Tarifkonflikt IG Metall droht mit Streiks nach Ostern


Eine Einigung im Tarifstreit der IG Metall mit den Arbeitgebern noch vor Ostern ist nicht "sehr wahrscheinlich", sagt IG-Metall-Chef Jürgen Peters und droht mit einem bundesweiten Streik nach Ostern.

Die IG Metall droht im Tarifkonflikt der Metall- und Elektroindustrie mit bundesweiten Streiks nach Ostern. Wenn die Arbeitgeber "am Verhandlungstisch tatsächlich nur mit 1,2 Prozent kommen, ist das lächerlich und geschmacklos", sagte IG-Metall-Chef Jürgen Peters der "Bild am Sonntag". Auf dieser Basis werde es mit Sicherheit keine Lösung vor Ostern geben. "Ich fürchte, dass viele Arbeitgeber nicht wissen, was sie damit anrichten: Wenn es dabei bleibt, provozieren sie einen Streik", so Peters weiter. "Ich halte einen Abschluss vor Ostern für wenig wahrscheinlich", sagte Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser der "Financial Times Deutschland".

Hohe Streikbereitschaft bei den Metallern

Die Streikbereitschaft der Arbeitnehmer bezeichnete Gewerkschaftschef Peters als hoch. Die IG Metall fordert für die 3,4 Millionen Beschäftigten fünf Prozent mehr Lohn und Gehalt für zwölf Monate. Die Arbeitgeber hatten am Donnerstag erstmals offiziell Einkommenserhöhungen um 1,2 Prozent in diesem und im nächsten Jahr sowie außerdem betriebliche Einmalbeträge von 0,6 Prozent und 0,4 Prozent angeboten.

Ende März hatte die Gewerkschaft mit massiven Warnstreiks begonnen. Auch in den kommenden Woche seien bundesweit Warnstreiks mit unterschiedlicher Intensität geplant, kündigte eine IG Metall-Sprecherin an. Die Metaller in NRW planten beispielsweise am Dienstag einen bundesweiten Aktionstag.

Scharfe Töne schlug auch die IG Metall Bayern an, die mit massiven Streiks nach Ostern drohte. Wenn es keine Einigung gebe, werde die Gewerkschaft nach dem 18. April das Scheitern der Verhandlungen erklären und die Urabstimmung über Streiks beantragen, sagte der bayerische IG Metall-Chef Werner Neugebauer dem Magazin "Focus". In Bayern gehend die Tarifverhandlungen an diesem Mittwoch in die vierte Runde. Der Arbeitskampf solle Produktionsstätten vor allem in Zulieferbetrieben und in der Automobilindustrie betreffen. "Wir werden auch große Endproduzenten beim Maschinenbau durchgehend bestreiken." In Bayern könnten in 116 Betrieben rund 150.000 Beschäftigte die Arbeit niederlegen.

"Wir sind nur ein Prozent auseinander"

Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser sieht zwischen der IG-Metall-Forderung und dem Einkommensangebot der Arbeitgeber nur noch eine Differenz von einem Prozentpunkt. "Es wäre ein Armutszeugnis, wenn wir für das eine Prozent, das wir auseinander sind, nicht im Rahmen eines Gesamtpakets zu einer vernünftigen Losung kämen", sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ). Er bezog sich damit auf eine Äußerung von IG-Metall-Vize Berthold Huber, der gesagt hatte: "Die Welt würde anders aussehen, wenn die Arbeitgeber im ersten Angebot eine hohe Zwei als Strukturerhöhung geboten hätten." Eine IG Metall-Sprecherin ergänzte, diese Äußerungen hätten sich allein auf das Einstiegsangebot bezogen. Grundsätzlich halte die IG Metall an ihrer Fünf-Prozent-Forderung fest.

Kannegiesser bekräftigte, ein Großteil der Metall- und Elektrounternehmen könne sich eine prozentuale Tariferhöhung nicht leisten, die über den gesamtwirtschaftlichen Produktivitätszuwachs hinausginge. "In den nächsten drei, maximal vier Wochen müssen wir zusammenkommen, sonst ist das mit den bisherigen Möglichkeiten des Flächentarifvertrages nicht mehr machbar", sagte er der FAZ.

Auch am Wochenende wurden die Warnstreiks fortgesetzt. Bei Daimler-Chrysler-Werk in Wörth erschienen am Samstag erneut 4000 Beschäftigte nicht zur Arbeit. In Salzgitter verließen nach Angaben der Gewerkschaft bei Bosch Beschäftigte der Frühschicht vorzeitig ihren Arbeitsplatz, um an einer Kundgebung teilzunehmen. Nach Angaben der IG Metall in Neustadt beläuft sich der durch Warnstreiks an diesem und vergangenen Samstag verursachte Produktionsausfall bei Daimler-Chrysler bereits auf 500 Lastwagen.

Zahlreiche Aktionen am Montag

Auch für den kommenden Montag kündigte die IG Metall zahlreiche Aktionen an. Gleichzeitig kommt die Gewerkschaft in Darmstadt mit den Metallarbeitgebern zu weiteren Verhandlungen für die rund 410.000 Beschäftigten der Branche in Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland zusammen. In Böblingen läuft die 5. Tarifrunde für die rund 800.000 Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie Baden-Württembergs. Auch die Tarifverhandlungen für die rund 70.000 Beschäftigten der Branche in Niedersachsen werden an diesem Montag in Hannover fortgesetzt.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker