Nationalmannschaft Löw setzt auf Jungstar Özil


Bundestrainer Jogi Löw vertraut im Testspiel gegen Südafrika auf den Bremer Mesut Özil. Mit seiner Klasse soll der 20-Jährige der DFB-Elf wieder zur lang vermissten Dynamik und Dominanz verhelfen. Ein Stuttgarter hofft indes auf sein Länderspiel-Debüt.

Experiment mit dem Nachwuchs statt Einspielen für den WM-Ernstfall: Joachim Löw will der deutschen Fußball-Nationalmannschaft mit jugendlicher Frische wieder zur vermissten Dominanz und Dynamik verhelfen. Im Test gegen Südafrika setzt der Bundestrainer ganz besonders auf die Spielfreude von Mesut Özil und auch den Elan von Neuling Sami Khedira. Der 20 Jahre alte Dribbelkünstler Özil steht in der Partie gegen den WM-Gastgeber am Samstag (20.45 Uhr/ZDF) in Leverkusen erstmals in der Startformation der DFB-Auswahl. "Er hat in der Bundesliga zuletzt konstant gute Leistungen gezeigt", lobte Kapitän Michael Ballack den neuen Mittelfeldkollegen.

Fünf Wochen vor dem Showdown in der WM-Qualifikation in Russland soll in Khedira ein anderer U21-Europameister sein Länderspieldebüt feiern. "Ob von Anfang an oder im Spiel, wird noch beraten", sagte Co-Trainer Hansi Flick über den 22 Jahre alten Stuttgarter. Weitere Einblicke in die Personalplanungen gewährte die sportliche Leitung nicht. Bereits seit vergangener Woche ist klar, dass der Leverkusener Torwart René Adler in der wohl ausverkauften BayArena sein Heimspiel im Kampf um die Nummer 1 absolvieren darf.

Der Probelauf gegen die Kap-Kicker ist für Bundestrainer Joachim Löw der letzte Gradmesser und Stimmungstest vor dem brisanten Schlussspurt in der WM-Qualifikation - mit der Pflichtaufgabe am Mittwoch in Hannover gegen Aserbaidschan und der Entscheidung im Oktober in Russland und gegen Finnland. "Wir werden uns steigern. Wir werden anders auftreten", versprach Löw nach den zuletzt "unbefriedigenden Leistungen" bei der Asienreise und in Aserbaidschan. Bei einer intensiven Video-Analyse mit Bildern vom Confederations Cup stellte Löw sein Team am Freitagvormittag auf den Gegner Südafrika ein.

Mit seiner Führungsfigur Ballack hat der Bundestrainer nach Aussage des England-Legiönärs zudem intensiv die "Vorstellungen ausgetauscht". Und der "Leader" gab am Vortag der Partie unmissverständlich die Marschroute vor. "Wir dürfen kein Stück nachlassen. Das wäre der erste Schritt zurück. Wir müssen zu alter Stärke zurückfinden", sagte Ballack. Er vertraut auf eine typisch deutsche Tugend: "Wenn es drauf ankommt, sind wir da."

Vier intensive Kölner Trainingstage sollen die im Jahr 2009 bisher effizienten, aber wenig begeisternden DFB-Kicker in die richtige Spur gebracht haben. Der Ausdauertest am Dienstag brachte allerdings laut Flick nur "zufriedenstellende Ergebnisse". "Es ist so, dass der eine oder andere noch Verbesserungen erreichen muss", sagte Flick über die Messwerte.

Spielerisch soll es sofort wieder aufwärtsgehen. "Die Strategie ist wichtig, dass wir wieder an uns glauben. Es lief nicht immer alles rund. Jeder muss von seiner Leistung und seinem Können überzeugt sein. Ich bin positiv gestimmt", sagte Ballack vor der vierten Partie gegen die spielfreudigen, aber international keineswegs erstklassigen Südafrikaner, gegen die für die DFB-Auswahl bislang zwei Siege und ein Remis zu Buche stehen. "Das ist ein guter Test", sagte Ballack.

Zuletzt wurde der Afrika-Champion des Jahres 1996 vor exakt vier Jahren in Bremen ebenfalls in einem Testspiel mit 4:2 bezwungen. Dreifacher Torschütze war damals Lukas Podolski. Der Kölner hat seine Wadenblessur, die ihn zu Wochenbeginn zu einer Trainingspause zwang, überwunden. "Alle Spieler sind einsatzfähig. Die Mannschaft weiß, dass sie gefordert ist", sagte Flick.

Welche taktischen Veränderungen mit dem Aufrücken Özils in die Startelf verbunden sind, wollte der Löw-Assistent vorab nicht verraten. Einen "offensiven Part" soll der gebürtige Türke mit dem Potenzial zur klassischen Nummer 10 in seinem dritten Länderspiel übernehmen. Eine Rückkehr zum EM-System mit fünf Mittelfeldspielern und nur einer echten Spitze scheint auch nicht ausgeschlossen. "Es wird wichtig sein, dass wir wieder unsere Laufbereitschaft zeigen, die Freude am Spiel wieder finden", sagte Ballack. Zuletzt war man nach Ansicht des Kapitäns "zu verkrampft".

Arne Richter und Klaus Bergmann/DPA DPA

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