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1,5-Grad-Ziel Lässt sich so das Klima retten? Die nationalen Pläne im Überblick – und was notwendig wäre

Ein Kind steht auf ausgetrocknetem Land im afghanischen Distrikt Bala Morgab
Ein Kind steht auf ausgetrocknetem Land im afghanischen Distrikt Bala Morgab, wo sich der Klimawandel in Form von ausgedörrten Feldern bemerkbar macht
© Hoshang Hashimi / AFP
Ist das 1,5-Grad-Ziel noch zu halten? Die Emissions-Minderungspläne vieler Staaten hinken dem Pariser Klimaabkommen hinterher, dazu fallen die nationalen Klimaambitionen höchst unterschiedlich aus. 

Sechs Jahre ist es her, dass sich bei der Pariser Weltklimakonferenz fast 200 Staaten zur deutlichen Reduzierung ihrer Treibhausgas-Emissionen verpflichteten. Am Sonntag legten die G20 nach: In der Abschlusserklärung zu ihrem Gipfel in Rom stellten sich die stärksten Wirtschaftsnationen der Welt hinter das sogenannte 1,5-Grad-Ziel.

Doch Wissenschaftler und Umweltschützer kritisieren die weltweit vorgesehenen Klimaschutzmaßnahmen als nicht ambitioniert genug. Laut einer UN-Erhebung steuert die Erde nach aktuellem Stand auf eine Erwärmung von 2,7 Grad in diesem Jahrhundert zu. Ein Überblick über die Klimaziele der größten Treibhausgas-Emittenten:

China

Der weltgrößte Treibhausgas-Emittent China reichte seine aktualisierten Klimaziele am Donnerstag bei den Vereinten Nationen ein – drei Tage vor Beginn der Weltklimakonferenz COP26 in Glasgow. In seinen aktualisierten NDC bekräftigt Peking seine Selbstverpflichtung zur Klimaneutralität bis 2060. Außerdem soll der Höchstwert beim CO2-Ausstoß noch im laufenden Jahrzehnt erreicht sein. Seine Emissionen will China um mehr als 65 Prozent im Vergleich zu 2005 reduzieren. In der vorigen Fassung seiner NDC hatte China eine Minderung seiner Emissionen um 60 bis 65 Prozent bis 2030 zugesagt.  

Das Ziel der Klimaneutralität hatte Staatschef Xi Jinping bereits im vergangenen Jahr vor der UN-Vollversammlung verkündet. Derzeit scheint der Weg dorthin aber noch weit: Vor dem Hintergrund der hohen Nachfrage nach Strom baut China aktuell die besonders CO2-intensive Kohlekraft aus.

USA

Unter ihrem damaligen Präsidenten Barack Obama waren die USA eine treibende Kraft hinter dem Pariser Klimaschutzabkommen. In seinen ersten NDC verpflichtete sich das Land, seine Treibhausgasemissionen bis 2025 um 26 bis 28 Prozent im Vergleich zu 2005 zu reduzieren. Unter Obamas Nachfolger Donald Trump kam es zu einer Kehrtwende: Der Republikaner führte sein Land aus dem Pariser Klimaschutzabkommen und verweigerte sich internationalen Anstrengungen zu mehr Klimaschutz. Nach Trumps Abwahl und dem Amtsantritt von Präsident Joe Biden traten die USA dem Pariser Klimaschutzabkommen wieder bei.

Die aktuellen NDC der USA sehen eine Reduzierung der Treibhausgasemissionen um 50 bis 52 Prozent bis 2030 im Vergleich zu 2005 vor. Dies ist kompatibel mit dem im Pariser Klimaschutzabkommen formulierten Zwei-Grad-Ziel. Um die von Klimaschützern geforderte maximale Erderwärmung um höchstens 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu erreichen, sind die US-Klimaziele laut dem Analyse-Portal Climate Action Tracker (CAT) aber nicht ausreichend.

Europa

Die Europäische Union hatte sich vor sechs Jahren zunächst zu einer Minderung ihrer Treibhausgasemissionen um mindestens 40 Prozent bis 2030 im Vergleich zu 1990 verpflichtet. Im Dezember 2020 aktualisierten die EU-Staaten dieses Ziel – bis zum Ende des Jahrzehnts ist nun eine Reduzierung der Emissionen um "mindestens 55 Prozent" vorgesehen. Damit wird die EU dem Zwei-Grad-Ziel laut CAT gerecht. Zudem will die EU bis 2050 als erster Kontinent klimaneutral werden.

Das inzwischen aus der EU ausgetretene Großbritannien hat sein Ziel, bis 2050 Klimaneutralität zu erreichen, gesetzlich fixiert. Im Dezember kündigte das Vereinigte Königreich zudem an, seine Emissionen bis 2030 im Vergleich zu 1990 um 68 Prozent zu reduzieren. Damit wäre der britische Klimaschutzbeitrag laut CAT sogar kompatibel mit dem 1,5-Grad-Ziel.

Indien

Indien ist der drittgrößte CO2-Emittent der Welt – obwohl der sogenannte ökologische Fußabdruck in dem Land im Schnitt weit unter jenem der Bevölkerungen anderer Industrieländer liegt. Indien hatte sich zu einer Reduzierung seiner Treibhausgas-Emissionen um 33 bis 35 Prozent bis 2030 im Vergleich zu 2005 verpflichtet. Seine aktualisierten NDC hat das Land noch nicht eingereicht.

Russland

Russland trat dem Pariser Klimaschutzabkommen erst 2019 offiziell bei, seine ersten NDC legte das Land im folgenden Jahr vor. Darin vorgesehen ist eine Reduzierung der Treibhausgas-Emissionen um 30 Prozent bis 2030 im Vergleich zu 1990 – was laut CAT eindeutig "unzureichend" ist. Vor kurzem gab Präsident Wladimir Putin dann das Ziel aus, Klimaneutralität bis 2060 zu erreichen. In welchen Schritten genau dies erfolgen soll, erklärte er nicht.

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Japan

2016 hatte Japan eine Reduzierung seiner Treibhausgas-Emissionen um 26 Prozent bis 2030 beschlossen. Als das Land in seinen aktualisierten NDC im März 2020 dasselbe Ziel formulierte, zog dies scharfe Kritik von Experten auf sich.

Diesen Monat legte die Regierung dann ehrgeizigere Pläne vor: Demnach soll Japan bis 2030 eine Reduzierung seiner Emissionen um 46 Prozent im Vergleich zu 2030 erreichen – was laut CAT im Einklang mit dem Zwei-Grad-Ziel steht. Bis 2050 soll Japan klimaneutral sein.

Amélie Bottollier-Depois / fs AFP

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