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NFL: NFL-Kolumne - Vier mögliche Teams für Peyton Manning

Peyton Manning und die Indianapolis Colts haben sich nach 14 Jahren getrennt – doch wer ist das neue Team in Mannings NFL-Leben? Und welche Rolle kann er nach vier Nackenoperationen noch spielen? Unser Kolumnist versucht sich an Antworten.

Als Offseason in der NFL wird die Zeit bezeichnet, die zwischen dem Ende des Super Bowls und dem Anfang der Preseasonspiele liegt – so oder ähnlich dürfte es bei Football-Wikipedia stehen, so es diese Seite denn gäbe. Ich würde diesem Satz allerdings noch einen zweiten hinzufügen: Die Offseason in der NFL ist die unberechenbarste Zeit, die man sich vorstellen kann.

Während der Saison ist gerade schreiben von Kolumnen schön einfach. Am Sonntag und Montag – hin und wieder auch an einem Donnerstag und in den Playoffs an Samstagen – finden Spiele statt, danach hat man genug Geschichten, um darüber zu schreiben. Mal eine Verletzung unter der Woche oder ein Trade, das war es. Das NFL-Leben läuft in geregelten Bahnen.

Anders in der Offseason. Ein sehr junges Beispiel wäre die Kolumne der letzten Woche, die war keine 24 Stunden alt, da trennten sich die Wege von Peyton Manning und den Indianapolis Colts nach 14 Jahren. Thema nicht verfehlt, aber verpasst, dürfte das Urteil lauten. In dieser Woche droht uns ein ähnliches Schicksal und wieder ist Mister Manning schuld. Der muss sich nämlich nun für einen neuen Arbeitgeber entscheiden und hat eine mögliche Entscheidung in dieser Woche angekündigt.

Einfache Rechenspiele

Seit dem letzten Mittwoch stand das Telefon von Mannings Agenten nicht mehr still und dachte man zum Wochenende, aus den zwölf ursprünglichen Interessenten hätten sich zwei Favoriten herauskristallisiert, wurden Anfang dieser Woche noch zwei hinzu addiert.

Während Teams wie die Kansas City Chiefs, New York Jets oder Seattle Seahawks bei Manning nicht auf Gegenliebe stießen und andere potentielle Neuteams wie die Washington Redsksins aus dem Rennen ausstiegen, besuchte Manning die Denver Broncos und Arizona Cardinals. Nach diesen Besuchen pfiffen besonders in den Rocky Mountains die Spatzen eine Einigung mit den Broncos von den Dächern.

Doch mit den Miami Dolphins und den Tennessee Titans sind zwei weitere Teams zum Wochenanfang in das Rennen mit eingestiegen. Die Dolphins trafen sich in Indianapolis mit dem Quarterback, der sich auch noch auf den Weg nach Nashville machen will. Dort brachte sich Titans-Besitzer Bud Adams mit den gegenüber espn.com geäußerten Worten ins Gespräch: "Ich will Manning. Ich bin bereit, alles zu tun, um ihn an Bord zu holen."

Das Ende der Tebowmania?

Gerade mit seinem Besuch in Denver hat Manning den NFL-Fans, aber auch Tim Tebow klar gemacht, wie kurzlebig das Leben in der Liga sein kann. Eben noch sicherte Broncos-Legende und Vizepräsident John Elway Tebow nach seiner unglaublichen Saison den Stammplatz für das Trainingslager zu, da setzte sich der Hall of Famer mit einem zukünftigen Hall of Famer an einem Tisch, um Tebows Job neu zu vergeben.

Natürlich ist die Verpflichtung eines fitten Peyton Mannings ein großes Upgrade gegenüber Tebow, der weniger durch Würfe, denn durch Spielbegeisterung und Laufbereitschaft zu gefallen wusste. Als Broncos-Fan, der zugegebenermaßen kein großer Tebow-Freund ist, tue ich mir mit Manning allerdings aus zwei Gründen schwer: der erste wäre sein Nacken.

Ist der wirklich so in Ordnung, wie Berichte ominöser Quellen verlauten ließen? Nun, Besitzer Pat Bowlen und Elway werden die große Brieftasche für Manning sicher erst aufmachen, wenn sie seine derzeitigen Fähigkeiten gesehen haben. Und um mir gleich selbst ein zweites Contra zu geben: Ein Manning mit 80 Prozent Fitness wäre aufgrund seiner Spielübersicht immernoch ein Zugewinn auf der Quarterback-Position.

Einer der Größten - nicht in meinem Team!

Ich werde mich aber sonst mit Manning nicht anfreunden können, weil ich ihn nicht mag. Nein, das ist nicht sehr rational, obwohl ich sogar einen Fakt gegen ihn aufrufen kann. Mich stört seine manchmal selbstherrliche Art nach Niederlagen eher die Schuld bei den Mitspielern als bei sich selbst zu suchen. Der Rest meiner Abneigung ist irrational: Ich kann nicht sehen, wie er sich an der Line of Scrimmage bewegt, wie er dort alternative Spielzüge ausruft und sich in Interviews gibt. Deswegen möchte ich Manning nicht bei den Broncos sehen.

Um es noch einmal klarzustellen: Ich halte ihn für einen der Größten der Quarterback-Zunft. Und ich fürchte dazu, die Broncos können nicht mehr zurück. Schon jetzt fordern einige Medien in Denver Elways Kopf, sollte Manning sich nicht für das Team entscheiden. Denn – und da gebe ich den Kritikern Recht – Tebows Zeit ist durch die Demontage abgelaufen. Ein neu gedrafteter Quarterback dürfte es sehr, sehr schwer in Denver haben. Dieses Lied können wahrscheinlich alle Nachfolger Elways und Vorgänger Tebows singen.

Essen mit Larry

Für Manning, dem das in den Rockies in einem Sechs-Stunden-Gespräch Dargebotene angeblich sehr gefallen hat, stellt sich nun die Frage, ob ein Wechsel zu den Broncos auch in seinem Interesse wäre. Denn hier ist es nicht nur die Quarterback-Position, die das letzte Puzzleteil für einen Super Bowl-Sieg darstellt. Ja, die junge Defense ist vielversprechend, aber was ist mit dem Rest der Offense? Solche zweifelnden Fragen könnte Elway von Super-Quarterback zu Super-Quarterback aber vielleicht bereits ausgeräumt haben.

Ähnliches gilt auch für die Cardinals, die Manning allerdings einen der besten Wide Receiver der Gegenwart zur Verfügung stellen können: Larry Fitzgerald. Der setzte sich mit seinem möglichen neuen Spielmacher bei dessen Besuch zum Essen hin, um die Vorzüge Arizonas herauszustellen. Mit Coach Ken Whisenhunt findet Manning übrigens einen guten Freund in der Wüste Arizonas vor. Und mit Besitzer Michael Bidwill einen Eigner, der bereit ist, den Geldbeutel für weitere Verstärkungen aufzumachen.

Die zwei Joker

Anstatt der Bergwelt der Rockies und unbekanntem Wüstenterrain könnte es für Manning auch noch in vertrautere Gefilde gehen. Schließlich traf sich eine Abordnung der Dolphins in Indianapolis mit dem Quarterback, der in Miami eine Bleibe hat. In einem ebenfalls gut sechsstündigen Gespräch konnte Neu-Coach Joe Philbin seine Bewerbung bei Manning abgeben. Der Trade des besten Dolphins Wide Receivers Brandon Marshall zu den Chicago Bears dürfte Manning jedoch nicht passen und Miami einen Minuspunkt bescheren.

Die Titans sollen nun in den nächsten Tagen drankommen. Manning, der im College an der University of Tennesee, im nur knappe drei Stunden entfernten Knoxville, gespielt und einige Spiele auch in Nashville ausgetragen hatte, könnte mit den Titans zwei Mal im Jahr auf sein Ex-Team aus Indianapolis treffen. Außerdem dürften die Titans-Fans dem Collegehelden des Bundesstaates sicher den Roten Teppich ausrollen. Hier trifft der Quarterback auf einen ganz alten Bekannten. Coach Mike Munchak spielte gemeinsam mit Papa Archie bei den Houston Oilers.

Mannings Schockwelle

Für welchen seiner alten und neuen Bekannten sich Manning auch entscheidet, seine Trennung von den Colts hatte bereits eine Woche vor Beginn der eigentlichen Free Agency-Periode für einige Nachbeben in anderen NFL-Städten gesorgt. So sicherten sich die Washington Redskins via Trade mit den St. Louis Rams den zweiten Draftpick und dürften mit Robert Griffin III ihren Quarterback der Zukunft gefunden haben.

Bei den Jets dürfte dagegen Mark Sanchez für Mannings Absage dankbar gewesen sein. Denn nun versteifen sich die New Yorker auf ihren Quarterback, Sanchez erhielt eine Vertragsverlängerung, die ihm für weitere drei Jahre 40,5 Millionen Dollar bescheren wird.

Eine ähnliche Schockwelle dürfte sich auch nach Mannings Entscheidung weiter durch die Liga ausbreiten. Tebow könnte zum Beispiel an seine alte College-Wirkungsstätte Jacksonville zurückkehren, daraufhin wäre natürlich Blaine Gabbert wieder frei. Oder aber Arizonas Kevin Kolb würde frei werden und eine weitere Lawine in Gang setzen. Freuen wir uns also auf weitere interessante Zeiten. Fortsetzung folgt...

Sven Kittelmann

sportal.de / sportal

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