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DHDL: Nach der Höhle der Löwen: Wie der Blufixx-Stift das Leben eines Piloten veränderte

Dinko Jurcevic schaffte in der Höhle der Löwen mit seinem Wunderstift Blufixx den Durchburch. Für seine Geschichte sind wir mit ihm in die Cessna gestiegen.

Blufixx Klebestift bei Die Höhle der Löwen

Blufixx: Klebestift-Gründer Dinko Jurcevic kämpft bei "Die Höhle der Löwen" um Kapital.

Dieser Text erschien zuerst in dem "Die Höhle der Löwen"-Magazin. 

Kurz bevor die Cessna auf dem Flugplatz in St. Augustin aufsetzt, erwischt der Pilot fast einen Vogel. "Gesehen? Fehlten nur zehn Zentimeter!", ruft Dinko Jurcevic fröhlich. "Taube, Rabe, was in der Größe." Keine Spur von Erschrecken, er hat das schon mal erlebt und als problemlos abgespeichert. Einst geriet ihm ein Federvieh in die Turbine: "Wir haben keine Spur mehr davon gefunden. Es roch bloß nach Grillhähnchen."

"Die Höhle der Löwen" zum Lesen: Das Magazin zur Sendung erscheint pünktlich zum Start der fünften Staffel am 04. September 2018. Hier können Sie das Heft portofrei bestellen.

"Die Höhle der Löwen" zum Lesen: Das Magazin zur Sendung erscheint pünktlich zum Start der fünften Staffel am 04. September 2018. Hier können Sie das Heft portofrei bestellen.

Man darf sich den Unternehmer und Piloten Jurcevic als einen unbekümmerten Mann vorstellen, der die Höhen und Tiefen des Lebens mit einem Schulterzucken nimmt. Damit ist schon viel gesagt über seine Art des Geschäftemachens. Was nicht heißt, dass der 42-Jährige ohne Emotion oder Ehrgeiz daranginge. Er verfolgt ein hochgestecktes Ziel: "Schon mit zehn oder elf habe ich gesagt, ich werde mal Millionär. Nicht wegen der Kohle, sondern wegen der Freiheit. Wenn du kein Geld hast, bist du nicht frei. Ich liebe die Freiheit!"

Diesem Ziel ist er ein großes Stück nähergekommen, seit er Ende 2015 in der "Höhle der Löwen" sein Produkt pitchte: einen Reparaturstift, dessen Spezialklebstoff mit LED-Licht ausgehärtet wird. Heute brummt das Geschäft. Bis dahin war es allerdings ein langer Weg.

Vor Jahren hat Jurcevic eine Weile als Pilot gearbeitet und damit das Startkapital für das Unternehmen verdient, mit dem alles begann. Nicht nur deshalb lässt sich seine Karriere als Flugreise erzählen – sondern auch, weil die Logik des Fliegens sein Leben geprägt hat.

Carsten Maschmeyer in der "Höhle der Löwen"

Auf dem Boden muss der Reisende festgelegten Richtungen folgen: Hier ist eine Straße, und nur die fährst du hinab. In der Luft ist alles möglich: Geht es nach links, rechts, oben, unten? Gilt es notzulanden, einem Gewitter auszuweichen, durchzustarten? Fliegen setzt Initiative voraus – und den Mut, in kritischen Lagen eigene Entscheidungen zu treffen.

Erste Bruchlandung

St. Augustin, ein strahlender Junimorgen. Jurcevic klettert in das Cockpit der viersitzigen Cessna, die er sich für eine Runde über dem Rhein ausgeliehen hat. Frisch rasiert, gebügeltes Polohemd, Pilotenbrille. Er checkt die Instrumente, dann holpert das Leichtflugzeug die Startbahn hinab, beschleunigt auf 60 Knoten. Jurcevic ruft: "Los geht's!", und hebt ab.

In Hagen geboren, macht der Sohn kroatischer Einwanderer nach der Schule eine Lehre zum Zahntechniker – "Ich hatte gehört, dass die gut verdienen." Das eigene Labor, das er nach der Ausbildung eröffnet, finanziert ihm seinen Traum, die Fliegerei. Ab 2002 macht er den Pilotenschein, das Unternehmen gerät zunehmend ins Hintertreffen. 2004 ist Schluss. "Pilotenschein war fertig. Das Dentallabor hatte seinen Zweck erfüllt, ich hatte keine Lust mehr. Das merken die Kunden." Er schlittert in die Insolvenz. "Meine erste Bruchlandung."

Was soll's? Abschmieren, wieder hochkommen. In Köln findet Jurcevic eine Anstellung als Zahntechniker – und, noch viel toller, seine Frau. Dass er einen Gutteil seines Gehalts aufwenden muss, um 100.000 Euro Schulden abzustottern, ist weniger schön. Er will vorankommen, macht sich erneut selbstständig, studiert parallel BWL, bricht das Studium aber ab. Steigflug mit Luftlöchern.

Über St. Augustin gewinnt die Cessna an Höhe. Spielzeugtrecker auf den Feldern, Spielzeugkirchen, Spielzeughäuser in schnurgeraden Reihen, Deutschland sieht mustergültig adrett aus von hier oben. Jurcevic ruft etwas, das trotz Headset im Propellerlärm untergeht – der Sprechfunk funktioniert nicht, was er vor dem Start bemerkt und lässig hingenommen hat. Was soll's? Dass jede Böe das kleine Maschinchen durchschüttelt, fühlt sich schnell ganz normal und nicht mehr bedrohlich an. Der Dinko wird's schon schaukeln.

2007 nimmt er einen Job als Pilot an. Er fliegt Businessjets, die Reichen und Schönen. München, Cannes, Beirut. Eine eher erholsame Phase, vielleicht zehn Tage Arbeit im Monat. Das lässt ihm Zeit, um nebenbei Dentalprodukte zu vertreiben. Und um stundenlang mit seinem Partner, einem befreundeten Zahnarzt, über neuen Geschäftsideen zu brüten.

Erfolg und Intrigen

Eines Abends stecken sie in einer Kneipe mal wieder die Köpfe zusammen. Sie haben einen Musterkoffer dabei, darin eine Tube Kunststoffgel, aus dem Zahnärzte Kronen und Brücken formen, und eine Handlampe, mit deren Licht man das Zeug härtet. Sie spielen damit herum, modellieren einen Haken an ein Bierglas, die LED lässt die dunkle Kneipe bläulich aufschimmern. Was könnte man damit noch alles anstellen? Einen Kratzer am Auto reparieren vielleicht? Was wäre, wenn man Gel und Lampe in einen Stift integrieren würde? Da ist sie, ihre Idee!

2010 gründen die beiden ihre Firma Bondic. Im Jahr darauf kommt der erste Deal, der ihnen eine halbe Million Euro einbringt: Eine große Baumarktkette nimmt ihnen einen Satz ihrer Stifte ab. Sie hätten jetzt durchstarten können. Doch stattdessen blockiert der Motor.

Wenn Jurcevic von dieser Zeit erzählt, erhöhen sich sein Sprechtempo und die Heftigkeit seiner Gesten, und die Story wird ein bisschen konfus. Es geht um die Ehefrau seines Partners, die sich in das Unternehmen drängt, um Patente, auf denen der falsche Name steht, um heimlich angemeldete Markenrechte, um Intrigen und missbrauchtes Vertrauen. 2012 hat Jurcevic die Schnauze voll und steigt als Geschäftsführer aus. Dass die vereinbarte Lohnfortzahlung nie kommt, überrascht fast nicht mehr. Zu allem Überfluss wird genau zu diesem Zeitpunkt, als er vor dem Nichts steht, sein Sohn geboren. Sturzflug.

"Ganz wichtige Lektion: Vertraue nur auf dich selbst. Wenn die Leute Geld wittern, werden alle zu Geiern", sagt er. Neben dieser bitteren Erkenntnis hat ihm die Erfahrung aber auch einen Schub verpasst: "Wenn alles verloren scheint, kriege ich Bock, es so richtig zu rocken."

Die Cessna hat den Rhein überflogen, ist vor Bonn abgedreht und hält jetzt auf Köln zu. Baggerseen, Öltanks, Industrieanlagen. Über der Stadt Wessling legt sich das Flugzeug in die Linkskurve. Jurcevic brüllt durch das Gedröhne: "Guckste mal da: roter Backstein, weiße Fenster!" Vom Boden aus betrachtet muss es ein ordentliches Gebäude sein. Sein Unternehmen. Blufixx.

Vor seinem Ausstieg bei Bondic hat Jurcevic eine Bedingung durchgesetzt, hinter die seine Ex-Partner bei aller Durchtriebenheit nicht mehr zurückkönnen: Er hat sich vertraglich vom Wettbewerbsverbot befreien lassen. Das heißt, dass er ihnen mit dem gleichen Produkt Konkurrenz machen darf. Und wie sich erweist, ist er, auf sich alleine gestellt, um einiges besser als die Bondic UG. Die heute übrigens nicht mehr existiert.

Jurcevics Methode: Er "verkauft Luft", wie er das nennt. Setzt sich mit Einkäufern zusammen: Wie hättet ihr die Kappe denn gerne? Den Stift länger oder breiter? Soll da vielleicht euer Logo drauf statt meins? Er schwärmt, träumt, malt aus, statt ihnen ein fertiges Produkt auf den Tisch zu knallen. "So wurde das zu ihrem Projekt, das war das Geheimnis." Der Einkäufer von Obi, der das erste große Los geordert hat, ist derart überzeugt, dass er zu Blufixx wechselt; heute leitet er dort den Vertrieb. Aus den USA erhält Blufixx einen Auftrag von Lowes, der zweitgrößten Baumarktkette der Welt. 

Klebestift aus "DHDL": Was taugt Blufixx?
Blufixx im test: Der Klebestift aus "Die Höhle der Löwen"

Blufixx ist ein flüssiger Kunststoff, der erst unter LED-Licht aushärtet. Den Klebestift gibt es mit speziellen Klebern (für Glas, Metall und Stein oder für Plastik und Holz) und in verschiedenen Farben. Am Ende des Klebestifts befindet sich ein LED-Lämpchen. 

Wie Darth Vader

So hat Jurcevic nicht nur ein ausgereiftes Produkt, sondern auch Verkäuferqualitäten, als er Ende 2015 in der "Höhle der Löwen" aufschlägt. Die Investoren verstehen die Idee schnell, doch Frank Thelen fühlt sich herausgefordert. Mit dem Blufixx-Stift fixiert er einen Knauf aus Keramik auf einer Glasplatte, hebt sie daran hoch. "Ich habe getan, als wäre ich völlig relaxt, aber innerlich Tausend Gebete aufgesagt", erinnert sich Jurcevic. Wenn man es weiß und darauf achtet, sieht man in der Aufzeichnung seinen Blick kurz flackern. "Das war nicht abgesprochen. Ich dachte nur: Fällt die Platte runter, renne ich aus dem Studio. Dann können die es nicht senden. Sonst bin ich fertig."

Doch der Knauf hält. Zum ersten Mal in der Geschichte der Show geben alle fünf Investoren ein Angebot ab.

2017 hat Blufixx 500.000 Euro Vorsteuergewinn gemacht, bei einem Jahresumsatz von 3 Mio. Euro. 2018 sollen es schon 5 Mio. Euro Umsatz sein, im Jahr darauf bis zu 10 Mio. Euro. Jurcevic hat neue Produkte in der Pipeline, besondere Hoffnung setzt er auf ein Fugendicht fürs Bad. Während man den Dichtstoff aushärtet, leuchtet er im LED-Licht neonblau auf. "Fugen legen wie Darth Vader!", ruft Jurcevic. "Wir machen es cool!"

Die 300.000 Euro, die Carsten Maschmeyer investiert hat, liegen unangetastet auf der Bank. Jurcevic braucht das Geld nicht. "Ich wollte jemanden haben, der mir hilft, wenn jemand Großes Blufixx kaufen will. Der bei den Verhandlungen neben mir sitzt", sagt er. "Jetzt flattern die ersten Übernahmeangebote rein. Und wieso? Weil es anfängt, denen wehzutun. Bei dem LED-Dichtstoff prognostizieren mir die Einkäufer fünf Prozent des Markts." Allein den deutschen Markt schätzt er auf 150 Mio. Euro jährlich. Und dann ist da ja noch der Rest der Welt.

Die Cessna ist beigedreht, der Rückflug verläuft ohne Turbulenzen. Es wird eine butterweiche Landung.

"Die Höhle der Löwen" zum Lesen: Das Magazin zur Sendung erscheint pünktlich zum Start der fünften Staffel am 04. September 2018. Hier können Sie das Heft portofrei bestellen.

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