiden Center Gordon D'Arcy und Brian O'Driscoll würden zum 47. Mal - bereits jetzt halten sie mit 46 Spielen den Weltrekord - in Folge gemeinsam auflaufen und die zweite Reihe mit Donncha O'Callaghan und Paul O'Connell wird zum 43. Mal in Folge gemeinsam starten.

Auch Wales blieb bisher von schweren Verletzungen verschont und mit dem 66:0 über Fidschi im letzten Gruppenspiel sendeten die Dragons ein deutliches Zeichen Richtung Irland. Dabei beeindruckte vor allem der erst 19-jährige George North mit einem fantastischen Versuch und zwei Vorlagen für die Teamkameraden. So ist es kein Wunder, dass im irischen Lager das Hauptaugenmerk darauf liegt, North im Spiel auszuschalten.

"Das Problem mit North ist, er ist groß und schnell und hat schnelle Beine", sagte Irlands Andrew über den walisischen Rookie. "Ich finde in seinem Spiel keinen Aspekt, der nicht dem höchsten Standard entspricht. Wenn du auf so einen großen Spieler triffst, kannst du dich ihm nur entgegenwerfen und sehen, was passiert."

England vs Frankreich

Während mit Irland und Wales zwei Teams aus der zweiten Reihe der europäischen Top-Nationen bei der WM bisher für Furore sorgten, treffen mit England und Frankreich die historisch besten Mannschaften aufeinander, die in Neuseeland aber mit vielen Problemen zu kämpfen haben. Die Bilanz spricht für die Briten: Von 93 Spielen gingen sie in 50 als Sieger hervor und verloren 36. Sieben Partien endeten unentschieden.

England gewann zwar alle vier Partien der Gruppe B, die knappen Siege gegen Argentinien (13:9) und Schottland (16:12) waren aber ein härteres Stück Arbeit, als sich die Männer von Coach Martin Johnson vorgestellt hatten. Zudem sorgte das Team für Schlagzeilen neben dem Spielfeld als Fotos von ausschweifenden Feiern ihren Weg in die englische Boulevard-Presse fanden.

Gegen den alten Rivalen Frankreich wird WM-Legende Jonny Wilkinson wieder ins Team zurückkehren, obwohl er im letzten Gruppenspiel gegen Schottland drei von vier Penalty-Versuchen und ein leichtes Drop-Goal vergab und sein Ersatzmann Toby Flood mit einem glänzenden Pass den spielentscheidenden Versuch auflegte.

Aber Coach Johnson setzt auf Wilkinson und dessen WM-Erfahrung, zudem zeigte er gegen Frankreich meist sehr gute Spiele. Center Mike Tindall bestand seinen Fitnesstest nicht und so läuft Flood an dessen Stelle auf. Möglich auch, dass Flood die Kicks ausführen wird, traf er doch bei zehn seiner 13 Versuche, während Wilkinson nur 45 Prozent ins Ziel brachte. Der einzige weitere Wechsel, der ansteht, ist Mark Cueto, der für Delon Armitage ins Team kommen wird, der nach einem unerlaubten Tackle gegen Schottland für ein Spiel gesperrt wurde.

Eine katastrophale WM spielt Frankreich bisher. Die Niederlage gegen Neuseeland (17:37) war zwar nicht unerwartet, das schwache Auftreten von Les Bleus in diesem Match aber schon. Noch viel schlimmer kam es gegen Tonga als Frankreich mit einer 14:19-Pleite vom Platz ging, zwar noch den zweiten Gruppenplatz retten konnte, aber danach das heillose Chaos im Team ausbrach.

Nach dem Spiel verglich Trainer Marc Lièvremont sein Team auf der Pressekonferenz mit der französischen Fußball-Nationalmannschaft, die sich auf so unrühmliche Weise von der WM 2010 in Südafrika verabschiedet hatte. Nach der Niederlage wollte Lièvremont, dass seine Spieler noch etwas zusammensitzen und ein Bier trinken, aber sie verstreuten sich in alle Richtungen.

In der Kritik sind aber auch die zahlreichen umstrittenen personellen Entscheidungen, die der Trainer bei dieser WM bisher traf, aber auch gegen England hält er an seinem Spielsystem fest: Thierry Dusautoir bleibt Kapitän, Prop Nicolas Mas kehrt nach einer überstandenen Zerrung in die Mannschaft zurück. Imanol Harinordoquy spielt auf der Nummer 8 und Center Aurélien Rougerie kann trotz seiner gegen Tonga erlittenen Schulterverletzung auflaufen. Lièvremont bleibt aber auch bei seiner umstrittensten Entscheidung Morgan Parra zum dritten Mal in Folge auf der Nummer 10 des Fly Half - einer Position, auf der er vor der Niederlage gegen Neuseeland niemals ein Spiel bestritten hatte - spielen zu lassen.

Südafrika vs Australien

Eine Partie, die gut und gerne auch ein WM-Endspiel sein könnte, eröffnet den zweiten Viertelfinaltag: Das Duell der beiden zweifachen Weltmeister Südafrika und Australien. In der Bilanz liegt Südafrika mit 38 Siegen aus 65 Spielen vorne. 26 Siege feierte Australien und eine Partie endete remis.

Nach einem engen Sieg zum Auftakt gegen Wales (17:16) fing sich Südafrika relativ schnell und erreichte mit drei souveränen Siegen, in denen sie insgesamt nur acht Punkte zuließen, das Viertelfinale. Mit nur 24 Punkten aus der Vorrunde kassierten die Springboks die wenigsten aller Teams. Australien hatte mehr Mühe und musste sich nach der 6:15-Niederlage gegen Irland mit dem zweiten Platz der Gruppe C zufrieden geben.

Die letzten drei Partien zwischen den beiden Teams konnten allesamt die Wallabies für sich entscheiden, was dazu führte, dass Boks-Kapitän John Smit auf einer Pressekonferenz den Favoritenstatus Australien zuschob.

Aber vor dem Duell haben beide Teams mit Verletzungssorgen zu kämpfen. Die Springboks müssen auf Frans Steyn, dessen Turnier nach einer gegen Samoa erlittenen Schulterverletzung vorzeitig beendet ist, und kurzfristig auch Bakkies Botha verzichten. Steyn war erst im Turnier von Full Back auf Center gerückt und überzeugte auf dieser Position voll und ganz. Für Steyn wird Zane Kirchner in die Mannschaft kommen, der zuletzt im November 2010 für die Springboks spielte. Für Botha rückt Danie Rossouw ins Team.

Aber auch die Wallabies haben einige wichtige Spieler zu ersetzen. Wycliff Palu und Drew Mitchell müssen beide mit Muskelverletzungen passen. Für sie bringt Coach Robbie Deans Winger Langie Turner und Flanker Matt Hodgson ins Team. 

Neuseeland vs Argentinien

Während die drei anderen Viertelfinal-Partien relativ offen und ausgeglichen sind, gibt es im vierten Spiel einen klaren Favoriten: Gastgeber Neuseeland. Die All Blacks spielten bisher 13 Mal gegen Argentinien und gingen zwölf Mal als Sieger vom Platz. Ein Spiel endete Unentschieden. Durch die Vorrundengruppe A marschierte das Team, ohne einmal richtig gefordert zu werden. Dabei waren mit Frankreich und Tonga zwei durchaus ernst zu nehmende Gegner dort.

Auch Argentinien zeigte in seiner Gruppe starke Leistungen und wurde mit einer knappen Niederlage gegen England und Siegen gegen Schottland, Rumänien und Georgien Zweiter. Aber mit den All Blacks wartet auf die Pumas eine beinahe unüberwindbare Hürde in der Runde der letzten Acht.

Da die beiden Teams seit Juni 2006 nicht aufeinandergetroffen sind - ab nächstem Jahr wird sich dies ändern, stößt doch Argentinien zum jährlichen Turnier zwischen Neuseeland, Australien und Südafrika hinzu - bereiten sich die All Blacks mit Videoaufzeichnungen des Gegners vor.

Die Qual der Wahl hat Coach Graham Henry bei der Aufstellung. Auch wenn mit Fly Half Dan Carter einer der Superstars des Teams die WM vorzeitig verletzt beenden musste. Mit Cory Jane, Richard Kahui, Sonny Bill Williams und Zac Guildford streiten sich vier Spieler um die beiden Flügelpositionen, die wahrscheinlich in jedem anderen Team der Welt einen Stammplatz hätten.

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