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Bahn-Tarifverhandlungen: Neue Streiks begleiten Gespräche

Früher als erwartet werden sich Gewerkschaftsvertreter mit Bahn-Chef Hartmut Mehdorn treffen, um weitere Tarifverhandlungen zu führen. Dennoch müssen Pendler vielerorts mit Behinderungen durch Streiks rechnen.

Nach massiven Warnstreiks mit Auswirkungen für Hunderttausende Pendler wollen sich Bahnvorstand und Gewerkschaften wieder an einen Tisch setzen. Die Arbeitnehmerorganisationen Transnet und GDBA erklärten sich am Abend bereit, die Einladung von Bahnchef Hartmut Mehdorn zu einem Spitzengespräch anzunehmen.

Gewerkschaften setzen Streiks fort

Ungeachtet dessen wollen die Gewerkschaften ihre Streiks am Mittwoch unvermindert fortsetzen. Transnet und GDBA kündigten an, am Mittwoch würden Bahn-Mitarbeiter an insgesamt 13 Standorten zeitweise ihre Arbeit niederlegen. Mit den stärksten Einschränkungen sei beim Personenverkehr rund um Kassel, Mainz und Wiesbaden zu rechnen. In Mecklenburg-Vorpommern werde der Raum Stralsund betroffen sein, in Sachsen-Anhalt der Raum Halle. Auch im brandenburgischen Potsdam werde es zu Arbeitsniederlegungen kommen. Warnstreiks seien auch im Güterverkehr geplant. Dort werde der Schwerpunkt im Raum Nürnberg liegen, teilten die Gewerkschaften mit.

Trotzdem rechnet die Deutsche Bahn AG nicht mit schweren Beeinträchtigungen im Zugverkehr. Die S-Bahnen in den Ballungsräumen sollen nach Fahrplan fahren, wie es in einer Erklärung des Unternehmens hieß. Über eine Service-Hotline, die unter der Telefonnummer 08000 996633 zu erreichen ist, können sich Kunden rund um die Uhr informieren. Aktuelle Informationen sind auch unter www.bahn.de/aktuell erhältlich.

Das Spitzengespräch mit Bahn, Transnet und GDBA soll einem Gewerkschaftssprecher zufolge am Mittwoch in Berlin stattfinden. "Wir sind zu Gesprächen bereit, die dazu dienen, eine weitere Eskalation des Tarifkonflikts zu vermeiden", erklärte Transnet-Chef Norbert Hansen. Der Chef der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL), Manfred Schell, äußerte im Bayerischen Rundfunk die Hoffnung, dass bei dem gesonderten Treffen mit Bahnchef Mehdorn am Donnerstag über einen eigenständigen Tarifvertrag geredet werde. Münde das Gespräch dann in Tarifverhandlungen, würden die Streiks beendet.

Gewerkschaften fordern bis zu 31 Prozent

Transnet und GDBA verlangen für die 134.000 Bahnbediensteten sieben Prozent mehr Entgelt, die GDL neben einem Spartentarifvertrag eine Tarifanhebung für die Lokführer bis zu 31 Prozent. Allerdings hatte Mehdorn einen Spezialtarifvertrag für die Lokführer zuvor erneut abgelehnt. "Einen eigenen Tarifvertrag für die GDL werden wir nicht akzeptieren können", sagte er in Berlin. Mehdorn bezifferte die Kosten für jeden Streiktag auf einen zweistelligen Millionenbetrag.

Bereits am Dienstag organisierten die drei Gewerkschaften getrennt voneinander Arbeitsniederlegungen, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen. Von dem Streik der Lokführer war neben dem Fern- und Regionalverkehr unter anderem in Berlin, Hamburg, Hannover, Frankfurt/Main und München auch der S-Bahnverkehr betroffen. Teilweise kam der Bahnverkehr komplett zum Erliegen. Stundenlange Verspätungen waren die Folge. Auch nach Ende des Arbeitskampfes um 09.00 Uhr gab es bis in den Nachmittag hinein Beeinträchtigungen. Mehdorn erklärte, der Bahnbetrieb sei "flächendeckend schwer gestört" worden, besonders in Ballungszentren. Das befürchtete Chaos auf den Bahnhöfen blieb allerdings aus, offenbar auch, weil die Bahn beamtete Lokführer eingesetzt hatte, die nicht streiken dürfen.

Zahlreiche Pendler hatten sich nach den Ankündigungen vom Montag außerdem auf die Streiks eingestellt. Viele Bahnfahrer stiegen auf das Auto um, doch Befürchtungen, der Straßenverkehr breche zusammen, bestätigten sich nicht.

AP/DPA / AP / DPA