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Safaya: Pfefferspray in der Höhle der Löwen - warum das Produkt in der Kritik steht

Die Gründer von Safaya bieten in der Höhle der Löwen Tierabwehrspray und einen lauten Schrill-Alarm zur Selbstverteidigung an. Die Aufmachung ist jung und hip. Die Polizei sieht das Produkt kritisch.

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Safaya in der Höhle der Löwen

Safaya in der Höhle der Löwen: Pfefferspray steht in der Kritik

MG RTL D

In der letzten Folge der aktuellen Staffel von "Die Höhle der Löwen" wird ein Produkt präsentiert, dass für Zündstoff sorgt. Die Gründer von Safaya haben Tierabwehrspray in stylische Halter gesteckt, die man an der Handtasche befestigen kann. Ihre Argumentation: Wird man angegriffen, hat man kaum die Zeit, in der Handtasche nach dem Spray zu wühlen. So ist es griffbereit. Und sieht auch noch verspielt aus. Dass man sich in der Innenstadt von Köln, in der Lüneburger Heide oder in einem Leipziger Vorort vor wild gewordenen Wieseln oder ausgewachsenen Braunbären mit einem Spray zur Wehr setzen muss, ist allerdings unwahrscheinlich. 

Bei diesem Spray geht es also um Sicherheitsempfinden. "Die Idee für Safaya entstand bei einem Abendessen unter Freunden: Wir Gründer erfuhren, dass in unserem Umfeld eine verstärkte Nachfrage für Produkte im Bereich Sicherheit für Frauen und Männer gab – diese allerdings viel zu oft den optischen Ansprüchen der potenziellen Zielgruppe nicht genügten",  berichten die Gründer dem stern. "Mit der Marke Safaya wollen wir die eingestaubte, männerdominierte Welt der Sicherheitsprodukte verändern und über unsere informative und innovative Onlineplattform Bewusstsein für das Thema schaffen."

Hinter dem Begriff "Tierabwehrspray" verbirgt sich nichts anders als Pfefferspray. Die Wirkung dieses Sprays ist enorm: Wer mal einen Spritzer Chili beim Kleinschneiden oder etwas Tabasco ins Auge bekommen hat, kann sich grob vorstellen, wie das Spray wirkt. Was die Schleimhäute auf so brutale Art reizt, ist der Wirkstoff Capsaicin. Im Pfefferspray befindet sich hingegen kein reines Capsaicin, sondern ein Extrakt aus Paprika, Chilis oder Cayenne, der Oleoresin Capiscum (OC) genannt wird. Gelangt dieser in die Augen oder auf die Schleimhäute, werden diese gereizt, die Augen tränen, die Haut schwillt an, ein schmerzhaftes Brennen breitet sich aus. Das Ergebnis: Mensch wie Tier sind außer Gefecht gesetzt, können die Orientierung verlieren oder einen Schock erleiden. Die Gründer setzen sich mit der Kritik auseinander. "Der Focus von Safaya ist im Übrigen weniger rein auf dem Tierabwehrspray zu sehen, als auf einer ganzen Reihe an Produkten rund um das Thema Sicherheit", sagen die Gründer dazu. 

"Die Höhle der Löwen" zum Lesen: Die zweite Ausgabe des Magazins zur Sendung erscheint am 13.November 2018. Hier können Sie das Heft portofrei bestellen.

"Die Höhle der Löwen" zum Lesen: Die zweite Ausgabe des Magazins zur Sendung erscheint am 13.November 2018. Hier können Sie das Heft portofrei bestellen.

Wie stark Pfefferspray ist, wird in der Einheit Scoville angegeben, in der auch der Schärfegrad von Chilis und Chilisoßen gemessen wird. So hat Tabasco-Sauce, die man in Supermärkten bekommt, einen Schärfegrad von 2500 Scoville. Reines Capsaicin hat 16 Millionen Scoville. Pfefferspray, das bei Amazon am häufigsten in dieser Produktkategorie gekauft wird, hat einen OC-Anteil von 11 Prozent und einen Schärfegrad von 2,5 Millionen Scoville. Safaya machte keine Angaben zum OC-Schärfegrad, sondern zum MC-Wert (Major Capsacinoide). Der bezieht sich auf die prozentualen Schärfegrad von reinem OC.

"Die Höhle der Löwen": So sieht es bei "Reishunger" hinter den Kulissen aus
Reishunger: Eingangsbereich

Der Eingangsbereich von Reishunger, das in einem alten Lagergebäude sitzt. "Unser Reis lagert in unserem nahegelegenen, sehr modernen Lager, wo auch der Reis abgefüllt und die Pakete gepackt werden", erzählt Sohrab Mohammad, Mitgründer von Reishunger.


Safaya - gegen Tier, nicht Menschen

Wichtig ist bei dem angebotenen Spray der Hinweis, dass es nur dazu dient, Tiere abzuwehren - allerdings gilt natürlich das persönliche Recht bei Notwehr nach § 32 StGB. Hinter dieser etwas verklausulierten Formulierung steht eigentlich: Gezielt für den Einsatz gegen Menschen darf man das Spray nicht nutzen. Tut man dies, begeht man eine gefährliche Körperverletzung. Wer allerdings angegriffen wird, darf sich damit verteidigen und wird dann für den Einsatz nicht bestraft. Doch muss die Verhältnismäßigkeit gegeben sein. Einfach mal lossprühen, weil man überängstlich ist, kann eine Strafe mit sich bringen. Und: Wer zu lange gesprüht, obwohl der Angreifer längst außer Gefecht gesetzt wurde, kann es sich nach § 33 StGB um einen Notwehrexzess handeln. 

Ungefährlich sind solche Sprays auf keinen Fall, immerhin sind sie tausend Mal so stark wie eine Chili-Schote. Bekommt ein Mensch mit Vorerkrankungen wie Asthma, Allergien oder psychische Störungen das Spray ab, kann es sogar tödlich wirken.  

Die Höhle der Löwen: Ist dieser Gürtel so gut wie ein Crosstrainer?

Doch das ist nicht der einzige Kritikpunkt an solchen Sprays. Die Polizeigewerkschaft in Deutschland und in den einzelnen Bundesländern sieht den Einsatz kritisch. Zum einen seien die meisten Menschen im Umgang ungeübt. Nicht selten landet das pfeffrige Strahl in den eigenen Augen, weil die Windrichtung nicht bedacht oder die Düse nicht gezielt auf den Angreifer ausgerichtet wurde. Und: Eine solche Waffe (und das ist Pfefferspray) kann erst zur Eskalation einer Situation beitragen.

Doch zur Wahrheit gehört auch: Seit den Silvesterübergriffen in Köln vor knapp drei Jahren haben die Verkäufe dieses Sprays zugelegt. Ein Mitarbeiter eines Hamburger Waffengeschäfts berichtete vor gut zwei Jahren der "Zeit", dass sich zunächst Frauen solche Sprays angeschafft hätten, dann auch Männer. Und dann noch viel mehr Frauen."Und dann kamen plötzlich auch alte Menschen, die sich nie gefürchtet hatten und die auf einmal das Gefühl beschlich, nicht mehr sicher zu sein", so der Mitarbeiter.  Die Diskussionen über innere Sicherheit und mangelndes Sicherheitsempfinden der Bürger auf Straßen und Plätzen eben seit Jahren nicht ab. Mit dem Kauf einer kleinen Spraydose kaufen sich Kunden auch ein beruhigendes Gefühl. Allerdings: Durch die gestiegene Nachfrage ist auch die Zahl der Körperverletzungen mit Reizgas nach oben geschnellt. "Die Zahl der Missbrauchsfälle ist schlicht und einfach durch den Absatz gestiegen", sagt Ingo Meinhard, Sprecher des Verbands Deutscher Büchsenmacher und Waffenfachhändler (VDB), zur "Hessenschau". Besonders die Abgabe an Jugendliche sei ein Problem. 

Die Kontroverse um ihr Produkt ist den Machern von Safaya bewusst. Nun hoffen sie, dass sie in der Höhle der Löwen einen Investor überzeugen können. Ob das gelingt, sieht der Zuschauer am Dienstagabend auf Vox.

"Die Höhle der Löwen" zum Lesen: Die zweite Ausgabe des Magazins zur Sendung erscheint am 13.November 2018. Hier können Sie das Heft portofrei bestellen.

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